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Lothar Lessmeister (Hütschenhausen, DE), 1. international Pau gegen 8.302 Tauben

Am 20. Juni 2014 war es für die Freunde der großen Weitstrecke wieder so weit. Ihre Saison wurde eröffnet mit dem internationalen von Flug von Pau. Belgien brachte 1.928 , die Niederlande 3.019, England 384, Deutschland 996, Frankreich 1.962 und Luxemburg 13 Tauben an den Start, insgesamt waren es also 8.302 Tauben.

Bei blauem Himmel, schönem bis sehr schönem Wetter und einem Wind, der wechselte zwischen Ost und Nordwest wurden die Tauben um 6.45 Uhr auf die lange Reise geschickt. Die ersten Tauben erreichten noch am Abend ihren heimatlichen Schlag und erzielten in der Spitze Fluggeschwindigkeiten von etwas über 1.000 m/min. Die ersten Meldungen kamen natürlich von französischen Züchtern, die aber auch nur Schlagvermessungen von etwas über 700 km hatten.

Um 21.05.41 Uhr fiel dann der internationale Sieger bei Lothar Lessmeister in Hütschenhausen in Deutschland. Auf einer Entfernung von 906,537 km erzielte seine Taube eine Fluggeschwindigkeit von 1.053,28 m/min. Und auch der zweite Preis international ging nach Deutschland. Um 20.49.26 Uhr drehte Siegfried Deck-Eiserne Team aus Zweibrücken seine Taube. 884,328 km hatte sie zu bewältigen und flog dabei 1.047,24 m/min. Auf Platz drei international lag der Franzose Jean Baptiste Grislain aus Bray les Mareuil mit einer Ankunftszeit von 19.19.40 Uhr für 768,315 km. Seine Taube flog damit 1.018,08 m/min.


Lothar Lessmeister mit dem 1. International Pau 2014

Anzumerken ist noch, dass auf dem vierten Platz die erste niederländische Taube liegt. Sie wurde konstatiert von Ineke van der Rhee aus Ablasserdam, und zwar am 2. Tag um 5.33.28 Uhr und erzielte noch 1.011,91 m/min. Damit liegt sie in den Niederlanden national auf Platz 1.

Der Belgier Etienne Meirlaen aus St. Martens-Latem gewann den 1. und 2. national in Belgien mit Konstatierungen um 21.41.17 Uhr und 21.44.46 Uhr auf einer Entfernung von 904,759 km. Seine Tauben flogen damit 1.009,46 m/min und 1.005,55 m/min. Mit seiner ersten Taube liegt er übrigens auf dem 6. Platz international.

Man kann also sehen, dass die absoluten Spitzenpreise international gleichmäßig verteilt waren.

Der internationale Sieger: Lothar Lessmeister (D) aus Hütschenhausen!

Lothar Lessmeister ist national und auch international kein Unbekannter. In der Vergangenheit hat er schon große Siege errungen wie zum Beispiel 2005 den 1. international Perpignan bei den Jährigen, 2006 den 1. international Perpignan bei den Weibchen und den 1. international Carcassonne bei den Weibchen sowie 2008 dann den 1. international von Marseille ebenfalls bei den Weibchen. Auch auf nationaler Ebene machte er seine Spitzenpreise. So zum Beispiel 2003 den 1. national von San Sebastian, 2006 den 1. national von Barcelona und den 1. national von Dax. Darüber hinaus hat er noch viele nationale und internationale Spitzenpreise gewonnen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass der diesjährige internationale Sieger von Pau keine Eintagsfliege ist sondern ein echter Meister in Sachen Weitstreckensport. Am normalen Programm der Reisevereinigung nimmt er nur zu Trainingszwecken teil. Für seine Tauben schlägt die Stunde erst auf den großen Flügen der Weitstrecke.
Der internationale Sieger ist ein zweijährigen Vogel mit Namen Tamino, der die Ringnummer 05286-12-1766 trägt. Dieser Bursche kam zu später Stunde um 21.06.41 Uhr zu Hause an, und so musste sein Boss noch bis zum nächsten Tag bangen, ob es für den internationalen Sieg gereicht hatte. 
Hütschenhausen ist ein kleiner Ort mit 3.869 Einwohner im Bundesland Rheinland-Pfalz im Landkreis Kaiserslautern im Südwesten von Deutschland. Genauer gesagt, liegt Hütschenhausen rund 20 km westlich von Kaiserslautern. Schauen Sie ruhig einmal auf der Landkarte nach, dann können Sie sehen, wie weit abseits die Lage von Lothar Lessmeister von den normalen Flugrouten ist, auf denen die Masse der Tauben fliegt.

