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Interview Het Spoor: Ein Gespräch bei PIPA, dem exklusivsten Versteigerungshaus für Tauben der Welt

PIPA und die niederländische Taubenzeitung Het Spoor der Kampioenen (Die Spur der Meister) kamen kürzlich für ein Interview zusammen. Lesen Sie hier das Ergebnis des Gesprächs über das Gestern, das Heute und das Morgen von PIPA, dem exklusivsten Versteigerungshaus für Brieftauben der Welt.


Van links nach rechts: Nikolaas, Carlo und Thomas Gyselbrecht

Die Inhaber des Versteigerungshauses PIPA haben sehr klare Prinzipien, bei denen drei Pfeiler im Mittelpunkt stehen. Die verkauften Tauben müssen exklusiv sein. Eine Zusammenarbeit mit Taubenzüchtern wird immer langfristig geplant und letztendlich werden alle angebotenen Tauben einer umfassenden und strengen Auslese unterworfen. Diese Prinzipien führten schon schnell dazu, dass PIPA das exklusivste Versteigerungshaus der Welt für Tauben wurde. Het Spoor traf sich für ein Gespräch mit den Brüdern Nikolaas und Thomas Gyselbrecht.

PIPA besteht seit zirka 18 Jahren. Ihr versteigert Tauben seit 2004. Wie hat sich eure Arbeit seitdem verändert?

Nikolaas: 1999 wurde der Grundstein für PIPA gelegt. Im Dezember 2000 wurde der Domänen-Name registriert, und während der ersten vier Jahre diente unsere Website lediglich der Information der Züchter, ohne dass es etwas einbrachte. Damals war ich noch allein, 2001 unterstützte mich Martin Degrave, und auch mein Vater war im Hintergrund immer bereit, einzuspringen, wo es nötig war. 2003 haben wir zum ersten Mal eine Reihe von Tauben verkauft. Das war zu einem festen Preis und eher notgedrungen, denn 2003 beendete ich mein Studium und wollte versuchen, aus PIPA etwas zu machen, von dem ich leben konnte. Um die Website online halten zu können, mussten wir die Kosten, die entstanden, jedenfalls decken können. Die ersten Einkünfte, die wir hatten, kamen durch Anzeigen. Im Sommer 2004 kam mir dann mein Bruder Thomas zu Hilfe, weil ich es allein nicht mehr schaffte und mir zu viel zugemutet hatte. Ich arbeitete Tag und Nacht an der Site und war auch kurze Zeit am Ende. Thomas kam zu PIPA, um mir aus der Not zu helfen. Man kann es mehr als brüderliche Liebe ansehen. PIPA war bis zu diesem Moment für Thomas etwas, das ihm nicht ferner liegen könnte, aber er fand schon schnell Gefallen daran. Er wurde sofort zu einem wichtigen Pfeiler innerhalb unseres schnell wachsenden Betriebes. Thomas legte großen Wert auf die Auslese der Tauben, die wir anbieten wollten. Wachstum oder Geldgewinn ist für keinen von uns beiden jemals eine Triebfeder gewesen, sondern war eher die Folge unserer klaren Prinzipien. Der Umsatz ist nicht wichtig, sondern nur die angebotene Qualität. Und dieses Prinzip hat sich im Laufe der Jahre eigentlich niemals verändert. Ich denke auch, dass das einer der allerwichtigsten Gründe für unseren Erfolg ist. Manche Leute beginnen oft etwas in dem Bestreben, damit Geld zu verdienen. Wir haben niemals Entscheidungen im Hinblick darauf getroffen, wie viel es einbringen könnte. Wir lehnten schon von Anfang an auch Tauben ab, die viel hätten einbringen können, aber von denen wir dachten, dass sie nicht gut genug für unsere Kunden waren.

