Zoeken

Vandenheede Jaques, "Belgischer Topschlag auf der Kurz- und Mittelstrecke"


Jacques Vandenheede, Zingem (BE)


Jacques Vandenheede wohnt in Zingem. Dieser Ort liegt in der belgischen Provinz Ostflandern und ist nur einen Katzensprung von Gent entfernt. Von hier aus betreibt er den Brieftaubensport mit sehr großer Leidenschaft. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Kurz- und Mittelstreckenflüge. Auf diesen scheint seine Übermacht oft erdrückend und nicht selten sorgen seine Tauben für wahre Heldentaten. Ob regional, provinzial oder national – Jacques Vandenheede spielt an allen Fronten und gewinnt überall. Seit Jahren kann er sehr eindrucksvoll seine Ausnahmestellung
untermauern. Mit der Erringung der 1. Allgemeinen provinzialen Meisterschaft K.B.D.B. 2004 in Ostflandern gegen ca. 10.000 Schläge hat er einen Titel an seine Fahnen geheftet, der für sich selber spricht und jeden Kommentar erübrigt. Ein Jahr zuvor in 2003 stand er bereits mit dem 3. Platz bei derselben Meisterschaft auf dem Treppchen. Wenn man dazu noch weiß, daß in Ostflandern sehr viele bekannte und erfolgreiche Züchter beheimatet sind, dann kann man diesen Plazierungen nicht genug an Bedeutung beimessen. Der Name Vandenheede ist zu einem Qualitätsbegriff im belgischen Brieftaubensport geworden. Dies nicht zuletzt auch auf Grund der Tatsache, daß Freddy, der Bruder von Jacques ebenfalls ein Brieftaubenzüchter der Extraklasse ist.

Begonnen hat alles mit Rene Vandenheede, dem Vater von Jacques und Freddy. Dieser holte sich einst seine Basis bei Mencke-Haelterman in Zandbergen-Ninove und beteiligte sich bis zu seinem Tode im Jahre 1993 mit sehr großem Erfolg am Reisegeschehen. Sohn Freddy übernahm nach dem Tod des Vaters dessen Tauben und spielte zuerst mit der Mutter in einer Schlaggemeinschaft und wenige Jahre später nur noch unter seinem Namen mit dem Erbe des Vaters weiter. Jacques hingegen begann bereits im Jahre 1967 damit, sich in Eigenregie am Reisegeschehen zu beteiligen. Auch er erkannte die große Klasse, die sein Vater auf den Schlägen sitzen hatte und schöpfte aus dieser Quelle, um seinen Stamm aufzubauen. Wenngleich diese Tauben bis heute das Fundament bilden wurde im Zeitablauf immer wieder frisches Blut integriert. Dieses kommt aber grundsätzlich nur von anderen bewiesenen Topschlägen. Nach Einführung werden die neuen Tauben auf Herz und Nieren getestet, denn nur die Allerbesten dürfen bleiben. Jacques Vandenheede ist sehr streng, die Meßlatte liegt hoch und Neueinführungen, die sich nicht einfügen und den gewünschten Erfolg bringen verschwinden wieder schnell vom Schlag. Einen besonderen Glücksgriff hat Jacques Vandenheede mit den Tauben von der Schlaggemeinschaft De Rauw–Sablon gemacht, die es mittlerweile nicht mehr gibt und deren Tauben für viel Geld in einer Totalversteigerung neue Eigentümer fanden. In Verbindung mit den vorhandenen Leistungslinien haben diese für eine wertvolle Ergänzung gesorgt und hervorragende Leistungstauben hervorgebracht.

