Horst & Frank Sander u. Zafer Kurtulmus (Münster, DE), 2. Deutsche Verbands-Jungtaubenmeisterschaft 2016

Zunächst sah es so aus, als würden sie die 1. Deutsche Verbands-Jungtaubenmeisterschaft 2016 gewinnen. Mit 1.161,82 Punkten lagen sie lange an erster Stelle, aber dann wurden sie doch noch um Haaresbreite von Martin Bergemann geschlagen, der mit seiner Mannschaft 1.162,58 Punkte erreichte. Es trennten sie also ganze 0,76 Punkte vom Sieg.


Horst und Frank Sander

Horst & Frank Sander und Zafer Kurtulmus aus Münster sind  also die 2. Deutschen Verbands-Jungtaubenmeister des Deutschen Verbandes. Schon seit vielen Jahren gehören Vater Horst (75 Jahre) und Sohn Frank (48 Jahre) Sander zu den herausragenden deutschen Taubenzüchtern. Zur Schlaggemeinschaft gehört seit 2013 auch der 54-jährige Zafer Kurtulmus, der auch ein begeisterter Taubenliebhaber ist und bei allen auf dem Schlag anfallenden Arbeiten zur Hand geht. Im Sommer beschäftigt er sich besonders mit dem Training der Jungtauben. Doch bleiben wir zunächst bei Horst und Frank Sander. Sowohl in der Leitung eines Speditionsunternehmens als auch im Bereich des Taubensports ist Frank in die Fußspuren seines Vaters getreten. Der Motor und damit die treibende Kraft ist heute Frank. Er ist engagiert, fachlich sehr versiert und - was vielleicht besonders wichtig ist - er verfügt über die Dynamik, die im heutigen modernen Taubensport erforderlich ist, um richtig mitmischen und auf höchster Ebene erfolgreich sein zu können. Seit einigen Jahren hat sich der Senior übrigens etwas vom Taubensport zurückgezogen. So zieht Frank heute ganz allein die Fäden und bestimmt die Richtlinien der Politik.


Zafer Kurtulmus und Frank Sander

Die Sanders wohnen in Münster am Buldernweg

und damit am südwestlichen Stadtrand der zirka 290.000 Einwohner zählenden Stadt Münster. Hier betreiben die Sanders ihre Spedition. 1947 wurde das Unternehmen gegründet, es besteht damit fast siebzig Jahre. Geschäftsführer der Firma ist seit einer ganzen Reihe von Jahren Junior Frank.

Übrigens ist Münster in den letzten Jahren durch die Kriminalfilme „Tatort Münster“ mit Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel und Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Professor Börne zu ungeahntem Ruhm gekommen. Diese Filme haben die höchsten Einschaltquoten. Aber das nur so am Rande. 

Die Taubenschläge nehmen den gesamten Dachboden über dem Haus mit den Wohn- und Verwaltungsräumen ein. Platz und Luft ist dort mehr als reichlich vorhanden. Zuchttauben, Reisetauben  und Jungtauben sind alle unter dem Dach untergebracht. Wer nun dort einen riesigen Bestand vermutet, den muss ich leider enttäuschen. Vom Bestand her sind die Sanders für deutsche Verhältnisse ganz normale Taubenzüchter.