Thomas: Ein gutes Beispiel dafür, dass kurzfristiges Geldverdienen für uns keinen Vorrang hat, ist die Versteigerung von Leo Heremans im Jahr 2013. Bei seiner Totalversteigerung hatten wir die Möglichkeit, den gesamten Bestand für 750.000 Euro zu kaufen. Die Versteigerung brachte letztendlich 4,3 Millionen Euro. Der Gewinn, den wir hätten machen können, wäre gigantisch gewesen. Wir haben Leo jedoch überzeugt, uns die Tauben in Kommission zu geben, sodass er mehr übrig behalten würde, während wir auch unseren Teil abbekamen. Wir wollen mit unseren Partnern zusammenarbeiten, sodass jeder seinen Vorteil und ein gutes Gefühl dabei hat. PIPA kauft also keine Tauben auf, um dann einen großen Gewinn zu machen. Nein, wir möchten gern eine echte Beziehung zu den Taubenliebhabern aufbauen, mit denen wir zusammenarbeiten und mit denen wir versteigern. Wir möchten das Ganze zusammen mit dem verkaufenden Züchter ausbauen. In Ausnahmefällen kaufen wir mehrmals im Jahr auch schon mal einen Bestand auf, wenn der betreffende Züchter absolut nichts von einem Verkauf in Kommission wissen will, und wir unsererseits wirklich glauben, dass es für PIPA und unsere Kunden mehr Wert hat, dass wir die Versteigerung organisieren. Aber der hauptsächliche Grund ist nicht der Gewinn. Nun wird in der kommenden Saison eine ganz besondere Versteigerung auf PIPA stattfinden. Wir haben schon eine Vereinbarung mit dem betreffenden Züchter, einem Monument im weltweiten Taubensport. Aber er will aus Prinzip einfach einen festen Betrag. Dieser Mann ist im Taubensport so eine Ikone, dass wir damit auch einverstanden waren. Den Namen können wir noch nicht verraten, aber es geht um einen Burschen von Format.

Nikolaas: Wir möchten gern zusammen Geschichte schreiben und wachsen. Wir helfen und unterstützen auch die Leute, die auf kommerziellem Gebiet selbst nicht so stark sind. Wir dürfen sagen, dass so im Laufe der Jahre doch sehr viele Züchter die Chance bekommen haben, aus ihrem Hobby auch ihren Beruf zu machen. Das macht uns wirklich viel Freude. Es muss also klicken, aber es läuft auch andersherum: Wenn es nicht klickt, kann man nicht zusammenarbeiten. Ich denke auch, dass wir stolz darauf sein können, dass beinahe 99% aller Spitzenzüchter von Belgien, den Niederlanden und von anderen wichtigen Taubenländern in unserem Portfolio vertreten sind. Ich denke auch, dass das der Beweis ist, dass unser Philosophie ankommt.

Auch in Bezug auf die Züchter und die verkauften Tauben wurde zweifellos ein langer Weg zurückgelegt?

Nikolaas: Der Fokus lag zunächst auf Belgien und den Niederlanden. Inzwischen haben wir dort mit quasi allen Züchtern, mit denen wir es wollten, eine Zusamenarbeit beginnen können. Wir verfolgen jedoch auch immer neue und aufstrebende Schläge ganz genau. Aus dem Ausland kam die Bitte, mit PIPA zu arbeiten, eigentlich ganz von selbst. Spitzenzüchter aus Polen, Deutschland, Frankreich, USA usw. wandten sich an uns mit der Bitte, auf PIPA zu versteigern. Für viele ist es ihr großer Traum, einmal auf PIPA verkaufen zu dürfen, und das hören wir natürlich gern. Einer unserer aktuellsten Lieferanten, der mit uns eine langfristige Zusammenarbeit vereinbarte, ist Mike Ganus. Er ist weltweit die Nummer 1, wenn es um Tribünenflüge geht. Von ihm haben wir das Exklusivrecht, Tauben im Internet zu verkaufen und auch für alle seine Verkäufe in Europa.

