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SG Paszkowiak (Bochum, DE): Top-Leistungen im Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet ist das Herz Deutschlands. Hier pulsiert das Leben. In dieser von Kohle und Stahl geprägten Industrieregion Deutschlands leben Menschen, die es gewohnt sind, hart zu arbeiten; die das Herz auf dem rechten Fleck haben und bei denen ehrliche Arbeit seit Generationen an oberster Stelle steht.

Als Ausgleich zu dieser harten Arbeit wird hier seit Hunderten von Jahren auch der Sport ganz groß geschrieben. Natürlich steht hier der Fußball an erster Stelle: Der Double-Gewinner Borussia Dortmund, der Traditionsklub Schalke 04, die vielen anderen Vereine der 2. Liga, und auch andere Sportarten haben diese Region geprägt und weltweit bekannt gemacht.

Aber auch und gerade der Brieftaubensport hat hier eine große Tradition, und der größte Teil der Mitgliedschaft des deutschen Verbandes ist hier beheimatet. Hier wurde und wird noch immer Brieftaubensportgeschichte geschrieben und Brieftaubensport gelebt. Wer hier im „(Kohlen-)Pott“ erfolgreich ist, der darf sich mit Fug und Recht zur Creme des nationalen und internationalen Sportes zählen. Hier ist die Konkurrenz auf engem Raum so stark und geballt, wie nur selten auf der Welt; vielleicht noch vergleichbar mit der Provinz Antwerpen in Belgien.

SG W.,R.,R.,T.,L. Paszkowiak (Bochum, DE)

Ein Schlag, der dieser Konkurrenz in den letzten Jahren gewaltig seinen Stempel aufdrückt, ist die SG Paszkowiak aus der RV Bochum 05. Diese Gemeinschaft besteht aus dem jetzt 73-jährigen „Leader“ Wolfgang Paszkowiak, seiner Frau Renate, dem Sohn Ralf, dessen Frau Tina und der Enkeltochter Lea. Hier ist jeder aus dieser Familie in den Sport eingebunden, jeder hat seine Aufgabe, und die Erfolge sprechen für sich.

Hier ein Auszug der Erfolge der letzten Jahre:

2010 :

1. RV-Meister, 1. RV-Jährigenmeister, 2. RV-Pokalmeister, 1. RV-Weibchenmeister, 1. RV-Generalmeister, 1. EDV-Meister, 1. Verbandsmeister Jugend (Lea), 1. Verbandsmeister (RV-Ebene), 1. RV-Meister (Regional-Ebene), 1. Ass-Weibchen Regional, 1., 2. und 4. Ass-Taube der RV, bester jähriger Vogel der RV, 6 Mal 1. Konkurs in 2010

2011 :

2. RV-Meister, 1. RV-Jährigenmeister, 1. RV-Pokalmeister , 2. RV-Weibchenmeister, 2. Generalmeister, 1. Verbandsmeister Jugend (Lea), 1. Verbandsmeister RV-Ebene, 1. Verbandsmeister Regional-Ebene, 1. Verbandsmeister Jährige RV-Ebene, 1. Mittelstreckenmeister Regionalverbandsebene, 1. Klinik-Cup Regionalverbandsebene, 2. jähriger Vogel der RV, 4 Mal 1. Konkurs

2008, 2009, 2010 und 2011 gewannen sie insgesamt 20 1. Konkurse!

Top-Tauben an der Basis

Welche Tauben stehen nun an der Basis, woher kommen solche Spitzenleistungen? Ende der 90-er Jahre waren es einige Tauben von Piet Manders, die zunächst für einen ordentlichen Leistungsschub sorgten. Noch heute ist diese Janssen-Basis in den Erfolgstauben verankert. Einer der Leistungsträger aus dieser Basis ist der im Bild gezeigte Schalie-Vogel „33“.

Der große Wurf gelang aber 2005. Bei einer Verlosung der Zuchtstation Stellermann gewann Wolfgang eine Taube aus der Linie des weltberühmten „Figo“ von A. & H. Reynaert in Verbindung mit einer Enkelin des „Limoges“ von Gaby Vandenabeele. „Figo“ selbst war ein Superflieger mit 16 ersten Konkursen, darunter einem Nationalsieg ab Bourges. Die Vererbungsstärke dieses Blauscheck-Vogels ist mittlerweile legendär und weltbekannt. Überall auf diesem Erdball zeigte die Nachzucht dieser Jahrhunderttaube Top-Leistungen.

