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Karl-Friedrich Bertram (Bockum-Hövel, DE) gewinnt 1. und 7. Preis vom Ruhrgebietsflug Hemau gegen 52.680 Tauben

Zwei Schwestern gewinnen den 1. und 7. Preis auf dem großen Ruhrgebietsflug 2012 von Hemau gegen die gewaltige Konkurrenz von 52.680 Tauben.

Ja, Sie haben richtig gelesen, 52.680 Tauben waren am Start. Eine stolze Zahl. Um genau zu sein, es waren 19.160 alte Vögel, 6.630 alte Weibchen, 19.137 jährige Vögel und 7.753 jährige Weibchen aus 9 Regionalverbänden und 56 Reisevereinigungen, die von 2.330 Züchtern eingesetzt wurden. Und es hätten noch viel mehr Tauben sein können, wenn das Wetter in der Woche zuvor mitgespielt hätte. Der Flug war ursprünglich für Sonntag, den 10. Juni vorgesehen. Er wurde aber um einen Tag vorverlegt auf Samstag, den 9. Juni, weil die Wettervorhersagen für Sonntag sehr schlecht waren. Bei bestem Wetter und leichten Südwinden wurden die Tauben dann am Samstag um 9.45 Uhr  aufgelassen. Und es wurde ein guter Start. Innerhalb von zwei Minuten waren alle Tauben auf dem Weg in die Heimat. Mit Geschwindigkeiten von über 1300 m/min erreichten die ersten Tauben ihre heimatlichen Schläge.

Strahlende Siegerin wurde die jährige Täubin 08022-11-1443 von Karl-Friedrich Bertram von der Reisevereinigung Bockum-Hövel. Um 14.51.08 Uhr wurde sie konstatiert und erreichte damit eine Fluggeschwindigkeit von 1.337,13 m/min. Keine der 52.680 Tauben war schneller. Nur 3 Minuten und 33 Sekunden später folgte Taube Nr. 2 des Schlages Bertram, eine Schwester der Siegerin mit der Ringnummer 08022-10-1308. Sie belegte Platz 7 in der großen Konkurrenz. Und da aller guten Dinge drei sind, kam knapp fünf Minuten später Taube Nr. 3, ein Halbbruder der beiden Schwestern mit der Ringnummer 08022-09-1146, der den Platz 66 in der großen Liste belegte. Ein traumhaftes Ergebnis war damit für Karl-Friedrich Bertram perfekt.


Der 08022-09-1146, der den 66. Platz im Ruhrgebietsflug belegt

Ich habe alle drei Tauben begutachtet und mir auch ihre Augen ganz genau angesehen. Was soll ich sagen, einfach sensationell. Doch darüber später etwas mehr. Sprechen wir zuerst über den Züchter Karl-Friedrich Bertram. Der heute 56-Jährige ist noch nicht sehr lange im Taubensport aktiv. Als Jugendlicher hat er mal kurze Zeit Tauben gehabt, aber das ist schon lange her. Richtig angefangen hat sein Taubensport erst im Jahr 2000. Zwei Jahre später nahm er zum ersten Mal am Altflug teil, und 2005 war er bereits 1. Reisevereinigungsmeister. In den darauf folgenden Jahren entwickelte er sich zu einem herausragenden Züchter. Auf großen Flügen belegte er oft vordere Plätze, und das alles obwohl man ihn mit Fug und Recht als echten Hobbyzüchter bezeichnen kann, denn er geht noch ganz normal seiner täglichen Berufsarbeit nach.

Gespielt hat Karl-Friedrich Bertram immer auf Totaler Witwerschaft, das heißt, er setzt sowohl seine Männchen als auch seine Weibchen ein. Dabei praktiziert er die sogenannte Umlaufmethode, das heißt zum Training werden zuerst die Weibchen aus dem sogenannten Weibchenschlag, einem Schlag nur mit Sitzplätzen, zum Freiflug rausgelassen. Danach werden die Männchen in den Weibchenschlag umgetrieben. Nach Beendigung ihres Freiflugs werden die Weibchen in den Männchenschlag, den Schlag mit den Witwerzellen, hereingerufen. Die Männchen werden dann aus dem Weibchenschlag zum Training nach draußen gelassen. Danach werden die Weibchen wieder in den Weibchenschlag umgetrieben und dort gefüttert. Anzumerken ist noch, dass die Nistzellen auf dem Männchenschlag während des kurzen Aufenthalts der Weibchen nicht verschlossen werden. So fliegen dann auch manchmal zwei Weibchen eine Zelle an und kämpfen für kurze Zeit miteinander. So wird die Streitlust der Weibchen angefacht. Tagsüber sitzen die Weibchen übrigens in einer Voliere. Sie können dann nicht in den eigenen Schlag hinein. Nach dem Freiflug werden die Witwer in den Männchenschlag hereingerufen und bekommen dort auch ihr Futter. Insgesamt ist das ein ganz einfaches System ohne jeden Schnickschnack. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass dieses System Ende der sechziger Jahre von Hans Zurhöfer aus Köln entwickelt wurde und in der Folgezeit sehr viele Anhänger in Deutschland, Belgien und den Niederlanden gefunden hat.


