Szukaj

Thomann & Spitzbarth (Walsheim, DE) gewinnen den 1. National Marseille 2015

"Orange boven", ja, es war ein Flug der Niederländer. Die ersten drei Preise international gingen an die Niederlande und danach kommt der erste Belgier. Von den Franzosen war noch nichts zu sehen. Und aus Deutschland? Wir liegen auf dem 9. Platz international, nicht schlecht! Thomann & Spitzbarth aus Walsheim nehmen diesen Platz ein.

Die internationale Spitze

Mit großen Erwartungen ging man an diesen Flug heran. 10.238 Tauben waren international gesetzt. Davon kamen 2.195 aus Belgien, 1.720 aus Deutschland, 3.611 aus den Niederlanden, 2.581 aus Frankreich, 54 aus Luxemburg und 77 aus England. Der Start erfolgte am 17. Juli 2015 um 6.40 Uhr bei blauen Himmel und Windstille. Kurz und gut, es war ein heiterer Morgen. Es herrschten also ideale Bedingungen beim Start. Um 16.59.37 Uhr wurde die erste internationale Taube auf einer Entfernung von 874,617 km von J. Martens aus den Niederlanden konstatiert. Diese Taube flog  eine Geschwindigkeit von 1.411,546 m/min. Dicht dahinter lag die zweite niederländische Taube von L. Martens (1.407,141 m/min). Nicht viel schlechter war der dritte Niederländer Heynen van Mulken (1.405,706 m/min). Es war also fast ein Kopf-an-Kopf-Rennen dieser drei Tauben.

Den 4. Platz international belegt der Belgier Denis Sauce aus Neufchateau mit einer Konstatierung um 15.39.00 Uhr auf einer Entfernung von 750,030 km, womit er eine Geschwindigkeit 1.391,522 m/min errechnen ließ. Und auf dem 9. Platz folgten dann Thomann & Spitzbarth. Sie konstatierten um 15.37.00 Uhr auf einer Entfernung von 680,990 km. Die erzielte Geschwindigkeit beträgt 1.268,138 m/min. Auf den Plätzen 10 und 12 lagen mit Markus Ernst aus Winterbach und Kipp & Söhnen aus Althornbach zwei weitere Deutsche. Ein erstklassiges Ergebnis für Deutschlands Weitstreckenspieler.


Rigani, die Nationalsiegerin von Marseille 2015

Die deutsche Nationalsiegerin, 0709-14-239, ein jähriges Weibchen

Ja, sie ist die Siegerin, die jährige Täubin mit der Ringnummer 0709-14-239 von Thomann & Spitzbarth aus Walsheim, und sie hat eine traumhafte Abstammung, aber dazu kommen wir noch etwas später. Ihre durchschnittliche Geschwindigkeit von 1.268,138 m/min oder umgerechnet 76 Kilometer pro Stunde ist schon eine stramme Leistung für ein jähriges Weibchen.

Wolfgang Thomann aus Walsheim

Wo liegt nun Walsheim? Nun, es ist ein Ortsteil von Gersheim im Saarpfalz-Kreis, der im Südosten des Saarlandes liegt. Walsheim ist eine kleine Gemeinde mit nur etwa 1.000 Einwohnern, und einer davon ist Wolfgang Thomann (57 Jahre), ein begeisterter Weitstreckenspieler. In einem Bericht habe ich gelesen: „Wolfgang Thomann, ein Verrückter!“ Nein, ein Verrückter ist er bestimmt nicht, aber sehr engagiert. Seit dem 1.1.1972 ist er Mitglied im Verband Deutscher Brieftaubenzüchter. Nach seinen großen Erfolgen in den neunziger Jahren schrieb er das Buch "Faszination Weitstrecke". Er gehörte auch zum Arbeitskreis der Zeitschrift "Die Brieftaube", der deutschen des Verbandszeitung. Wolfgang Thomann nahm auch an einer Flugleiterschulung des Verbandes teil. Er darf sich heute zertifizierter Flugleiter nennen, und darüber hinaus hat er auch eine Ausbildung zum Preisrichter abgeschlossen.

Nach enttäuschenden Flügen auf der Weitstrecke gründete man 2002 die "IG Weitstrecke e.V.", deren 1. Vorsitzender Wolfgang Thomann ist. Wenn man alle seine Aktivitäten Revue passieren lässt, kann man schon sagen: "Wolfgang Thomann, ein Verrückter".


Wolfgang Thomann mit seiner 'Göttin des Himmels' (siehe Text)

Noch etwas zum Namen des Schlages. Viele Jahre reiste Wolfgang Thomann in Schlaggemeinschaft mit Kurt Spitzbarth. Dieser war ein unübertroffener Schlagpartner und Stützpfeiler früherer Erfolge. Ohne seine Hilfe wäre manches nicht möglich gewesen. Leider, leider ist er im Jahr 2011 verstorben. Die Schlagbezeichnung Thomann-Spitzbarth ist geblieben.