Parallel zu dieser Taube erwarb Wolfgang auf einer Versteigerung der Züchter Neuhaus und Sohn 3 Tauben aus den Erfolgslinien dieses Düsseldorfer Spitzenschlages. Besonders hervorgetan hat sich hier der Vogel „03-469“ (Linie Janssen-Bellens); gepaart an die o.a. Täubin aus der „Figo-Linie“ brachten sie Spitzentiere am laufenden Band. Allein 6 Tauben aus dem glorreichen Jahrgang 2006 haben herausragende Leistungen gebracht. Bis heute fliegen Kinder und Enkelkinder aus dieser Verpaarung ca. 20 erste Konkurse.

02421-06-91 – „Olympia 91“- Der Supercrack

Herausragender Sohn dieses Paares ist zweifelsohne der „91“, der bis 2009 neben vielen, vielen Spitzenpreisen u. a. fünf Mal den 1. Konkurs errang und 1. Olympiataube Kategorie „Allround“ für Deutschland auf der Olympiade in Dortmund 2009 war. Als krönender Abschluss seiner erfolgreichen Leistungen als Reisevogel wurde er auf der DBA 2010 zum „Superstar“ gewählt. In Konkurrenz mit vielen berühmten Tauben großer belgischer, niederländischer und deutscher Züchter haben ihm die Besucher durch Abstimmung zu diesem Titel verholfen.

Sehen Sie ihn sich an, und wenn Sie die Möglichkeit haben, dann nehmen Sie ein Foto des „Figo“ dazu. Der „91“ kann seine Herkunft nicht verleugnen.

02421-06-9 – Schwester „Olympia 91“

Auch sie stammt aus dem Ausnahmepaar „469“ x „1789“. Die „9“ ist eine Vollschwester des „91“ und neben vielen Top-Leistungen bringt auch sie es auf 5 saubere 1. Konkurse. Sie war jahrelang eine der Leistungsträgerinnen bei Paszkowiak und ist nun eine der Top-Vererberinnen in Bochum.

Die Schlaganlage – einfach und zweckmäßig

Die Schlaganlage wurde schon vor vielen Jahren im Garten des Eigenheims errichtet. Sie ist zweistöckig erbaut. Im oberen Teil befinden sich die Reisetauben, der untere Teil mit angebauter Voliere ist den Zuchttauben vorbehalten. Der Teil für die Reisetauben ist unterteilt in ein Abteil für die Jungtiere, zwei Abteile mit Sitzbrettern für die Reiseweibchen sowie ein Abteil mit Zellen für die Witwer. Alles ist hier so eingerichtet, dass die Tauben sich einfach wohlfühlen müssen. Hier und da eine kleine dunkle Ecke, ein Sitzplatz an der Wand etc. bieten den Tauben individuelle Möglichkeiten, sich zu solchen Top-Leistungen zu motivieren. Dazu kommt eine hervorragende, natürliche Ventilation, die für eine optimale Be- und Entlüftung sorgt. Vor Jahren eingebaute Ventilatoren haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Sie sind mittlerweile nicht mehr in Betrieb.

Schlagführung und medizinische Betreuung

Natürlich machen solche Erfolge die Leser auch neugierig. Gibt es noch irgendwelche Geheimnisse, Mittelchen etc., die die Tauben befähigen, zu solchen Erfolgen zu kommen, oder ist es im Endeffekt doch wieder nur die gute Taube in der Hand eines guten Züchters mit einem vernünftigen System? Wir haben Wolfgang interviewt. Bilden Sie sich selbst Ihre Meinung:

„Ich halte über Winter 90 bis 100 Tauben, wovon 16 Zuchttauben sind. Diese werden in der Regel zwischen dem 01. und 06. Januar des Jahres gepaart, während die Reisepaare Ende bis Mitte Februar zusammenkommen und jeweils ein Jungtier großziehen. Für den Eigenbedarf werden ca. 50 Jungtauben behalten, die ohne Verdunkelung nach der natürlichen Methode, sprich vom Brett, auf die Reise gehen. Bei den Alttauben bevorzuge ich die totale Witwerschaft, die ich mit 60 Tauben (30 Vögel/30 Weibchen) beginne. Meine medizinische Vorbereitung beschränkt sich auf die Paramyxo-Impfung (Gesamtbestand) sowie eine 6-tägige Ronidazol-Kur nach der Eiablage. Allerdings fahre ich alle 3 Wochen mit einigen Reisetauben zu Frau Dr. Neumann-Aukthun nach Ense-Bremen bei Soest und lasse die Tiere untersuchen. Ansonsten setze ich bei der Versorgung meiner Tauben auf die Methode von Dr. Brockamp, und zwar genauso wie es in seinem Buch beschrieben ist. Zur Vorbereitung auf die Preisflüge trainiere ich meine Mannschaft ca. zwei bis drei Mal auf 5 bis 10 km. Gleiches gilt für die junge Garde, die ich zwischen den Preisflügen zusätzlich ein Mal wöchentlich nach Lüdenscheid (40 km) bringe und dort auflasse. Generell gilt für das Einkorben, dass die Partner zuvor 5 Minuten zusammen sein dürfen. Nach der Heimkehr beträgt die gemeinsame Schmusezeit je nach Flugverlauf ca. 2 bis 3 Stunden. Vögel wie Weibchen trainieren morgens und abends, wobei ich bei den Weibchen eine Umlaufmethode der besonderen Art praktiziere. Ich verfüge über zwei mit Sitzregalen ausgestattete Weibchen-Abteile. Die Witwen stürmen nach dem Training in das über der Eingangstür sichtbare Abteil. Wenn 20 Weibchen eingesprungen sind, werden sie über den Gang in das andere Abteil umgetrieben. Die anderen 10 Weibchen bleiben im kleinen Abteil bzw. im Durchgangsschlag, wodurch immer wieder andere Tauben in den jeweiligen Abteilen sitzen und auf diese Weise kaum Probleme mit gleichgeschlechtlichen Paarungen bestehen.
Bei den Reisevögeln praktiziere ich die Zellenfütterung. Sie erhalten Ovator-Futter (2 Tage Relax, 2 Tage Energie und anschl. Power). Bei den Weibchen steht von Anfang bis Ende die Weibchen-Siegermischung von Versele-Laga auf dem Programm. Vögel wie Weibchen bekommen zusätzlich jeden Tag Hanf und geschälte Sonnenblumenkerne. Von Diätfutter halte ich grundsätzlich wenig. Meine Tauben bekommen im Winter „Zucht und Mauserperle“ von Ovator. Leider können meine Tauben aufgrund der eklatanten Greifvogelproblematik von Oktober bis März keinen Freiflug erhalten, was ich sehr bedaure.“

Lea Paszkowiak

Sie ist eine positiv Taubenverrückte, die 13-jährige Lea Paszkowiak. Sie ist eine der Jugendlichen, von denen wir uns mehr wünschen. Aktiv an allen Arbeiten beteiligt, weiß sie auch bestens Bescheid über ihre Tauben, kennt jeden ihrer gefiederten Freunde, weiß über deren Abstammung Bescheid etc. Wo gibt es so etwas noch? Ihre Arbeit muss natürlich mit Erfolgen belohnt werden. Neben vielen Platzierungen in der Spitzengruppe der Jugendklasse auf Verbandsebene konnte sie 2010 auf Bundesebene den herausragenden 1. Platz belegen. Bleibt zu hoffen, dass Lea auch zukünftig trotz steigender schulischer Aufgaben und anderer Interessen so aktiv und erfolgreich bleibt.

Es bleibt uns nur noch, zu diesen großartigen Erfolgen zu gratulieren. Leider hat das Jahr 2012 mit einem großen Rückschlag begonnen. Der Flug ab Tennenlohe endete in einer Katastrophe. Der Konkurs stand zwei Tage offen, und viele der Leistungsträger kamen erst spät oder gar nicht zurück. Die RV hat die Reise zunächst eingestellt und wird in den nächsten Wochen wahrscheinlich wieder mit einem kleinen Programm neu beginnen. Wünschen wir den Paszkowiaks dazu viel Erfolg. Die Erfolgsgeschichte wird weiter gehen.