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Thomann-Spitzbarth - Walsheim/saar DL

Thomann-Spitzbarth, Walsheim/Saar - DL (2008)
Die Schlaggemeinschaft Wolfgang Thomann und Kurt Spitzbarth spielte in den vergangenen Jahren immer stärker. In der diesjährigen Saison gelangen ihnen nun besondere Erfolgserlebnisse. Schon beim Auftakt der internationalen Flüge ab Pau konnten sie sich mit dem 5. Preis international und dem 2. Preis international bei den Weibchen in der Spitze platzieren und mit ihrem Weibchen "Tresor" ein hübsches Sümmchen gewinnen.

Den absoluten Höhepunkt der Saison stellte aber ihr Nationalsieg ab Marseille mit dem Jährigen "D'Artagnan" dar, der sich in der internationalen Liste an 3. Stelle wiederfindet. Also Gründe genug Ihnen diese Sportfreunde, ihre Tauben und ihr Tun näher vorzustellen.

Wolfgang Thomann, ein Verrückter!
Im August feierte Sportfreund Thomann seinen fünfzigsten Geburtstag. Zusammen mit seiner Frau Monika bildete er seit ihrer Hochzeit eine Schlaggemeinschaft. Sie wohnen in dem 1000 Seelen-Ort Walsheim /Saar, das im letzten Jahrhundert vor allem durch seine Brauerei bekannt wurde. Mit Stolz erfreuen sie sich an ihren erwachsenen Kindern Daniel, Michael und Corinna. Gemeinsam arbeiten sie im Schichtdienst als Krankenpfleger bzw. Krankenschwester auf der Neurochirurgischen Intensivstation der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg. Wolfgang Thomann begann als Jugendlicher und einziger Züchter im Ort mit Brieftauben.
Bereits seit 01.01.1972 ist er Mitglied im Verband Deutscher Brieftaubenzüchter. Seit dieser Zeit ist er mit Kurt Spitzbarth befreundet. In der Jugendzeit konkurrierten sie gegeneinander und brachten mit Mopeds ihre Tauben in die Einsatzstellen. Jeder Brieftaubenzüchter hat einen "Schlag" ( tickt nicht ganz richtig ), Wolfgang ist ein Verrückter.
So schrieb er nach seinen Erfolgen in den neunziger Jahren das Buch "Faszination Weitstrecke" in dem er alle seine Geheimnisse der breiten Züchterschaft zur Verfügung stellte. In der Zwischenzeit gehört er schon mehr als zehn Jahre zum Arbeitskreis der Zeitschrift "Die Brieftaube" des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter. Um sich das entsprechende Fachwissen anzueignen, nahm er auch an einer Flugleiterschulung des Verbandes teil und darf sich nun zertifizierter Flugleiter schimpfen. In diesem Frühjahr schloss er nach dreijähriger Lehrzeit seine Ausbildung mit bestandener Prüfung als Preisrichter ab.
Nach für die Zone 1 enttäuschenden Flügen gründete man 2002 nach dem Vorbild des WSC Oberhausen die "IG Weitstrecke e.V.", um die Tauben gezielter auf die internationalen Flüge vorbereiten zu können. Dabei wurde Wolfgang Thomann zum 1. Vorsitzenden, Lothar Lessmeister zu seinem Stellvertreter, Ewald Heller zum Schriftführer und Hugo Kipp zum Geschäftsführer gewählt. Inzwischen kann die IG einen Kabinenexpress mit Anhänger ihr Eigen nennen. Den Erfolg dieser Maßnahmen belegen die Nationalsiege, Internationale Siege und die gewonnenen Meisterschaften durch die Mitglieder der IG. In der Schlaggemeinschaft Thomann-Spitzbarth übernimmt Wolfgang die Zusammenstellung der Paare, Dokumentation und Planung für die Zukunft.

Kurt Spitzbarth, der "Coach"
Nach Jahren der Abstinenz vom Taubensport fand er erst wieder im neuen Jahrtausend zurück. In kurzer Zeit entwickelte er sich zu einem unentbehrlichen Stützpfeiler des Erfolges. So füllt er als Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde Gersheim mit regelmäßigen Arbeitszeiten, die Lücken, die Wolfgang mit seinen Früh-, Mittag- und Nachtdiensten, auch an Wochenenden, nicht abdecken kann. Mit besonderer Freude genießt er die oft stundenlangen Trainingsflüge der Tauben am Haus, raucht dabei seine Zigaretten und kann die Beobachtungen des Trainings, auch einzelner Tauben, und ihre Formentwicklung erfassen und wiedergeben. In den Schlägen entgeht ihm keine Veränderung und mit seinem handwerklichen Geschick wurden in den vergangenen Jahren verschiedene bauliche Veränderungen durchgeführt. Aber auch bei den anderen vielseitigen Aktivitäten hilft er wo er kann.

