Reybroeck & Söhne, "Belgischer Meister Große Weitstrecke K.B.D.B. (2005)"

 


Roger Reybroeck & Söhne


Weitstreckenflüge – Flüge bei denen Tauben den ganzen Tag in der Luft hängen, oft übernachten müßen und dann beim ersten Hahnenschrei am nächsten morgen aufbrechen, um weiter nach Hause zu fliegen, sind und bleiben wahrlich eine Ausnahmeleistung unserer gefiederten Freunde. Wenn man bedenkt wie oft solche Flüge von widrigen Umständen begleitet werden, dann ist die Leistung der Tauben, die diese Flüge zu bewältigen haben nicht hoch genug einzuschätzen. Heißes Wetter, schlechtes Wetter, zäher Gegenwind gegen den die Tauben den ganzen Tag ankämpfen müßen sind Einflußfaktoren, die nicht selten den Tieren alles abverlangen, um diese Flüge erfolgreich zu bewältigen.

Einer der Topschläge von Belgien auf der Weitstrecke ist im ostflämischen Melsen beheimatet. Hier wohnt Roger Reybroeck, der mit seinen Söhnen Chris und Jan den Brieftaubensport betreibt. Zusammen bilden sie ein schlagkräftiges Team, daß schon seit vielen Jahren durch ihre bestechenden Resultate auf der Weitstrecke glänzt. Alle Erfolge aufzuführen, die in den vielen Jahren errungen wurden hieße mit Sicherheit Eulen nach Athen zu tragen. Eine komplette Übersicht der letzten Jahre würde Seiten füllen. Um allerdings die enorme Leistungsstärke dieses Schlages zu verdeutlichen sind nachfolgend die Meisterschaftshighlights aus 2005 aufgeführt:

- 1. Meister auf der großen Weitstrecke „Fondvereinigung Ostflandern“
- 1. belgischer Meister "Tierce van de Fond B.V.“
- 2. belgischer Meister auf der großen Weitstrecke K.B.D.B.
- 3. Platz beim internationalen Wettbewerb „Europacup“ (Beste belgische Platzierung)
- 3. Platz beim nationalen Wettbewerb „Primus-Inter-Pares“ (Beste belgische Barcelonataube der letzten 5 Jahre, Belg 99-4013720 „Mister Barcelona“)
- 4. belgischer Meister beim „Nationalen Marathon“
- 5. belgischer Meister „Millenium Championship“
- 6. Platz beim internationalen Wettbewerb „International All Time Pigeon
Ranking“ (Beste belgische Platzierung)

Die Auszeichnung bester belgischer Schlag auf der großen Weitstrecke von Belgien, die von der renommierten belgischen Brieftaubenfachzeitschrift „De Belgische Duivensport“ verliehen wird hätte man wohl auch 2005 erringen können, wenn die Sportsfreunde Reybroeck nicht vergessen hätten das Antragsformular rechtzeitig abzusenden. Diese Meisterschaft wird mit jeweils zwei vorbestimmten Tauben auf 6 Weitstreckenflügen ausgeflogen. Maximal sind demnach 12 Preise zu erringen.

9 Preise konnten die Sportsfreunde aus Melsen sammeln, der spätere Gewinner dieser Meisterschaft wurde mit 8 Preisen in der Zeitschrift ausgewiesen. Bei der Vielzahl von Meisterschaften, die es gibt kann man wohl leicht den Überblick verlieren und so kam es, daß man den Einsendeschluß einfach verschlafen hat.

