SG Bayer (Spiesen, DE) gewinnt den 1. National Deutschland von Marseille 2012

Die Tauben vom internationalen Flug Marseille kamen sehr schleppend. Nur ganz wenige flogen mehr als 1.000 m/min. Jürgen & Mike Bayer gewinnen mit ihrem dunkelgeh. "338" den 1. National von Marseille. Sie konstatierten ihn um 19.07 Uhr mit einer Geschwindigkeit von 933,695 m/min.

Marseille 2012

Folgt man der Website www.komkom.be von Ludo Geerts, dann sollte man Marseille abschaffen. Warum eigentlich? Hat nicht nach wie vor für die Weitstreckenspieler Belgiens, der Niederlande und auch Deutschlands ein Preisflug von Marseille seine Bedeutung? Sind nicht insgesamt mehr Tauben eingesetzt worden als in den Jahren zuvor? Wir müssen uns damit abfinden, dass die riesigen Taubenzahlen von einst nicht mehr erreicht werden. Aber das hängt auch mit der Altersstruktur der Taubenzüchter zusammen. Die Taubenzüchter werden nun einmal immer weniger, Herr Geerts. Züchten Sie eigentlich noch Tauben?

Marseille ist die wichtigste französische Hafenstadt. Sie liegt an Golf du Lion, einer Mittelmeerbucht. Mit zirka 900.000 Einwohnern ist Marseille nach Paris die zweitgrößte Stadt Frankreichs. Man kann sagen, Marseille ist Frankreichs Tor zum Mittelmeer.


Mike (links) und Jürgen Bayer

Auflass in Marseille

Der Auflass der Tauben erfolgte in Marseille um 6.40 Uhr bei strahlend blauen Himmel und Windstille. Die Gesamtzahl der eingesetzten Tauben betrug 11.314 Stück, 2011 waren es 10.654 und 2010 nur 10.343. Aus Deutschland hatten 243 Züchter insgesamt 1.922 Tauben eingesetzt. 2011 waren es nur 1.592 Tauben, und 2010 lag die Taubenzahl bei 1.702.

Man musste lange auf Tauben warten. Kamen die Barcelona-Tauben am vorhergehenden Wochenende mit sehr hoher Geschwindigkeit, so war es diesmal nur der internationale Sieger der französischen SG Paul und Cecile Moriceau, der eine Geschwindigkeit von mehr als 1.000 m/min erreichte, nämlich 1.021,28 m/min. Alle anderen blieben unterhalb der magischen Grenze von 1.000 m/min.

Der Sieger

Der dunkle Vogel mit der Ringnummer 0583-09-338 der SG Jürgen und Mike Bayer erreichte auf einer Entfernung von 697,470 km um 19.07.00 Uhr seinen heimatlichen Schlag. National in Deutschland war er mit einer Geschwindigkeit von 933,695 m/min die schnellste Taube. Auf Platz 2 folgte Peter Nitsch, der seine Taube auf 802,773 km um 21.25 Uhr drehte, und Platz 3 belegte Rudolf Grün auf 724,185 km, der um 20.08 Uhr drehte.  

Die großen Sieger sind also Jürgen Bayer (62 Jahre) und sein Sohn Mike (43 Jahre). Jürgen Bayer ist in der Weitstreckenszene kein Unbekannter. Mit Tauben hat er seit seinem 6. Lebensjahr zu tun. Er ist, um es einmal ganz deutlich zu sagen, ein Taubenverrückter, und er hat viele Jahre lang, es waren etwa 20, sein Hobby zum Beruf gemacht.

Er war 5 Jahre Schlagmanager bei Raymund Hermes in Althornbach, 7 Jahre war er bei Hans Eijerkamp und Söhnen und zuletzt 8 Jahre bei Heinz Seegmüller in Großsteinhausen, bis er an Osteoporose erkrankte. Das war vor etwa 4 Jahren. Übrigens ist das eine Krankheit, die meistens Frauen befällt und nur in seltenen Fällen Männer.

In der Ponderosa-Broschüre, dem Jahrbuch der Eijerkamp-Schläge, erschien damals ein langer Bericht über Jürgen Bayer, der in dem Ausspruch von Hans Eijerkamp gipfelte: "In der ganzen Welt gibt es kaum einen Besseren!" Wie Recht er doch damit hatte.