Thomas: Seit wir begonnen haben, die Tauben zu beurteilen, ist die Qualität der angebotenen Tauben noch weiter gestiegen. Es ist jetzt oft sogar so, dass Züchter, die eine Reihe von Tauben für eine Versteigerung anbieten, selbst sagen: "Sucht euch die Tauben mit 9 von 10 Punkten aus, die anderen nehme ich wieder mit." PIPA darf also selbst die besten und schönsten Exemplare auswählen. Daraus spricht viel Vertrauen, und das Letztere ist für uns sehr wichtig. Außerdem ist es so, dass die Käufer auf diese Art viel schönere Tauben bekommen, sodass sie ihrerseits auch wieder zufriedener sind. 

Man darf das Organisieren einer Versteigerung auf PIPA übrigens nicht unterschätzen. Die Vorbereitungen für eine Versteigerung beginnen fast ein Jahr vorher. Es ist ein intensiver Prozess, beginnend, in gemeinsamen Überlegungen mit dem Verkäufer, mit der Zusammenstellung von speziellen Paaren. Dann folgt das Züchten, das tadellose Aufwachsen und die Auslese der Tauben.

Auch ein DNA-Test ist für denjenigen, der mit PIPA versteigern will, Pflicht. Dabei geht es sowohl um die Eltern als auch um das Geschlecht. Für uns ist das sehr wichtig. Pro 30 zum Verkauf stehenden Tauben tauchen bei ungefähr 1 oder 2 Exemplaren Fehler auf. Oft entsteht so ein Fehler unbewusst durch einen Irrtum in der Buchhaltung des Züchters. Mit dem DNA-Test hat man jedoch immer Sicherheit, und das sowohl in Bezug auf die Abstammung als auch das Geschlecht der Taube.

Ihr züchtet bei PIPA auch selbst Tauben. Wie geht ihr dabei vor?

Nikolaas: Stimmt. Unser Fokus richtet sich hauptsächlich auf den Handel mit Tauben. Der eigene Zuchtschlag ist eigentlich mehr ein Hobby-Projekt von uns. Wir sind schließlich in der vierten Generation Taubenzüchter, und das kann man nicht so einfach verleugnen. Wir haben alle Drei unser eigenes Zuchtprojekt.

Beginnen wir mit dem Zuchtschlag von Vater Carlo Gyselbrecht. Dort dreht sich alles um den ‘Laureaat Barcelona’, der 1995 den internationalen Sieg von Barcelona gewann. Hier wird von Carlo nur gezüchtet. Die Tauben werden auf Filialschlägen getestet.

Daneben gibt es das PIPA Elite Center, kurz PEC. Es wurde 2008 gegründet. Hier war der Basisvogel ‘New Freddy’, und jetzt dreht sich alles um die Linien seines Urenkels ‘Porsche 911’, einer der besten Tauben, die je in Belgien geflogen haben. Hier konzentrieren wir uns auf die Flüge von 400 bis 800 km, sowie auf die Tribünenflüge. Genau wie bei Vater Carlo werden die gezüchteten Jungtauben auch auf mehreren Filialschlägen gespielt.

Zum Schluss haben wir auch noch die Linie von ‘Best Kittel’. Hier dreht sich alles um die reine Kurzstrecke, und damit beschäftigt sich vor allem Thomas.

Wir investieren oft auch zusammen mit anderen Züchtern in Spitzentauben. So kauften wir viele Spitzentauben für Barcelona zusammen mit Batenburg-van de Merwe. Auch ‘Nadine’ kauften wir zusammen mit Kaier und Bart Geerinckx. Ganz aktuell erwarben wir den 'Golden Prince' gemeinsam mit Samuel Mbiza, um das PEC zu verstärken. Wir werden auch regelmäßig von anderen Züchtern gebeten, uns am Kauf einer Spitzentaube zu beteiligen, und das machen wir auch, wenn wir stark an diese Taube glauben. Außerdem bleibt so hin und wieder eine Spitzentaube in Belgien, anstatt nach Asien oder in den Mittleren Osten umzuziehen.