Besonderes Markenzeichen – Nationale Spitzenpreise
Was die Tauben von Jacques Vandenheede so interessant und wertvoll macht ist ihre Fähigkeit Spitzenpreise zu fliegen. Insbesondere auf den provinzialen und nationalen Mittelstreckenklassikern zeigen sie ihr Können und fliegen beständig in die Spitze der Preislisten. Der Traum fast aller belgischer Mittelstreckenspieler ist es ohne Zweifel einmal den nationalen Flug ab Bourges zu gewinnen. Für Jacques Vandenheede blieb es kein Traum, sondern wurde Wirklichkeit. Aber damit nicht genug, denn neben diesem grandiosen nationalen Triumph konnte er weitere Nationalsiege an seine Fahnen heften. Im einzelnen errang er die folgenden nationale Siege:

- 1. Preis national Bourges 1999 gegen 44.239 Jungtauben (Größte Geschwindigkeit von 67.798 Tauben)
- 1. Preis national Gueret 2000 gegen 1.311 Jährige und 794 Weibchen
- 1. Preis national La Souterraine 2001 gegen 17.315 Jungtauben
- 1. Preis national Gueret 2002 gegen 1.626 alte Tauben und 640 Weibchen

Neben diesen Nationalsiegen stehen zahlreiche weitere Plazierungen unter den „Top Ten“ auf verschiedenen Nationalflügen zu Buche. Jahr für Jahr wird die Erfolgsliste immer länger und ein Ende scheint noch lange nicht in Sicht, denn Jacques Vandenheede ist ein Vollbluttaubenzüchter der voll und ganz hinter dem Brieftaubensport steht. Mittlerweile in Rente findet er genügend Zeit um sich selber um seine Tauben zu kümmern. Früher als er noch berufstätig war und im Schichtdienst bei Volvo arbeitete konnte er sich auf die Unterstützung seiner Frau verlassen, die ihm tatkräftig zur Seite stand, um die Tauben optimal zu versorgen.
Das Stichwort Versorgung führt uns zum nächsten Abschnitt, denn in Anbetracht all dieser Erfolge ist es mit Sicherheit sehr interessant sowohl Versorgung, Methode und Spielsystem zu hinterfragen.


Jungtauben und Witwerweibchen – Garanten des Erfolges
Tut man dies, dann bleibt einem nicht verborgen, daß es die Jungtauben und Witwerweibchen sind, die im Hause Vandenheede für provinzialen und nationalen Ruhm sorgen. Jacques Vandenheede hat sich nämlich auf das Spiel mit diesen spezialisiert und setzt keine jährigen und alten Vögel in den Reisekorb. Nach Anpaarung Ende November werden in 2 Runden ca. 150 Jungtauben gezüchtet. Die strenge Selektion sorgt dafür, daß zu Beginn der Preisflüge bereits 50 Jungtauben selektiert sind und mit dem Rest in die Saison gestartet wird. Zunächst sind die Jungtauben der 1. und 2. Runde getrennt, werden aber später zusammen gelassen und können sich dann in den geräumigen Jungtaubenschlägen frei bewegen. Alle Jungtauben werden zunächst verdunkelt. Im Klartext bedeutet dies, daß bis zum 10. Juni abends der Vorhang um 18.00 Uhr zugeht und morgens um 8.00 Uhr aufgeht.

Alle Jungtaubenschläge sind mit einer dicken Schicht Weizenstroh versehen. Als ich während der diesjährigen Reisesaison zu Besuch war konnte ich mich davon überzeugen, daß sich die Tauben im Weizenstroh pudelwohl fühlen. Gereist wird nicht nach der Witwerschaftsmethode, sondern auf Nest. Die Jungtauben können tun und lassen was sie wollen. Sie dürfen sich frei verpaaren, bauen wo immer sie wollen ihre Nester und werden so auf die Wettflüge eingesetzt. Unabhängig vom Geschlecht absolvieren alle Jungtauben ca. 15 Wettflüge bis 600km. Auf die Frage nach dem optimalen Neststand gibt mir der Meisterzüchter aus Zingem zu verstehen, daß es für ihn keinen optimalen Neststand gibt. Frische oder angebrütete Eier, kleine oder faustgroße Jungtauben spielen laut dem Meisterzüchter keine Rolle.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß sowohl Vögel, als auch Weibchen auf unterschiedlichen Nestständen hervorragendes auf den Wettflügen geleistet haben. Eine Gesetzmäßigkeit läßt sich daher nicht ableiten. Gefüttert werden die Jungtauben morgens mit Säuberungsmischung und abends steht Jungtaubenfutter auf dem Speiseplan. Die 24 Witwerweibchen hingegen werden nicht auf Nest, sondern nach der Witwerschaftsmethode gespielt. Angepaart werden diese mit Zuchtvögeln, die nach dem Hochbringen von 2 Runden Jungtauben im Zuchtschlag zur Verfügung stehen. Alle Witwerweibchen sind unter der Woche während der Reisesaison in ihren Zellen eingeschlossen. Sowohl Futter und Wasser erhalten sie in der Zelle und nur zum Freiflug dürfen sie diese verlassen. In Bezug auf den wöchentlichen Futterplan gibt es zu berichten, daß die Witwerweibchen nach Ankunft von einem Flug eine Säuberungsmischung erhalten. Ab dem darauffolgenden Tag wird morgens Säuberungsmischung und abends Sportmischung gefüttert.