Verlorene Jahre!
Der heutige Schlag ist ein Fertigprodukt der Firma Punt und wurde 1987 erbaut. Etwa 2,25 Meter breit und 10,75 Meter lang. Darin gibt es ein Zucht-, ein Jungtier-, ein Witweibchenabteil und zwei Witwerschläge mit 28 Zellen. Nach erfolgreichen Umbaumaßnahmen an den Schlagdecken in der Anfangszeit drang eine Katze in ein Abteil ein. Daraufhin wurde die gesamte Decke entfernt und Maschendraht eingezogen. Zuerst wurde das Klima als verbessert angesehen. Aber im Sommer funktionierte der Schlag nicht mehr und die Leistungen bei den internationalen Flügen gingen zurück.
Nach verlorenen Jahren wurde an einem Nachmittag der alte Zustand mit dem Anbringen von Holzplatten wieder hergestellt. Bei dem folgenden Nationalflug des Verbandes ab Brive konnten national mit 20 Tauben 18 Preise errungen werden. Und bei dem Abschluss der Saison ab Perpignan konnte mit dem 12. Zonenpreis und dem 31. Preis national begonnen werden! Seitdem ging es wieder aufwärts! Aber die Jahre waren verloren!!!

Bei schlechten Tauben ist alle Mühe vergebens!
Mit den ersten Tauben der Familie Kipp aus Althornbach auf dem neuen Schlag ging es bergauf! In der Zwischenzeit verbindet eine feste Freundschaft Hugo, Wulfram, Wolfgang und Kurt. In den vergangen Jahren sind auch durch Gemeinschaftspaarungen rund sechzig Tauben nach Walsheim gekommen. Aber auch viele Tauben anderen Ursprungs kamen zu Thomann-Spitzbarth. Besonders seien dabei Jan van Keulen, Rutz und Söhne, Werner Bölting und Herbots-Heller zu erwähnen. Aber auch Einzeltauben von Raymund Hermes und Bernd Morsnowski hinterließen ihre Spuren. In der Zucht vertraut Wolfgang gerne den As-Tauben bzw. den Nachkommen daraus. As-Tauben flogen in einer Saison wiederholt Spitze und bestätigten damit ihre Fähigkeiten der Regeneration, Orientierung und des Durchsetzungsvermögens. So wurde der "First National" als
1. Nationaler As-Vogel behalten und in der Zwischenzeit Vater und Großvater einiger Spitzentauben. Und auch die "Carmen" als 2. Nationales As-Weibchen brachte mit ihrer Tochter "Tresor" eine Spitzentäubin! Ein weiteres Standbein in der Zucht bilden Tauben, die aus erfolgreichen regionalen Spitzentauben von Barcelonaflügen stammen. Diese Tauben finden sich zum Beispiel in der mütterlichen Seite des "D'Artagnan". In der Zucht bringen Kreuzungen die nötige Vitalität, dabei werden auch gezielte Inzuchtpaarungen zur Verankerung des wertvollen Erbgutes durchgeführt. So findet der Interessierte das Kipp-Paar "die alten Belgier" in der Abstammung des "First National" sieben Mal. Und auch der Vater der "Iron-Lady" stammt aus einer Großvater-Enkelin-Paarung. In der Handbeurteilung glichen sich Kurt und Wolfgang in den letzten Jahren an, sie schauen nach einer kompakten Taube mit einem kurzen Oberarm und einer weichen gut durchbluteten Brustmuskulatur.

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Voll füttern, viel trainieren und gut spielen!
In den letzten Jahren veränderten Thomann-Spitzbarth die Fütterung ihrer Tauben und passten sie damit nach ihren Beobachtungen im Schlag, beim Training und in der Hand an. So behielt man im letzten Winter die Fütterung einer variationsreichen Mausermischung bei und brachte die Tauben mit einem besseren Zustand und vor allem Gefieder in die neue Saison. Nach der Umstellung auf Witwerschaft gab es nur noch die beiden Non-Stop-Mischungen der Firma Ovator und sparsam und gezielt eingesetzt Aktivkorn der gleichen Firma. Die Tauben trainierten sehr gut am Haus und flogen auch Mittwochs die Trainingsflüge der IG ab Toul mit etwa 110 Kilometern. Wer schafft, braucht Kraft! Da gab es keine leichte Kost, Säuberungsmischung oder Körner abzählen! Dazu gab es den Jod-Eisenkomplex der Verbandsklinik über das Trinkwasser und Elektrolyttabletten von Herbots.

Die kleine Farm
Sportfreund Thomann hält auch Legehühner und züchtet Kaninchen der Rasse "Dalmatiner-Rex, dreifarbig". Neben vielen Obstbäumen besitzt er auch einige für die Gegend typischen Walnussbäume. So sammelte er jedes Jahr Walnüsse die seine Frau Monika zu leckeren Kuchen und Plätzchen verarbeitete. Im Frühjahr fütterte überschüssigen an die Hühner. Dies brachte Kurt Spitzbarth auf die Idee, es mit den Tauben auch zu probieren. Sie fraßen sie gern etwas zerkleinert und hatten in den Tagen darauf einen wunderbaren Kot und eine deutliche Daunenmauser. Nun wurden sie in diesem Jahr erstmals bei den Alt- und Jungtauben als Zusatzfutter mit Erfolg eingesetzt! Die so gefütterten Tauben kamen niemals mit einem leeren Tank nach Hause!