Horst, der Ruhige und Frank, der Macher

Es ist eine rundherum harmonische Schlaggemeinschaft. Wie schon gesagt, ist Vater Horst mittlerweile 75 und Frank "erst" 48 Jahre alt. Frank ist offiziell seit 1986 dabei. In ihrem Charakter unterscheiden sich die beiden ganz erheblich. Vater Horst ist mehr oder weniger Hobbyist, ein Liebhaber, der Freude an seinen Tauben haben will und seine Erwartungen nicht immer ganz so hoch schraubt, während Sohn Frank ein Mann mit Power ist. Ein Züchter, der kompromisslos den Erfolg sucht und auch Neuerungen im Sport sehr aufgeschlossen gegenübersteht. Frank sieht den Brieftaubensport als ein sehr vielseitiges Hobby an, für das große Tierliebe eine der wesentlichen Voraussetzungen ist. Die Zucht, der Umgang mit den Tieren, die Leistungen der Tiere und die damit verbundenen Erfolge, die sich sehr schnell zeigen können, machen die große Faszination aus, der sich Frank nicht entziehen kann. Als wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg sieht er die Beobachtungsgabe des Züchters an. Der Züchter muss auf die Tiere eingehen können. Er muss am Verhalten der Tiere erkennen können, ob sich die Tauben wohlfühlen oder ob etwas nicht in Ordnung ist. Zu beachten ist allerdings, dass das bei einer Masse von Tauben nicht möglich ist. Nebenbei bemerkt: Frank Sander ist auch Flugleiter in der Fluggemeinschaft und gehört ebenfalls zum Team der Flugleitung des Regionalverbandes.  

Die Zuchtbasis

Es ist noch immer die alte Zuchtbasis, deren Grundlage die Nachkommen des Eurostar und des Wonder van Haacht bilden. In vielen Stammbäumen der allerbesten Tauben tauchen diese Namen auf.  Die genannten Vögel befruchten nicht mehr, aber ihr Blut ist über ihre Söhne, Töchter und Enkel erhalten geblieben. In den letzten Jahren sind natürlich verschiedene Tauben dazugekommen. Wir wollen und können hier nicht auf alle Neueinführungen eingehen, aber über eine Neueinführung muss doch berichtet werden. Es sind die Tauben von dem bekannten Niederländer Willlem de Bruijn, der selbst ganz hervorragend reist, allerdings mit vielen Tauben. Zwölf Tauben hatten sich die Sanders bei ihm geholt. Meistens bleiben bei einer so großen Anzahl von Neueinführungen nur ganz wenig übrig. Aber bei den Tauben von Willem de Bruijn war das anders. Sie haben fast alle sehr gut eingeschlagen.


B 05-6042114, der Malie, ein Superzuchtvogel von Maes-Stevens

Seit vielen Jahren sind die Sanders schon unglaublich erfolgreich. Wer spielt in Deutschland über einen längeren Zeitraum besser? Dass sich diese Erfolge nicht mit Tauben zweiter Klasse erzielen lassen, muss nicht besonders betont werden.

Den Grundstein für die heutige Basis legte der Senior im Jahr 1982. Damals holte er Tauben von erfolgreichen deutschen Züchtern. Doch das ist lange her. Ab und zu findet man noch einige dieser Tauben in den Stammbäumen. Später kamen dann neue Tauben. So wurden in den Jahren 1996 und 1998 mehrere Tauben von Gaby Vandenabeele eingeführt. Eine der besten Vererberinnen ist die B 98-3158374, eine Tochter aus dem berühmten Wittenbuik mit der Zus Prinsesje. Diese Täubin ist noch sehr oft in den Stammbäumen der heutigen allerbesten Vererber zu finden. Weitere Tauben von echter Klasse kamen mit dem Eurostar (NL 98-1126959) und dem Star Kid 7000 (NL 98-1127000) von Marien van Koppen nach Münster. Und natürlich darf man auch das Wonder van Haacht nicht vergessen.