Am Einsatztag und den Tag zuvor erhalten die Tauben nur noch Sportmischung. Mit Beiprodukten wir eher sparsam umgegangen, was aber nicht heißen soll, daß auf deren Einsatz verzichtet wird, denn Tauben die wöchentlich Höchstleistungen vollbringen sollen brauchen regelmäßig Mineralien, Aminosäuren, Vitamine und Spurenelemente. Erwähnenswert erscheint noch die Tatsache, daß die Tauben nach der Rückkehr von einem Flug über das Wasser ein vorbeugendes Präparat gegen Kopfkrankheiten und Trichomonaden verabreicht bekommen. Das den Tauben ständig frischer Grit und Taubenstein zur Aufnahme angeboten wird ist eine Selbstverständlichkeit, nichts außergewöhnliches, aber trotzdem eine wichtige Ernährungsergänzung, die niemals auf dem Schlag fehlen sollte. Mit Blick auf die Frage, was für den Erfolg insgesamt ausschlaggebend ist gibt der Meisterzüchter aus Zingem zu verstehen, daß Erfolg im Brieftaubensport eine von zahlreichen Komponenten abhängige Variable ist. Schlag, Qualität der Tauben, Spielsystem und die Versorgung ist im Zusammenspiel miteinander die erfolgsbringende Formel. Zum Thema Versorgung und Spielsystem berichtet der Meisterzüchter aus Zingem, daß es weniger darauf ankommt welche Versorgungsmethode und welches Spielsystem Anwendung findet, sondern vielmehr entscheidend ist, daß man an einem bestimmten System langfristig festhält. Viele Wege führen nach Rom, aber man sollte den Weg den man einmal eingeschlagen hat auch beibehalten. Das ständige Wechseln von Versorgungsmethoden und Spielsystemen mögen die Tauben nicht - Mißerfolg ist nicht selten die Quittung.

Ein weiterer Aspekt auf den Jacques Vandenheede sehr großen Wert legt ist das Band zwischen ihm und seinen Tauben. Aus diesem Grund verbringt er sehr viel Zeit mit den Tauben und genießt sein Hobby in vollen Zügen. Jacques Vandenheede ist ein weiser und kluger Brieftaubenzüchter, der viel Erfahrung mit bringt. Im Gespräch gibt er oft kurze und prägnante Sätze von sich, die den Sachverhalt auf den Punkt bringen. Philosophieren und lange Reden schwingen sind nicht sein Ding. Der Name Jacques Vandenheede steht für Geradlinigkeit, Einsatzbereitschaft und einer extra großen Portion Taubenweisheit. Mit Blick auf die Erfolge glaube ich, daß das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist und Jacques Vandenheede auch in Zukunft im Konzert der Besten belgischen Kurz- und Mittelstreckenspieler sehr erfolgreich mitspielen wird. Und wer weiß, vielleicht gelingt es ihm ja noch einmal Bourges an seine Fahnen zu heften, was ihn in Belgien bestimmt unsterblich machen würde.