Einige herausragende Leistungen

1. nationaler Ass-Vogel 1998
1. bester Jähriger WSC Dreiländereck 2007
1. bestes Weibchen WSC Dreiländereck 2007
1. national Marseille 2008
1. international Marseille Weibchen 2009
1. nationaler Weitstreckenmeister 2009
1. Nationaler Marathon 2010
1. Atlantik-Cup 2010
1. Clubmeister WSC Dreiländereck 2010
1. bester Vogel WSC Dreiländereck 2010
1. bestes Weibchen WSC Dreiländereck 2012
1. bestes Weibchen WSC Dreiländereck 2013
1. national Marseille 2015

Sieger werden nicht als Sieger geboren

Ein Sportler kommt nur mit Talent auf die Welt und erst durch gezieltes, dauerhaftes Training, Muskelaufbau und Lernen bzw. Befolgen von taktischen Anweisungen kann er sein Potential voll ausnutzen. Die Jungtauben von Thomann-Spitzbarth verbringen zwei Nächte in Körben auf dem Schlag. Danach geben sie sich deutlich ruhiger und haben keinen Stress mehr. Von Anfang an nehmen alle an den Flügen der IG Weitstrecke e.V. teil. Nach zwei Flügen von etwa 6 km folgen zwei über 50 km. Bis der erste Flug über 200 km erreicht wird, haben sie etwa 6 bis 7 Flüge hinter sich. Zählt man alle Flüge zusammen, kommen sie so in ihrem Geburtsjahr auf etwa 15 bis 16 Flüge mit einem Endflug von mehr als 300 km. Nach diesem Flug findet die Selektion der Junioren statt. Jungtauben, die nun nicht mehr frisch wirken und Substanz verloren haben, verlassen den Schlag.

Die Jährigen gehen zu Beginn am Wochenende und in der Wochenmitte in den Korb. Eine Taube, die tausend Kilometer an einem Tag fliegen soll, muss zwei kurze Flüge in sieben Tagen verkraften können. So bekommen die Jährigen schon schnell Erfahrung und fliegen etwa bis 500 km am Stück, bis sie nach 14 Tagen Pause zum Bordeaux-Flug eingesetzt werden. Hier trennt sich nun zum ersten Mal die Spreu vom Weizen. Flüge von mehr als 750 km erfordern körperliche Fitness und eine gute Orientierung. Bei ihrem zweiten Einsatz für einen Weitstreckenflug, zum Beispiel Marseille, stellen sie ihre Regenerationsfähigkeit und das Erlernte erneut unter Beweis. Die Guten fliegen nun noch stärker als von Bordeaux, und die weniger Guten fallen nun schon ab und können eine einmalige Leistung nicht wiederholen.


Das Köpfchen der 0709-14-239

Die Abstammung der 0709-14-239

Die 239, genannt wird sie Rigani, hatte  2015 schon einige schöne Preise geflogen, wie den 20. international von Bourges, den 522. international von Bordeaux und den 1.202. international von Limoges. Jetzt sind Sie natürlich gespannt auf die Abstammung. Beschäftigen wir uns zuerst einmal mit dem Vater. Das ist der Sohn Iron Lady, 0709-12-712, der aus dem Red Blade, 0709-06-686, von Rutz & Söhnen stammt. Dieser Vogel hat bereits zahlreiche Preise auf den großen internationalen Flügen gewonnen. Die Mutter des 0709-12-712 ist die berühmte Iron Lady, 0709-04-1521, die 2007 5. nationale Ass-Taube war. Sie flog in dem Jahr unter anderem einen 35. national von Irun und einen 50. national von Barcelona. Schon vorher war sie sehr erfolgreich auf den großen internationalen Flügen. Iron Lady ist eine Enkelin der 1. nationalen Ass-Taube 1998. Mutter der Iron Lady ist übrigens ein Weibchen von Bernd Morsnowski, genannt Miss Euskirchen. Kommen wir nun zur Mutter der Rigani, der Adelheid, 0709-11-266, ein Original von Rutz & Söhne. Ihr Vater ist der Nightflyer Barcelona, 0709-02-195, ein Vogel der mit Spitzenpreisen von Barcelona glänzte. So flog er unter anderem einen 14. national und einen 23. national von Barcelona. Mutter der Adelheid ist die Marcella, 0709-03-971, eine Tochter der Jessie, 0709-01-724, die 2003 den 1. national und 2. international Barcelona flog. Die nationale Marseille-Siegerin ist also vom allerfeinsten Weitstreckenadel.

Noch etwas zu ihrem aparten Namen Rigani. Er kommt aus dem Keltischen und bedeutet ‚Göttin des Himmels‘. Für Wolfgang Thomann war dieser Name naheliegend, denn direkt in der Nachbarschaft von seinem Grundstück wurden in den 1930er Jahren Keltengräber entdeckt. Dazu nebenbei ein Tipp für einen Ausflug: In der Großgemeinde Gersheim gibt es einen deutsch-französischen Kulturpark mit Keltengräbern und den Resten einer römischen Stadt zu besichtigen.

Eine kleine Reisemannschaft

Als kleiner Schlag mit etwa 60 Reisetauben, geführt nach der Methode der totalen Witwerschaft, kann  Wolfgang Thomann natürlich nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Außerdem muss man bedenken, dass er noch voll im Berufsleben steht und im Schichtdienst arbeitet. Aber ihm gelingt es immer wieder, sich mit Spitzenpreisen, Spitzentauben und hohen Preisausbeuten im Licht der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der bisher vielleicht größte Erfolg von Thomann-Spitzbarth waren der 2. und 3. ínternational von Marseille im Jahr 2009. Marseille ist vielleicht so etwas wie ein Schicksalsflug für Wolfgang Thomann.

In den kommenden Jahren sollte man den Schlag in Walsheim weiter gut im Auge behalten.

Komentarze

Klasse Leistung Wolfgang! T-Shirt ist geil!