Sieger werden nicht als Sieger geboren!
Ein Sportler kommt nur mit Talent auf die Welt und erst nach gezieltem, dauerhaftem Training, Muskelaufbau und Lernen bzw. Befolgen von taktischen Anweisungen kann er sein Potential voll ausnutzen! Die Jungtauben von Thomann-Spitzbarth verbringen zwei Nächte in Körben im Schlag. Danach geben sie sich deutlich ruhiger und haben keinen Stress mehr. Von Anfang an nehmen alle an den Flügen der IG Weitstrecke e.V. teil. Nach zwei Flügen von etwa 6 Kilometern folgen zwei über 50 Kilometer. Bis der erste Flug über 200 Kilometer erreicht wird, haben sie etwa 6-7 Flüge hinter sich. Mit allen Flügen kommen sie so in ihrem Geburtsjahr auf etwa 15-16 Flüge mit dem Endflug von mehr als 300 Kilometern. Nach diesem Flug findet die Selektion der Jungen statt. Jungtauben, die nun nicht mehr frisch wirken und Substanz verloren haben, verlassen den Schlag!!!
Die Jährigen gehen zu Beginn am Wochenende und in der Wochenmitte in den Korb. Eine Taube, die Tausend Kilometer an einem Tag fliegen soll, muss zwei kurze Flüge in sieben Tagen verkraften. So bekommen die Jährigen schon schnell Erfahrung und fliegen etwa bis 500 Kilometer am Stück bis sie nach 14 Tagen Pause zum interprovinziellen Flug ab Bordeaux eingesetzt werden. Hier trennt sich nun zum ersten Mal die Spreu vom Weizen. Über 750 Kilometer und eine Schar von rund 15.000 Tauben erfordern körperliche Fitness und eine gute Orientierung. Mit dem zweiten Einsatz zu einem Weitstreckenflug z.B. in diesem Jahr Marseille, stellen sie ihre Regeneration und das Gelernte erneut unter Beweis. Die Guten fliegen nun noch stärker als von Bordeaux und die weniger Guten fallen nun schon ab und können eine einmalige Leistung nicht wiederholen.
In Deutschland gibt es das Sprichwort:Einen Schneider macht es wund und einen Schmied gesund!!! Als Alte nehmen die Tauben auch an allen Flügen teil bis ihre Route beginnt. Die einen fliegen Pau, Tarbes und Perpignan, die anderen Tauben werden zu Barcelona, Marseille und Perpignan eingekorbt. Alle Jährige und Alttauben reisen nach der totalen Witwerschaft. Bei den Flügen der IG Weitstrecke nehmen viele Züchter aus einem großen Gebiet teil. Dies beginnt im Westen mit den Sportfreunden aus Trier und zieht sich bis zu den französischen Teilnehmern aus dem Elsass im Osten und endet im Norden bei den hessischen Züchtern.
Die Tauben müssen sich, wie bei den internationalen Flügen auch, schon frühzeitig orientieren und aus dem Schwarm lösen. In den Anfangsjahren hatten viele Sportfreunde Angst vor einem solchen Tun, aber in der Zwischenzeit haben sie sich an die etwas längeren Konkurszeiten zu Beginn der Flüge gewöhnt. Am Ende der Jungflüge sind sie mit den Konkursen der normalen Reisevereinigungen identisch! Dies belegt eindeutig: Die Tauben haben dazu gelernt! Auch hier kennt man das deutsche Sprichwort: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!!!

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Ohne Gesundheit geht es nicht!
Bei allem Bemühen in der Zucht darf man die natürliche Abwehrkraft der Tauben nicht aus dem Auge verlieren. Wir können keinen Tierarzt mit nach Barcelona in einen Korb setzen! Eine natürliche Gesundheit ohne Mittel gegen Trichomonaden und Antibiotika ist das Fundament jeden langwierigen Erfolges. Alle Tierarten, die der Mensch domestizierte, beweisen es, dass bei der Selektion in jeder Zucht die Gesundheit an erster Stelle stehen muß! Diesen Weg beschreiten Thomann-Spitzbarth schon seit Jahren und auch damit lassen sich Erfolge erzielen.

Klein aber fein!
Als kleiner Schlag mit 56 Reisetauben im Altflug können Thomann-Spitzbarth nicht auf allen Hochzeiten tanzen und überall die erste Geige spielen. Aber ihnen gelingt es in den letzten Jahren immer besser sich mit Spitzenpreisen, Spitzentauben und hohen Preisausbeuten zu präsentieren. Getreu dem Motto "Flieg mit den Adlern oder scharr mit den Hühnern!" bemühen sich Wolfgang Thomann und Kurt Spitzbarth den Großen der nationalen und internationalen Weitstrecke Paroli zu bieten. So werd sie weiterhin gezielt nach Verstärkungen Ausschau halten und dabei die eigenen bewährten Linien stärken und vermehren! In den kommenden Jahren sollten die Konkurrenten weiterhin die Sportfreunde aus dem saarländischen Walsheim im Auge behalten!