Die Ruhrgebiets-Siegerin 08022-11-1443

Vielleicht noch etwas zu der Gefahr, dass sich die Weibchen untereinander paaren. Viele Züchter benutzen alle möglichen Hilfsmittel, um das zu verhindern. Vom Gummifußboden bis zum Einsperren der Weibchen in ihren Sitzplätzen gibt es viele Möglichkeiten. Bei Karl-Friedrich Bertram findet man keins dieser Hilfsmittel. Bei ihm werden besonders paarige Weibchen früh ausselektiert. Eine erste Auslese erfolgt schon bei den Jungtieren. Auf diese Art und Weise bekommt man einen Stamm, bei dem sich die Weibchen nicht so schnell untereinander paaren.

Noch ein paar Worte zur Fütterung. Die Tauben von Sportfreund Bertram bekommen stets ein gehaltvolles Mischfutter vorgesetzt. Es gibt also gleich nach dem Flug kräftige Kost, wobei er den Bedarf seiner Tauben im Verlauf der Woche am täglichen Flugverhalten selbst ermittelt. Montag ist dabei übrigens ein sehr wichtiger Tag, das Flugverhalten der Tauben wird genauesten beobachtet und dann entsprechend das Futter gegeben.

Etwa 80 Tauben gehören zur Reisemannschaft. Die von Karl-Friedrich Bertram bevorzugten Flüge liegen zwischen 300 und 500 km.

Nun zu den Stars

Der ganz große Star ist natürlich die Ruhrgebiets-Siegerin 08022-11-1443. Noch jung an Jahren hat sie bisher vier Preise geflogen. Ihr bester ist natürlich der 1. Preis auf dem Ruhrgebietsflug gegen die stolze Zahl von 52.680 Tauben. Ihre Vollschwester 08022-10-1308 ist mit ihrem 7. Preis nur ein klein wenig schlechter. Zur Abstammung ist zu sagen, dass in den Stammbäumen Schellens und Van Loon zu finden sind. Ihr Vater ist der 08022-04-498, ein Schellens-Vogel, der sehr stark geflogen hat. So fliegt der "498" 2006 von 14 Einsätzen 13 Preise und wird 4. bester Vogel der Reisevereinigung. Im Jahr darauf fliegt er 11 Preise und ist bester Vogel des Regionalverbandes und 1. Ass-Vogel der RV, und er ist Miterringer der 2. Regionalverbandsmeisterschaft 2007. Den "498" hat Sportfreund Bertram als Ei von Sportfreundin K. Köhler bekommen. Mutter der beiden Weibchen "1443" und "1308" ist die 06971-04-238, die bei Bernward  Plaschke gezogen wurde. Diese Täubin wurde gespielt und flog in ihrem besten Jahr 2007 12 Preise. Sie wurde damit bestes Weibchen in der Reisevereinigung und in der Fluggemeinschaft. Außerdem wurde sie zweitbestes Weibchen im Regionalverband 412. Es ist ein Weibchen mit sehr viel Van Loon-Blut in ihren Adern.


Die 08022-10-1308, die den 7. Preis im Ruhrgebietsflug erzielt

Das Zuchtsystem von Karl-Friedrich Bertram ist relativ einfach. Nur aus den Allerbesten fallen wieder die Allerbesten. Übrigens stammt der Halbbruder der beiden Weibchen, der den 66. Preis auf dem Ruhrgebietsflug macht, auch aus dem Weibchen 06971-04-238.

Und nun zu den Tauben selbst. Alle drei sind von allergrößter Klasse. Es sind etwa mittelgroße Tauben mit einer unwahrscheinlich starken Muskulatur, mit einem kurzen Oberarm und mächtigen Flügeln. Auch die Augen der Tauben haben mich stark beeindruckt. Wobei für mich die Siegerin des großen Fluges die schönsten Augen mit einem stark ausgeprägten Wertring hat. Wirklich, es sind Tauben, die einfach jedem gefallen müssen, einfach Klasse.

Lieber Sportfreund Bertram, ich habe tolle Tauben gesehen, an die ich noch lange denken werde. Vielleicht noch einen guten Rat zum Schluss meines Berichts: Bitte spiel' die großartige Siegerin nicht mehr. Sie ist einfach zu gut!

Auch alle Mitarbeiter von PIPA gratulieren ganz herzlich zu deinem großartigen Erfolg.

Comments

Hallo Sportsfreund Karl-Friedrich,

TOP-leistung und die Glückwüsche für den Sieg auf diesen Flug,

Und der Thee steht noch immer zu warte auf dich Wink

Gruss Huub Hermans und Familië, Born