Wenngleich das ein bißchen ärgerlich ist besteht kein Zweifel daran, daß Roger Reybroeck und seine Söhne Chris und Jan im Moment zu besten belgischen Weitsteckenspielern gehören. Roger Reybroeck begann 1960 mit dem Brieftaubensport. Seine Söhne Chris und Jan sind auch mit einer Taube im Herzen geboren und fanden schnell Interesse an den gefiederten Freunden des Vaters. Eine weitere Säule ist Schwiegersohn Patrick, der sich auch für die Brieftauben begeistern konnte und auf den immer Verlaß ist, wenn Unterstützung benötigt wird. Um sich eine solide Basis zu schaffen wurden zu Beginn Tauben von den Gebr. De Baere und Desmet-Matthijs aus Nokere geholt. Aber auch von anderen Spitzenschlägen der damaligen Zeit fanden erstklassige Tauben ihren Weg nach Melsen. In den sechziger und siebziger Jahren wurden hervorragende Ergebnisse auf der Mittelstrecke erzielt. Woche für Woche flogen die Tauben oft alles in Grund und Boden und der Schlag Reybroeck war weit über die Grenzen hinaus für sein phantastisches Mittelstreckenspiel bekannt. Später wandte man sich immer mehr den Flügen der großen Mittelstrecke zu und seit 1987 ist das Hauptaugenmerk haupsächlich auf die nationalen und internationalen Weitstreckenflüge gerichtet.

Um dieser Herausforderung gerecht zu werden wurde im Laufe der vielen Jahre die alte Leistungsbasis kontinuierlich mit anderen Tauben erstklassiger Herkunft ergänzt. Stichelbaut-Tauben und die weltbrühmten Janssen-Tauben aus der 019 Linie brachten einen weiteren Leistungsschub. Aber auch so illustere Namen wie Imbrecht, Willequet, Roossens und Deweerdt haben deutlich ihre Spuren im Taubenstamm hinterlassen. In der jüngeren Vergangenheit wurden erfolgreich Tauben der Erfolgslinien Roger Florizoone und Georges Carteus integriert. Darüber hinaus klopfte man auch bei Louis Deleus an die Tür, um von ihm Tauben mit nach Hause zu nehmen. Schließlich und letztendlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß auch das berühmte holländische Weitsteckenblut Einfluß auf den heutigen Taubenstamm hatte. Nachzucht und zum Teil Originaltauben von Wim Muller, Bakker und Sohn (Roter Van der Wegen) den Gebr. Kuijpers und Cas van der Graaff fanden ihren Weg auf die Schlaganlagen nach Melsen. Auch die Nachzucht des berühmten „Barcelona“ von Eddy Korsten aus Moerbeke-Waas (Belgien) brachte das Blut der Wim Muller, Jan Aarden und Van Wanroy Tauben auf die Schläge nach Melsen. Trotz der Weitstreckenambitionen darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Tauben von Roger Reybroeck und seinen Söhnen Chris und Jan auch hervorragende Ergebnisse auf den kürzeren Distanzen nach Hause fliegen. Und das nicht nur, wenn die Flüge schwer sind, sondern auch bei echtem schönen Taubenwetter. Zahlreiche Spitzenresultate stehen auch auf den Kurz- und Mittelstreckenflügen zu Buche und sprechen eine deutliche Sprache. Ein absolutes Traumergebnis wurde zum Beispiel im Jahre 2001 auf dem nationalen Mittelstreckenklassiker Bourges (439km) erzielt. Von 23 eingesetzten Tauben konnten sich bei schönem Taubenwetter unter optimalen Bedingungen nicht weniger als 22 Tauben in der semi-nationalen Preisliste platzieren. Auch beim Studium der zahlreichen Spitzenpreise der beiden blauen Topvögel Belg-98-4118453 „De Fijnen Blauwen“ und Belg-98-4118373 „De Super 373“ wird die Qualität der Reybroeck Tauben offensichtlich – auf der einen Seite hart, zäh und ausdauernd und die Fähigkeit über lange Distanzen erfolgreich den Heimatschlag anzufliegen und auf der anderen Seite gleichzeitig mit der notwendigen Grundschnelligkeit ausgestattet, um auch auf den Mittelstreckenflügen und sogar auf der Kurzstrecke beständig in die Spitze zu fliegen. Wer in Melsen die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis stellt bekommt eine klare und deutliche Antwort, nämlich daß auf der Weitstrecke zu 90% die Qualität der Tauben der ausschlaggebende Faktor ist. Sie können es oder sie können es nicht - klingt simpel, aber ein kurzer und markanter Satz der den Sachverhalt auf den Punkt bringt. Trotz dieser Aussage möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß die Familie Reybroeck eine feine Taubenzüchterfamilie ist, die mit viel Fachwissen, Feingefühl für die Tauben und durchdachten Planung und Organisation den Brieftaubensport betreibt und meines Erachtens letztendlich dies der wesentliche Ausgangspunkt für die hervorragenden Erfolge ist. Ziel der Meisterzüchter aus Melsen ist es auf den weiten Flügen zu den besten in Belgien gehören. Das Spiel mit Jungtauben wird daher nicht forciert. Nicht das Jungtaubenspiel, sondern das zukünftige als Weitstreckenspiel steht im Vordergrund. Deshalb werden die Jungtauben auch nicht verdunkelt. Die Tauben werden ganz natürlich gehalten und auf Flügen bis 300 km zum Einsatz gebracht. Dies gewährleistet eine natürliche Entwicklung, um gesunde und widerstandsfähige Tauben für die Zukunft zu erhalten. Mit Medikamenten und Zusatzprodukten wird insgesamt sehr sparsam umgegangen. Tauben, die auf den weiten Flügen zu bestehen haben dürfen nicht ständig mit irgendwelchen Produkten verhätschelt werden lautet der Tenor. In Bezug auf die Methode gibt es nichts außergewöhnliches zu berichten. Bei den jährigen und alten Tauben wird die klassische Witwerschaftsmethode praktiziert und Täubinnen gehen wie bereits erwähnt nur als Jungtauben bis 300 km in den Korb. Wer den Ausführungen der Weitstreckenchampions zuhört bekommt das Gefühl als wäre Erfolg im Brieftaubensport eine ganz einfache Angelegenheit. Den Fokus auf das Wesentliche zu richten ist ihre Botschaft. Die Kunst besteht darin Schwerpunkte dort zu legen, wo sie benötigt werden und für den Erfolg verantwortlich sind. Das dies Roger Reybroeck und seinen Söhnen immer wieder gelingt zeigt auch der internationale Flug ab Pau 2005, bei dem es zum ersten mal keine Beschränkung der teilnehmenden Tauben pro Schlag gab. Pau ist ohne Zweifel ein Weitstreckenklassiker bei dem die besten Weitstreckenliebhaber mit ihren besten Tauben gegeneinander konkurrieren. Am Dienstag, den 28. Juni 2005, bekam um 6.45 Uhr das internationale Gesamtaufgebot von 8.438 Tauben die Freiheit in Südfrankreich.