Bevor Jürgen Bayer 1987 bei Hermes engagiert wurde, sorgte er bereits auf seinem eigenen Schlag in Spiesen (in der Nähe von Neunkirchen) mit eindrucksvollen Ergebnissen für Aufsehen. Auf dem internationalen Flug Pau war er auf Spitzenpreise abonniert: der 1., 2., 3., 4., 6., 10. waren seine herausragenden Preise. Aber auch von Marseille ließ er keine Wünsche offen: 10 Preise mit 10 gesetzten Tauben waren kein Zufall und 11 Preise mit 12 Tauben von Barcelona auch nicht. Jahrelang flog er von Pau national 4 Preise mit den 5 gesetzten Tauben. Jürgen Bayer gewann den Europa-Cup und viele andere Titel, die im internationalen Weitstreckengeschehen heiß begehrt sind. Ein besonderer Erfolg sollte vielleicht doch noch erwähnt werden, und zwar war das im Jahr 1981. Da gewann er den 1. und 2. Preis international von Pau. Das war wohl seine größter Leistung aus den Jahren bevor er sein Hobby zum Beruf machte.

Auf den Hermes-Schlägen wurden unter der Regie von Jürgen Bayer drei nationale, zwei von Perpignan und einer von Dax, und zwei internationale Siege errungen. Das waren Dax 1991 und Perpignan 1990. Auf dem internationalen Flug Marseille 1991 drehte er den 1. bis einschließlich 3. Preis bei den Weibchen. Das sind doch einige eindrucksvolle Erfolge aus der Vergangenheit. Laut Aussage von Heinz Seegmüller war Jürgen Bayer der beste Übernachtspieler von Deutschland. Er hat es einfach in den Fingern, er ist einsame Spitze. Doch das alles ist Vergangenheit, kommen wir zur Gegenwart.


Die Schlaganlage

Während Jürgen Bayer noch bei Heinz Seegmüller arbeitete, interessierte sich schon Sohn Mike für den Taubensport und spielte auch unter seinem eigenen Namen schon sehr erfolgreich. Natürlich bekam er wertvolle Tipps aus dem reichen Erfahrungsschatz von Vater Jürgen. Nachdem Vater Jürgen erkrankte, lag es auf der Hand, eine Schlaggemeinschaft zu bilden. Die körperlich schwere Arbeit muss natürlich Sohn Mike erledigen, denn das kann Jürgen aufgrund seiner Krankheit nicht mehr. Aber die Team-Arbeit klappt gut. 

Jürgen Bayer hatte noch eine zweite große Leidenschaft. Früher konnte man ihn eigentlich nie ohne eine dicke Havanna-Zigarre im Mund oder zwischen den Fingern erleben. In seinen Glanzjahren machte er Jahr für Jahr Urlaub auf Cuba, und von dort brachte er sich immer zirka kleine 1.000 Zigarren mit. Doch mit diesem Genuss ist es für ihn vorbei. Die Ärzte haben ihm aufgrund seiner Erkrankung strengstes Rauchverbot erteilt, und er hält sich daran.

Doch kommen wir nun zu den Tauben. Es werden relativ wenig Tauben gehalten. 24 Witwer stehen als Reisemannschaft zur Verfügung. Hinzu kommen 36 Paar Zuchttauben und etwa 110 Jungtauben. Die Bayers haben unglaublich hohe Verluste durch den Habicht. Von ursprünglich 115 Jungtauben waren jetzt nur noch 85 Tauben übrig. Unglaublich, wie der Greifvogel hier wütet.

Der Nationalsieger


Der 0583-09-338, der deutsche Nationalsieger von Marseille

Wie schon erwähnt, wurde der dunkelgehämmerte Vogel 0583-09-338 um 19.07 Uhr konstatiert und gewinnt damit den 1. National Marseille 2012 gegen 1.922 Tauben. Es ist ein schönes Gefühl, den 1. National zu gewinnen. Mal ganz ehrlich, wer hätte nicht gern einen Nationalsieger auf seinem Schlag?

Die Abstammung spiegelt die ganz große Klasse der Tauben von Jürgen und Mike Bayer wider. Vater des "338"  ist der 07883-02-1932, ein Sohn des "Ballack" (07883-99-2541), der enorm stark auf den großen Weitstreckenflügen geflogen hat. Auf seiner Erfolgsliste stehen der 22. National Marseille (2000), der 91. National Pau (2001) und 2002 der 9. National von Pau, der 43. National von Dax und der 36. National von Perpignan. Mutter des 07883-02-1932 ist die 07883-01-925, eine Enkelin des 1. International Pau.

Mutter des "338" ist die 0583-08-115, eine Enkelin des berühmten "Kleine Didi" (B 92-3000607) von Etienne Devos aus Derlijk. Das sind auf einen Nenner gebracht die Topabstammungen des Nationalsiegers von Marseille 2012. Bei diesen Vorfahren muss ihm das Weitstreckefliegen einfach im Blut liegen.

Herzlichen Glückwunsch Jürgen und Mike. Wir vom PIPA-Team wünschen Euch weiterhin viel Erfolg auf den großen internationalen Flügen.