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Günter Prange (Meppen, DE), der Herr des Ringlosen (Teil 1)

Fällt der Name Günter Prange, dauert es nicht lange, bis auch über seine berühmteste Taube, den Ringlosen gesprochen wird. Dieser Supervererber ist wohl jedem Taubenzüchter in Deutschland und weit darüber hinaus bekannt. Viele Züchter in der ganzen Welt waren und sind mit Nachkommen von ihm überaus erfolgreich.

Klaus Kühntopp, der leider viel zu früh verstorbene, ehemalige Redakteur der deutschen Taubenzeitung „Die Brieftaube“ schrieb im Jahr 2004 über den Ringlosen: „Bester der Neuzeit in Deutschland, genannt der Ringlose!“ Wieso Ringloser, er trägt doch einen Ring? stutzt der unbefangene Beobachter. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass es sich um einen Plastikring handelt. Die Geschichte dazu werden wir später erzählen. Wenden wir uns zunächst dem Herrn des Ringlosen zu.


Günter Prange

Wer ist nun Günter Prange?

Günter ist heute 74 Jahre alt und ein zurückhaltender, sehr ruhiger Mensch. Irgendwie und irgendwann muss er den Stein der Weisen des Taubensports gefunden haben, denn viele Jahre lang verging kaum eine Saison, ohne dass er überregionale Meisterschaften, nationale Ass-Tauben-Titel, 1. Konkurse in Serie und hohe Preisprozentsätze gewonnen hat. Man kann mit voller Berechtigung sagen, dass er einer der besten Züchter, wenn nicht sogar der Beste, von Deutschland ist.


Der Ringlose


NL94-2227959, der Vater des Ringlosen

Von frühester Jugend an war Günter im Taubensport aktiv und so erfolgreich wie kaum ein anderer Taubenzüchter in Deutschland. Hier sind einige seiner hochkarätigen Meisterschaften aus der Vergangenheit, die zum Teil schon mehr als 20 Jahre zurückliegen. Sie dokumentieren, wie unglaublich erfolgreich er auf alle Ebenen war. Welcher deutsche Züchter kann diese Erfolgsbilanz vorweisen?

1987: 1. Bezirksmeister im 8. Bezirk  (4.250 Mitglieder)
1988: 1. Bezirksmeister im 8. Bezirk
1989: 4. Deutscher Verbandsmeister
1990: 1. Kreismeister im Kreisverband 166 (715 Mitglieder)
1991 und 1992 nahm er nicht an der Reise teil
1994: 1. RV-Meister der RV Meppen (203 Mitglieder)
1995: 1. Deutscher Verbandsmeister
      1. Ass-Vogel von Deutschland
1996: 3. Deutscher Verbandsmeister
      3. und 9. Ass-Vogel von Deutschland
1997: Diebstahl der Tauben
1998: Überwiegend wurde mit Jährigen hervorragend gereist
      z.B.: 732 km: 1., 5., 9. usw. gegen 970 Tb. (17 ges., 15 Pr.)
1999: 1. Kreismeister im Kreisverband 166
      1. RV-Meister der RV Meppen

Wenn Günter ernsthaft mit Tauben spielt, spielt er ohne Wenn und Aber auf höchstem Niveau. Es gab Jahre, in denen er nicht mit vollem Engagement gespielt oder sogar ganz pausiert hat. Zum Beispiel ist er im Jahr 2002 während der Saison nach einigen Flügen in Urlaub gefahren. Nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub hat er weitergespielt. Er hatte nur an neun von den insgesamt dreizehn Preisflügen seiner Reisevereinigung teilgenommen und trotzdem noch enorm gepunktet. Dem ist noch hinzuzufügen, dass er nicht bestrebt ist, jeden Ehrenpreis und jeden Pokal, den es zu gewinnen gibt, zu gewinnen. Er benennt zum Beispiel nie Tauben für die verschiedenen Medaillen. Sagen wir es mal so: Er gönnt den anderen Züchtern auch etwas. Eigentlich gibt es nur einen Wettbewerb, bei dem er unbedingt gewinnen will und das ist der um die ‚Goldene Taube‘ der Zeitung ‚De Duif‘.


Das ist der NL94-2227959 (Vater des Ringlosen) im März 2016

Wie kann man Taubensport überhaupt auf einem so hohen Niveau betreiben? Ist es Glück? War und ist es die Qualität der Tauben? Ist es das Einfühlungsvermögen eines besonderen Züchters, eines Ausnahmezüchters? Oder hat der Erfolg von Günter noch eine ganz andere Grundlage? Manch ein Züchter denkt vielleicht, dass es ein Kinderspiel ist, erfolgreich zu sein, wenn man über einen Zuchtschlag voller Spitzentauben verfügt. Sicher, gute vererbungsstarke Zuchttauben sind das A und O für erfolgreichen Taubensport. Aber züchten ist die eine Sache, doch spielen, erfolgreich spielen auf höchstem Niveau, die andere. Dazu muss man sein Handwerk in jeder Beziehung verstehen. Und genau das ist der Punkt, der Günter Prange groß macht, sodass er für viele unerreichbar ist, dass er seinen Taubensport auf einem Niveau betreibt, das für viele Sportfreunde in den Bereich der Fabel gehört. Ich will versuchen, das zu erklären.