Roger Reybroeck und Söhne konnten von 5 eingesetzten Tauben am Mittwoch, den 29. Juni 2005, wie folgt ihre Tauben in Empfang nehmen: 6.25 Uhr, 7.51 Uhr, 8.10 Uhr und 13.20 Uhr. Damit erringen sie national und international 4 Preise von 5 eingesetzten Tauben und hatten mit den 3 Spitzenpreisen die schnellste Dreierserie in Belgien. National belegen die ersten drei Tauben nämlich den 13., 40. und 45. Konkurs gegen 2.212 Tauben. International bedeutete dies der 66., 178. und 202. Konkurs gegen nicht weniger als 8.438 Tauben. Dieses Ergebnis unterstreicht einmal mehr die Topklasse dieses belgischen Weitsteckenschlages, der auch international ohne Zweifel zu den aktuell besten Weitstreckenschlägen gehört. Mit Sicherheit lassen sich viele ähnliche Beispiele anführen, wenn man die letzten Jahre Revue passieren läßt. Nichts desto trotz richtet man in Melsen den Blick immer in die Zukunft. Wenngleich auch das Reisejahr 2006 wieder ein sehr gutes war stehen mit der kommenden Reisesaison 2007 wieder neue Herausforderungen auf dem Programm. Jedes Jahr sich aufs neue zu beweisen und an der Spitze der besten internationalen Weitsteckenspieler mitspielen ist das Ziel das man sich gesteckt hat. Das dies Roger Reybroeck und seinen beiden Söhnen Chris und Jan schon seit langem außerordentlich gut gelingt ist kein Geheimnis und ich bin mir ziemlich sicher, daß man auch in Zukunft beim Studium der nationalen und internationalen Weitstreckenpreislisten den Namen Reybroeck stets vorne finden wird.