Das Wonder van Haacht

Dazu muss ich eine kleine Geschichte erzählen. Eigentlich dürften die Sanders diesen Vogel nicht das Wonder van Haacht nennen, denn er ist nicht der in Haacht ersteigerte Vogel. Ein Wundervogel ist er trotzdem. Am 16. Februar 2002 wurde auf Position 16 der Versteigerung anlässlich des Festes der Gouden Duif ein noch sehr junger gehämmerter Vogel von Cornelis & Gerard Koopman angeboten. Sein Vater war der berühmte Kleine Dirk, seine Mutter Miss Ermerveen. Nach hartem Bieter-Gefecht hatte Frank Sander bei 5.500 € den Zuschlag erhalten. So ganz früh konnten die Sanders mit ihrer Neuerwerbung nicht züchten, und am Ende der Saison gab es zur allgemeinen Überraschung kein einziges Jungtier daraus. Der Sohn des Kleine Dirk befruchtete nicht. In ihrer Verzweiflung wandten sich die Sanders dann im Frühjahr 2003 direkt an Gerard Koopman und schilderten ihm das Problem. Die Lösung hatte Gerard schnell parat. Er ging auf seinen Zuchtschlag und bot den Sanders als Ersatz spontan einen vollen Bruder mit der Ringnummer NL 01-1135699 an. So saß also seit März 2003 dieser Vogel unter dem Namen Wonder van Haacht auf dem Zuchtschlag in Münster. Wie so viele Söhne und Töchter aus dem Ausnahmevererbers Kleine Dirk züchtete der Wonder van Haacht ganz gewaltig. Heute befruchtet er natürlich nicht mehr.

Man kann gut und gern sagen, dass das Wonder van Haacht zu den überdominanten Vererbern gehörte, von denen es leider viel zu wenig gibt. Man findet noch viele seiner Söhne und Töchter sowie Enkel in den Stammbäumen der allerbesten Reisetauben auch der jüngeren Generation.


02884-13-660, ein Sohn des Malie mit einer Tochter des Eurostar, wird 2015 2. Ass-Vogel im Regv. und sitzt jetzt auf dem Zuchtschlag

Neue Zuchttauben

Die Zeit bleibt nicht stehen, und besonders Tauben haben ein relativ kurzes Leben. Nach rund 8 Jahren befruchten oder legen sie in vielen Fällen nicht mehr. So darf sich kein Taubenzüchter auf seinen Lorbeeren ausruhen und denken, dass alles so weitergeht. Rechtzeitig muss frisches Blut angeschafft werden, natürlich passend zum eigenen Stamm und mit einem Kick nach oben. Wenn man auf so hohem Niveau steht wie die Sanders, ist das besonders schwer, aber man ist fündig geworden. Darum möchte ich hier über ein paar Tauben berichten, die sich schon ganz besonders bewährt haben.

Da ist einmal der Malie, B 05-6042114, von den Züchtern Maes-Stevens. Frank Sander bezeichnet ihn als neuen Stammvogel. In Verbindung mit der 02884-03-861, Tochter Eurostar, brachte er u. a. den Prinz Malie, 02884-08-273, der 2010 13 Preise flog und 7. bester Ass-Vogel von Deutschland war. 2011 flog er 12 Preise. Dieser Vogel gehört jetzt schon zu den herausragenden Zuchtvögeln bei den Sanders. Eine andere Taube, die sich schon bewährt hat, ist die 02884-11-296, eine volle Schwester des 02884-08-273. Sie ist unter anderem die Mutter des besten jährigen Weibchens der RV.

Und dann sind da, wie gesagt, die Willem de Bruijn-Tauben, die sich schon sehr gut durchgesetzt haben. Da ist einmal der Hurricane, NL 11-1742579, ein Sohn des Olympic Hurricane von Willem de Bruijn, der Olympia-Teilnehmer war. Gepaart war er mit der Blue Flame, NL 07-1821760, einem Superzuchtweibchen. Der Hurricane bildet mit einer Tochter aus dem Wonder Van Haacht x Eurostar 1000 ein Paar.

Eine andere hervorragende Zuchttaube von Willem de Bruijn ist der Schalie Apollo, NL 11-1742585. Er stammt aus dem De-Bruijn-Stammpaar Apollo, NL 01-1892694, x Rosalinde, NL 08-1543464. Dieser Schalie Apollo hat sich inzwischen auch schon als Supervererber entpuppt. Gepaart wird er übrigens mit der Sture Malie, 02884-08-316, einer Tochter des Malie mit der 02884-03-861 (aus Eurostar x Tochter Wittenbuik).

Das sind nur einige der Neueinführungen, die ein „Gewinn“ für den Zuchtschlag der SG Sander sind. Trotz des nicht aufgeblähten Zuchtschlages kann man sagen: Sie haben einen Zuchtschlag ohne Grenzen. Taubensport auf höchstem Niveau, Taubensport, wie er besser nicht sein kann.


