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Adri van der Bijl Jr. (Woerden, NL) holt den Nationalsieg von Narbonne 2013 in den Niederlanden gegen 4.508 Tauben

Dass ein kleiner Züchter einen ZLU-Flug gewinnen kann und das mit gut 100 km Entfernung mehr als Maastricht, beweist Adri van der Bijl jr. aus Woerden. Er holte den Nationalsieg von Narbonne in den Niederlanden, eine ganz große Leistung!

Die ersten Tauben von Narbonne erzielten eine ansehnliche Geschwindigkeit

In Belgien holte die schnellste Taube eine Geschwindigkeit von 1.359 m/min, also gut 80 km/h. Das war für die niederländischen Züchter ein guter Anhaltspunkt. Im Süden der Niederlande mussten die ersten Tauben gegen 18 Uhr fallen, wenn sie an die Geschwindigkeit der schnellsten belgischen Taube herankommen wollten. Die bekannte Schlaggemeinschaft Harry und Roger Wijnands aus Maastricht konstatierte ihre erste Taube um 18.14 Uhr. Damit erreichte diese Taube eine Geschwindigkeit von 1304 m/min und war damit um einiges weniger schnell als der belgische Sieger. Diese Maastrichter Taube belegte letztendlich den 4. Platz bei der ZLU. Eine Zeit lang schien es so, dass der Sieg im nordlimburgischen Warnsum fallen würde. Teeuwen und Jaco erzielten mit ihrer ersten Taube eine Geschwindigkeit von 1.306 m/min. Doch auch sie konnten keinen Anspruch auf den Sieg erheben. Zwei Züchter aus dem Westen und dem Zentrum der Niederlande hatten jeweils eine Taube, die schneller war. J.W. Schreurs aus Nieuw Vennep - der früher u.a. schon einmal Perpignan gewonnen hatte - ließ wieder einmal von sich hören und belegte den 2. Platz mit einer Geschwindigkeit von 1.313 m/min. Der Allerschnellste kam jedoch aus Woerden. Der Vogel Lex von Adri van der Bijl jr. wurde um 19.27.15 Uhr auf einer Entfernung von 1.003 km konstatiert und holte eine Geschwindigkeit von 1.343 m/min. Dieser Vogel kam der Geschwindigkeit der schnellsten belgischen Taube ziemlich nah.

Die ersten 6 Plätze wurden vervollständigt mit Jac. van den Bosch aus Hengstdijk (5. mit 1.304 m/min) und Piet de Vogel aus Oude Tonge (6. mit 1.294 m/min). Der zuletzt genannte Züchter hat beinahe 50 km weniger als Adri. Als Adri las, dass diese Taube gefallen war, geriet er unter Spannung und lief nach draußen, wo er seinen Narbonne-Sieger gerade noch auf dem Einflug landen sah. Das Herz schlug ihm bis zum Hals, denn das musste eine sehr frühe Taube sein. Und ja, es war die früheste niederländische Taube von Narbonne!


Lex

Vom guten Preisflieger zum Nationalsieger

Der Sieger von Narbonne 2013 wird Lex genannt. Lex trägt den Ring mit der Nummer NL09-1235157 und ist ein Witwer. Er gewann im Laufe seiner Karriere mehrere Preise, darunter:

2220. Nat. Cahors 2010 gegen 10.325 Tauben
393.  Nat. Bordeaux ZLU 2011 gegen 4.504 Tauben
374.  Nat. Narbonne 2012 gegen 4.307 Tauben
970.  Nat. Agen ZLU 2013 gegen 6.210 Tauben

Wie Sie sehen können, hat Lex regelmäßig seine Preise geflogen, und seit Freitag, dem 26. Juli 2013 ist er nun ein Nationalsieger und das nicht von irgendeinem Flug sondern von einem ZLU-Flug von Narbonne. Eine Taube aus Woerden überflügelte alle Tauben aus Limburg, Brabant und  Zeeland.

Der Sieger von Narbonne stammt aus einem Vogel von der SG Ros aus Lekkerkerk. Dieser Vater stammt aus einer bekannten Kreuzung der Familie Ros, nämlich aus Steketee x Ouwerkerk. Auf der Steketee-Seite finden wir den Donkere Steketee (Lininezucht Stayer) und auf der Ouwerkerk-Seite die Täubin Het Vleugeltje, die aus De Bonte 57 stammt. Die Mutter des Narbonne-Siegers kommt von Adris Bruder Rob van der Bijl und wird Nooit Gedacht genannt. Sie gewann 2006 den 5. national Mont-de-Marsan gegen 3.704 Tauben. Sie stammt ihrerseits aus dem guten Paar Puck (Sorte von Vater Arie van der Bijl) x Snelle 66. Aus diesem Paar stammt nicht nur die 5. national Mont-de-Marsan sondern auch der 8. national Bergerac 2005 und der 3. national St.-Vincent 2008. Und jetzt gewinnt ein Enkel von diesem Paar den 1. national Narbonne ZLU 2013.

Lex war auf dem Narbonne-Flug vielleicht besonders motiviert. Dieser Witwer war in den Besitz von zwei Nistzellen gekommen. Er hatte heimlich, still und leise die Nistzelle seines nicht zurückgekehrten Nachbarn in Beschlag gelegt. Sollte das das Geheimnis seines großen Erfolges sein? Wir werden es nie erfahren. Wir wissen nur, dass dieser Vogel es in sich hat, denn sonst hätte er keinen Nationalflug gewonnen!