Noch etwas zur Person von Lothar Lessmeister. Er ist wie so viele Taubenzüchter kein junger Spund mehr. 74 Jahre ist er alt, aber er hat noch sehr viel Spaß an seinem Taubensport. Gesetzt hatte er übrigens auf diesem Pau-Flug 14 Männchen, und er wird voraussichtlich 6 oder 7 Preise machen. Aber die Zahl der Preise ist wahrscheinlich nicht ganz so wichtig, wenn man den 1. international und damit natürlich auch den 1. National gewinnt.
Wie schafft es nun so ein Züchter, viele Jahre ganz oben im Weitstreckensport mitzumischen? Mit etwas Glück kann man ein Mal national und international gewinnen. Es muss also mehr dahinterstecken. Die Klasse seiner Tauben spielt sicherlich eine ganz große Rolle, aber Asse auf der großen Weitstrecke sind doch eigentlich recht selten, und immer wieder neue Tauben, neue Asse zu bringen, dazu gehört schon ein bisschen mehr. Die Versorgung mit Beiprodukten kann es auch nicht sein. Das wäre zu einfach, wenn man mit Zusatzprodukten aus einer mittelmäßigen Taube ein Ass machen könnte. Da muss einfach mehr sein!

 
Die Schlaganlagen in Hütschenhausen

Des Rätsels Lösung: Mentor Piet de Weerd!

Das Rätsel ist schnell gelöst, wenn man weiß, dass Lothar Lessmeister einen guten Draht zu Piet de Weerd hatte. Dieser Mann hat mit seiner Art der Klassifikation, der Selektion von Tauben mehr oder weniger ganz entscheidend den Stamm oder sagen wir besser die Taubenzucht von Lothar Lessmeister beeinflusst. Es muss Ende der 80-er Jahre gewesen sein, als sich Lothar Lessmeister an den großen Piet de Weerd wandte, mit der Bitte seine Tauben zu klassifizieren. Man verstand sich auf Anhieb sehr gut und aus diesen ersten Anfängen entwickelte sich später eine echte Freundschaft. Die enge Verbindung zu Piet de Weerd dauerte bis etwa Anfang 1990. Danach klassifizierte dieser dann aus Altersgründen nicht mehr. Am 4. Juli 2009 ist Piet de Weerd übrigens im Alter von 96 Jahren verstorben.
Was hat Lothar Lessmeister nun von dem großen Piet de Weerd, der weltweit ungezählte Meister gemacht hat und der ein unglaublicher Kenner von Tauben war, eigentlich gelernt? Das ist einfach gesagt die Selektion selbst. Das ist die besondere Art, die Muskulatur zu fühlen, mit anderen Worten, das Fingerspitzengefühl, um eine echt gute Muskulatur zu erkennen und zu beurteilen. Denn wie wir alle wissen, fliegt eine Taube allein mit ihren Muskeln, die die Flügel bewegen. Einen starken Rücken muss besonders ein Weitstreckencrack nicht haben. Auch die besten Augentheorien nützen nichts, wenn es an der nötigen Muskulatur mangelt, hat eine Taube nicht das Werkzeug, um ein Ass zu werden. Natürlich kann man solche Tauben für kurze Zeit mit Beiprodukten und Medikamenten etwas aufpeppen, aber das ist nur vorübergehend. Warum verschwinden so viele Spitzenschläge nach ein paar Jahren wieder von der Bildfläche? Sie konnten ganz einfach nicht selektieren, sie konnten ihren Bestand nicht auf dem hohen Niveau halten, weil sie sich vielleicht die falschen Tauben dazuholten. So einfach ist die Erklärung.
Lothar Lessmeister hat also viele Stunden Piet de Weerd in Breda verbracht und vom großen Piet die Kunst Selektion gelernt. Und das ist in Kürze die Geschichte des Erfolges unseres internationalen Siegers von Pau 2014, und das ist auch der Grund, weswegen sich Lothar Lessmeister schon so lange an der internationalen Spitze hält.

Der Tamino, 05286-12-1766

Der internationale Sieger von Pau 2014 ist ein zweijähriger gehämmerter Schalie-Vogel aus der alten Sorte von Lothar Lessmeister. Sein Vater ist der 05286-06-2321, ein Vogel aus der Linie Cees de Jong. Die Mutter des Tamino ist die 05286-10-655, in deren Stammbaum sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits große nationale und internationale Sieger zu finden sind. So viel im Schnelldurchlauf zur Abstammung des Tamino, die Sie hier nochmals durchlesen können.

Wir von PIPA gratulieren Lothar Lessmeister von Herzen zu seinem großen Erfolg!

Admin comments: 
Wir haben leider noch keine Fotos und müssen wegfahren und kommen erst Dienstagmittag wieder. Bitte fügt die Fotos ein, die ihr habt. Wir werden Herren Lessmeister auch noch bitten, eventuell Fotos an die Redaktion zu schicken. Viele Grüße Gisela