02884-13-630, ein Sohn des Hurricane mit Wondergirl 154, fliegt 2016 viel Spitzenpreise

Die 2. Deutsche Verbands-Jungtaubenmeisterschaft 2016

Diese Meisterschaft wird ausgeflogen auf 4 Jungtierpreisflügen. Gewertet werden von sechs vorbenannten Tauben die drei schnellsten. Es zählt die Zahl der Preise und es zählen die erzielten Ass-Punkte. Ein Flug über 300 km, ausgeflogen auf Regionalverbandsebene, muss dabei sein. Mit ihren zwölf Vorbenannten erreicht die Schlaggemeinschaft von 1.200 möglichen Punkten 1.161,82 Punkte. Leider reichte das nur für den 2. Platz, über den aber viele andere Züchter sehr froh gewesen wären.

Vier Flüge zählten für die Deutsche Verbands-Jungtaubenmeisterschaft. Schauen wir uns die Ergebnisse der Sander-Tauben dabei einmal an.

20.08.2016 Alsfeld (176 km) 1.355 Tb.: 27., 29., 30., 31., 32., 33., 33., 33., 
36., 37., 38., 39., 40., 62., 86., 96., 100., 102., 103., 104., 112., 
113. usw. (42 Preise/72 gesetzt)
29.08.2016 Bad Brückenau (242 km) 1.189 Tb.: 1., 2., 3., 4., 5., 6., 7., 8., 9., 10., 
13., 18., 21., 23., 24., 30., 31., 32., 34., 36., 38., 66., 68., 72., 72., 74., 76., 
109. usw. (56/72)
03.09.2016 Bad Kissingen (267 km) 7.392 Tb. im RegV.: 2., 3., 4., 5., 8., 9., 10., 11., 
14., 17., 19., 22., 23., 26., 61., 66., 66., 71., 72., 81., 83., 83., 90., 108., 
114., 124., 127., 145., 145., 152., 182., 277., 290., 307., 308., 319., 324., 
328. usw. (69/65)
10.09.2016 Wiesentheid (315 km) 6.102 Tb. im RegV.: 4., 5., 6., 9., 10., 11., 11., 13., 
14., 16., 17., 18., 19., 20., 21., 22., 25., 38., 62., 147., 201., 241., 254., 254., 
258., 259. usw. (60/70).

Gegen Ende der Saison wurden die Leistungen der Jungtauben in der Spitze immer besser. Man muss es natürlich auch verstehen, seine Tauben richtig zu benennen. Und das können die Sanders, wie das Ergebnis bei der Deutschen Jungtaubenmeisterschaft zeigt.


02884-14-36, eine Kombination Gonschior x Tochter Malie, fliegt zahlreiche Spitzenpreise.
Er ist ein Vollbruder von 16-355, Miterringer der 2. Deutschen Jungtaubenmeisterschaft.
 

Zum Schluss

Das Ziel von Horst und Frank Sander ist es, Spitzentauben zu züchten. Nicht die Zahl der geflogenen Preise ist entscheidend, sondern die Zahl der Spitzenpreise. Man sieht es hier auch nicht als Ziel an, Jahr für Jahr fast die komplette Reisemannschaft zu ersetzen. Die Reisetauben dürfen ruhig älter werden.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich von den Sander-Tauben total begeistert bin. Es sind erstklassige Tauben mit seidenweichem Gefieder, wie es besser nicht sein kann, mit einer phantastischen Muskulatur - zum Teil richtig dick aufliegend - mit einem kurzen Oberarm, mit hervorragenden Augen und einer unglaublichen Ausstrahlung. Dazu habe ich Zuchttauben von allergrößter Klasse gesehen. Ich denke, wenn alles normal läuft, werden Horst & Frank Sander und Zafer Kurtulmus auch in den kommenden Jahren wieder bei allen Meisterschaften ein Wörtchen mitreden.