Günter verbringt viel Zeit auf seinen Taubenschlägen. Er lebt praktisch mit seinen Tauben und für seine Tauben. Er beobachtet die kleinsten Regungen seiner Witwer, er kennt ihre Stärken und Schwächen. Er erkennt die kleinsten Formschwankungen und betreut jedes einzelne Tier bei Bedarf ganz individuell. Die Tiere sind ihm ans Herz gewachsen. Günter ist ein hervorragender Beobachter. Er sieht mehr als die meisten Züchter. Es ist nun einmal so, dass der, der die hohe Kunst des Beobachtens beherrscht, der Konkurrenz um mehr als einen Schritt voraus ist. Aber dafür braucht man Zeit. Diese Zeit hat Günter und er nimmt sie sich auch. Hinzu kommt noch, dass er relativ wenig Tauben hält, die sich damit auch weit besser beobachten lassen als ein riesiger Witwerschwarm, in dem das einzelne Tier völlig in der Masse verschwindet. Günter kennt jede einzelne seiner Tauben. Das ist auch einer der Gründe für seinen Erfolg.

Der Diebstahl

Im Jahr 1997 wurde auch Günter Prange von feigen Dieben heimgesucht. Zu diesem Zeitpunkt war er wie in den beiden Jahren zuvor wieder in der Goldspur. Zwei Flüge standen noch aus. Die Benannten für die Deutsche Meisterschaft waren immer sehr früh gekommen und die Weichen für ein Traumfinale waren gestellt. Am 11. Juli fanden die Träume jedoch ein jähes Ende. An diesem Tag korbte Günter seine Tauben ein. Zwei Körbe mit seinen siebzehn allerbesten Witwern stellte er wie gewohnt vor seine Garage und ging noch einmal zurück, um den letzten Korb zu holen und sich für die Fahrt zur Einsatzstelle umzuziehen. Als er dann zurück vor die Garage kam, waren seine beiden Körbe spurlos verschwunden. Von seinen siebzehn Tauben hat er nie wieder etwas gesehen. Als Außenstehender fragt man sich natürlich, wer so etwas tut. Diesen Verlust hat er sich sehr zu Herzen genommen. So sehr, dass er zeitweise daran dachte, den Taubensport aufzugeben. Es ist nur der Mutter von Gerard Koopman zu verdanken, dass Günter weitergemacht hat. Sie hat ihn auf ihre liebe Art immer wieder motiviert.


Die Schlaganlage von Günter Prange

Die Schläge

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Schlaganlage. Man kann sie schon als riesig bezeichnen. Viele kleine und größere Schläge stehen auf dem Prange-Anwesen verteilt. Platz für die Tauben gibt es in Hülle und Fülle. Eingerichtet sind die Schläge nach den modernsten Erkenntnissen. Die einzelnen Abteile beherbergen in der Regel nur sehr wenige Tauben. Schätzungsweise steht auf manchen der Schläge jedem Paar ein Luftvolumen von 2 bis 3 m³ zur Verfügung. Auf diese Art und Weise hat Günter absolut keine Lüftungsprobleme. Die Luft ist einfach in Ordnung, weil sich keine verbrauchte Luft aufstauen kann, wodurch die Form der Tauben beeinträchtigt werden könnte. Jeder Schlag ist bis ins Kleinste durchdacht. Es gibt spezielle Motivationszellen, die von der Rückwand aus ein- und umgestellt werden können, sodass die anderen Tauben im Schlag nicht gestört werden. Die Zellen bieten viele Möglichkeiten der Motivation.

Der Zuchtschlag

Aber das Herz eines jeden Taubenschlages ist der Zuchtschlag. Auch bei Günter ist das nicht anders. Anders ist bei ihm allerdings, dass seine Zuchttauben sehr viel mehr Raum zur Verfügung haben als bei den meisten anderen Züchtern. Seine Zuchttauben sitzen in sehr großen Einzelboxen. Die Größe von zwei seiner Zuchtboxen entspricht vielleicht dem Raum, der anderen Liebhabern für ihren gesamten Zuchtschlag zur Verfügung steht.


Die Zuchtzellen bei Günter Prange

Zum Schluss des ersten Teils unseres Berichtes über Günter Prange, wollen wir ihn selbst zu Wort kommen lassen und wiedergeben, was er über die Zucht zu sagen hat: „Die Zucht ist das Wichtigste überhaupt. Ich selber mache mir in Gedanken während des ganzen Jahres einen richtigen Zuchtplan mit dem Ziel, die Zucht über viele Jahre mit den Allerbesten zu erhalten. Vielleicht werde ich ihn irgendwann doch einmal aufzeichnen. Ich gehe dabei von den Linien aus, die ich weiterführen möchte und überlege dabei auch, wie ich die eine oder andere Taube in meinen Stamm einführen muss. Meine Überlegungen gehen dann so weit, dass alle meine Reisetauben gekreuzt sind, aber letztendlich doch miteinander verwandt sind. Mit den gekreuzten Tauben gehe ich dann wieder in die alte Sorte zurück. Man kann dabei sowohl zu der einen als auch zu der anderen Seite gehen.“

Kommentare

nice to read Wink

好鸽http://www.chinaxinge.com/xinge/photo/showImg.asp?id=184407&p_type=b今次找羽配对雄,往下延续

Sehr gute tauben ich habe selber nachzucht vom der Ringlose und bin sehr zu friede damit