Stillstand ist Rückschritt. Welche Innovationen habt ihr vor und wie wollt ihr euch weiterentwickeln?

Nikolaas: Die größte Herausforderung für uns ist, 'nein' zu neuen Möglichkeiten zu sagen. Wir bekommen jede Woche alle möglichen Vorschläge und Chancen, von der Gründung von Web-Shops für Taubenprodukte über Veranstaltung eines Tribünenfluges bis zum Einsteigen in den Bau von Taubenschlägen. Aber unser Augenmerk ist darauf gerichtet, in dem, was wir jetzt tun, besser zu werden, nämlich das exklusivste Versteigerungshaus der Welt für Tauben zu sein und zu bleiben.

Darum werden wir auch in Zukunft weiterhin in unter anderem IT investieren. Bis jetzt haben wir im Laufe der Jahre schon zirka 3 Millionen Euro in IT investiert. Ein ansehnlicher Betrag. Auch hier wieder ein Hinweis auf unser Prinzip, dass der Gewinn von Geld kurzfristig kein Muss ist. Wir investieren das verdiente Geld lieber in unseren Betrieb, um noch besser und stärker zu werden. Wir arbeiten darum auch mit drei Vollzeit-Programmierern, denn wir wollen sowohl die Käufer als auch die Verkäufer so gut wie möglich bedienen. Die Zahl unserer Mitarbeiter ist nun schon seit einigen Jahren stabil gebliebenen, und trotzdem ist der Umsatz in den letzten Jahren enorm gestiegen und das auch dank der Investitionen in IT. Die aktuellste Ergänzung des Versteigerungsteils der Website ist der Filter, mit dem man bei einer Versteigerung zielgerichtet nach Tauben suchen kann. Für die kommenden Jahre sind noch zahlreiche Neuerungen für die Website geplant.

Die Totalversteigerung von Gaby Vandenabeele habt ihr gerade hinter euch. Es wurde ein grandioser Erfolg. Wie habt ihr die Versteigerung erlebt?

Thomas: Für uns war es vor allem eine Ehre, diese Versteigerung organisieren zu dürfen. Gaby ist außerordentlich loyal. Nach dem Entschluss, total zu verkaufen, ist er persönlich zu uns gekommen. Gaby hat ganz klar niemals daran gedacht, nicht über PIPA zu versteigern. Wir müssen zugeben, dass so ein großes und uneingeschränktes Vertrauen zu PIPA für uns auch eine zusätzliche Motivation ist, die Versteigerung zu einem guten Ende zu bringen.

Wie seht ihr die weitere Entwicklung des Taubensports und von PIPA?

Nikolaas: Wir haben als PIPA natürlich das Glück, unseren Standort in Belgien zu haben. Hier und in den Nachbarländern findet man die besten Reisetauben der Welt. Für PIPA ist der Einfluss der sinkenden Züchterzahlen eher gering. Aber wir sind doch besorgt. Hoffentlich können die nationalen Verbände hier und in den umliegenden Ländern die Wende einleiten. Dabei möchte PIPA auch um Rat gefragt werden, dass das erfolgreich geschieht. Wir finden, dass der Vorstand der Taubensportszene eines Landes sehr wichtig ist. Seine Politik bestimmt jedenfalls das Gesicht des Taubensports für den Taubenzüchter. Eine falsche Entscheidung kann einen großen Einfluss auf die Züchter, unsere Kunden und damit auch auf PIPA haben.

Ich bin vor allem der Meinung, dass alle dasselbe Ziel haben müssen. Sowohl der Verband als auch die Züchter müssen in dieselbe Richtung schauen. Die Zahl der reisenden Mitglieder auf akzeptablem Stand zu halten, ist dabei sicher eine große Herausforderung.