Start mit Vater und Bruder

Seit 1975 ist der heute 51-jährige Adri van der Bijl jr. im Taubensport aktiv. Zuerst spielte er zusammen mit seinem Vater Arie und Bruder Rob unter dem Namen A. van der Bijl und Söhne. Seit 1986 spielt er selbständig unter dem heutigen Namen. Außer den Tauben, die Adri schon zusammen mit Vater und Bruder hatte, kamen Tauben von der SG Ros, von Theo Streefkerk und Sohn, von Tim Hage und der SG De Haan nach Woerden. Die Reisetauben sind auf einem Schlag von 3,5 Meter untergebracht. Hier sitzen die Witwer in zwei Abteilen (insgesamt 24 Witwer). In der Scheune hat Adri einen kleinen Schlag mit einer Voliere für die 30 Jungtauben gebaut. Auch ein Züchter mit einer kleinen Schlaganlage kann also einen Nationalflug gewinnen. Außer den Reisetauben hat der Mann aus Woerden noch 8 Paare für die Zucht. Auf die Frage, ob Adri Inzucht betreibt, kreuzt oder vor allem gute Tauben mit anderen guten Tauben paart, gibt er eine einfache Antwort: "Hätte ich doch nur zwei gute Tauben." Der Stammbaum des Narbonne-Siegers verrät, dass Adri gute Tauben von verschiedenen Schlägen zusammensetzt und also kreuzt.

Einfache Art der Taubenhaltung mit medizinischer Kontrolle

Um Weihnachten herum werden die Zuchttauben gleichzeitig mit einem Schlag der Witwer angepaart. Die Eier der Zuchttauben werden bei den Witwern untergelegt, sodass die Zuchttauben anschließend erneut legen können. Der zweite Witwerschlag wird Anfang März angepaart. Dort saß auch der Narbonne-Sieger 2013. Mitte April beginnt für die Witwer die Witwerschaft. Die Tauben werden bis 5 Wochen vor dem Pau-Flug verdunkelt, damit sie nicht zu schnell in Form kommen. Anschließend werden sie auf den Kurz- und Mittelstreckenflügen antrainiert. 

Lex war eigentlich für den Pau-Flug vorgesehen. Leider war er zu dem Zeitpunkt nicht gut genug in Form. Er blieb zu Hause, bis seine Kondition besser war. Das war vor dem ZLU-Flug von Agen der Fall. Auf diesem Flug gewann er wie gewohnt seinen Preis. Ein Jähriger von Adri holte übrigens den 24. national Agen bei den Jährigen in der ZLU gegen 4.386 Tauben, den ersten Erfolg dieser Saison für Adri. Zwischendurch wurde der spätere Narbonne-Sieger am Wochenende auf 30 km privat trainiert, bevor er für Narbonne eingekorbt wurde. 


Adri und Brigitta vor den Schlägen, vorn der Witwerschlag und hinten der Jungtierschlag
(Foto: Fred Kruidbos)

Die Tauben bekommen Futter von verschiedenen Firmen: Mariman, Versele Laga, Beyers und Matador. Sie bekommen die Mischungen, die für die Saison bestimmt sind. Während der Reisesaison wird zum Einsatztag hin schwerer gefüttert. Nach der Heimkehr bekommen sie außer der Reisemischung Gerry Plus von Versele Laga und 15% P40-Korrel. Später in der Woche wird schnell wieder zu Reisemischung übergegangen. Neben dem normalen Futter und P40 bekommen die Tauben (vor allem am Ende der Woche) TOVO, Kleinsämereien und Erdnüsse. Ferner stehen ihnen ständig Wimoral, Grit und Rotstein zur Verfügung. Im Winter bekommen die Tauben viel Knoblauch. Die Gesundheit der Tauben wird ständig von Dr. Hans van der Sluijs kontrolliert. Alle drei oder vier Wochen wird mit ihnen eine Ornithose-Kur über das Trinkwasser durchgeführt. Des Weiteren bekommen sie während der Reisesaison Comethose (von Comed) über das Futter, das zuvor mit Fruchtsaft angefeuchtet wird. Am Sonntag haben sie Sedochol in der Tränke. Dann bekommen sie auch ein Bad mit einem Halemid zur Desinfektion. Alle vier Wochen wird der Schlag mit einer Koudijs-Tablette ausgeräuchert. Außer der vorgeschriebenen Impfung gegen Paramyxo werden sie auch gegen Pocken geimpft. Das wird sowohl bei den alten wie auch bei den Jungtauben gemacht. Im November steht auch eine Kur gegen Paratyphus auf dem Programm.

Gesellige Vereinigung Gevleugelde Vrienden

Adri hat sich in den letzten Jahren bewusst auf die ZLU-Flüge spezialisiert. Das sind für ihn die Flüge mit den ehrlichsten Auflässen, nämlich am Morgen. Auf diesen Flügen haben die Nachtstunden keinen oder kaum Einfluss auf die Ergebnisse.

Er ist Mitglied bei den Gevleugelde Vrienden (Geflügelte Freunde) aus Woerden, einem Verein mit vielen gut reisenden Züchtern. Ferner hat man in diesem Verein viel Respekt vor einander und gönnt man einander den Erfolg. In diesem Verein werden auch regelmäßig Aktivitäten geplant. Kurzum ein Verein, wie er sein sollte. 

Adri bekommt von seiner Frau Brigitta viel Unterstützung. Sie gibt den Tauben Futter, wenn Adri Überstunden machen muss und lässt die Nachzügler in den Schlag, wenn Adri zur Einsatzstelle fährt, um die Uhren zu öffnen.

Adri van der Bijl jr. aus Woerden beweist, dass man auch auf einem kleinen Schlag eine besondere Leistung vollbringen kann. Er tut viel für seine Tauben, denn auch bei ihm fällt der Erfolg nicht vom Himmel. Er muss sich gegen Züchter behaupten, die viel mehr Tauben zur Verfügung haben. Dass er diesen Sieg errungen hat, sollte ein Anreiz für jeden Züchter sein.

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