Uwe und Raymund Hermes (Hamm/Sieg, DE) 1. National Barcelona Deutschland gegen 1.849 Tauben

Ein weiterer großartiger Sieg für Raymund Hermes: Barcelona 2012 national gewonnen. Es war der insgesamt 29. Nationalsieg für die Schläge von Raymund Hermes. Dazu kommen noch 15 internationale Siege, die für die große Klasse der Hermes-Schläge sprechen.

Es gibt 3 Schläge, die den Namen Hermes im Wappen führen. Da ist zunächst der Schlag Hermes-Neuhoff in Hamm/Sieg für das normale deutsche Programm, dann unter dem Namen von Sohn Heiko Hermes der Weitstreckenschlag in Althornbach mit einer Schlagvermessung für Barcelona von 955,78 km und ein weiterer Weitstreckenschlag unter dem Namen von Sohn Uwe Hermes mit einer Schlagvermessung für Barcelona von 1.122 km in Hamm /Sieg, und auf diesem Schlag wurde der diesjährige Nationalsieg errungen. Die Lage in Hamm/Sieg ist für einen internationalen Weitstreckenflug, gelinde gesagt, nicht die beste. Sie müssen sich das auf der Landkarte einmal ansehen und doch wurden in Hamm/Sieg schon viele Spitzenpreise  von Barcelona gewonnen. Hier ist eine kleine Auswahl:

1989: 3.,  6. und 13. International
1990: 1. und 2. International
2005: 1. und 3. National und 2. International 
sowie die schnellste 2er-Serie

Dazu kommt 1992 der 1. National in Althornbach. Das war damals die einzige Taube, die bisher am Auflasstag von Barcelona heimkehrte.

Auf den großen internationalen Flügen hat Raymund Hermes eigentlich immer ein Wörtchen mitzureden.

Wer ist Raymund Hermes?

Man könnte ihn als „Supervisor“ der Schläge, die seinen Namen tragen, bezeichnen. Seit seinem neunten Lebensjahr beschäftigt sich Raymund Hermes mit Brieftauben. Heute ist er 75 Jahre alt und noch immer sehr gut drauf. Die Leidenschaft für unseren Brieftaubensport ist in all den Jahren erhalten geblieben. Selbst als Flugleiter ist er noch immer aktiv.

Auch die Bezeichnung Selfmademan trifft auf ihn zu. Aus kleinsten Anfängen hat er sich ganz nach oben gearbeitet. Schon in jungen Jahren übernahm er den elterlichen Fleischereibetrieb und baute diesen dann im Laufe der Jahre zu einem Großunternehmen aus.

Auch im Taubensport hat sich Raymund Hermes aus kleinsten Anfängen ganz nach oben gearbeitet. Heute ist er nicht nur im deutschen Brieftaubensport sondern in allen Ländern, wo Taubensport betrieben wird, eine feste Größe oder vielleicht sogar schon eine Legende.

Die große Weitstrecke

Mit der internationalen Weitstrecke beschäftigt sich Raymund Hermes seit Anfang der achtziger Jahre. Es war für ihn damals eine sehr große Herausforderung, sich an den Flügen von Marseille, Pau, Perpignan oder Barcelona zu beteiligen. Seine geografische Lage im Westerwald war alles andere als günstig, besser gesagt, sie war äußerst schlecht, denn die Masse der Tauben bevorzugte doch stets eine mehr westliche Fluglinie. Um seine „Lage“ in jeder Hinsicht zu verbessern, errichtete Raymund Hermes einen Weitstreckenschlag in Althornbach. Sein Engagement trug schon in ganz kurzer Zeit reichlich Früchte. 1982 gewann er bereits den 1. Preis nat. Marseille, ein Jahr später waren es dann der 1. internat. Pau und der 1. Nat. Perpignan.

Die Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene hielten an. Inzwischen war auch der Weitstreckenschlag Uwe Hermes in Hamm/Sieg dazugekommen. In "Die Brieftaube" Folge 16 vom 21. April 2012 habe ich in einem sehr lesenswerten Artikel von Rolf Schlömer zum Erfolgsrezept von Raymund Hermes folgendes gelesen: "Alle Tauben des Schlages kommen konsequent zum Einsatz. Harte und leistungsstarke Tauben auf weiten Entfernungen für das Zielgebiet Westerwald erhält man nur durch eine konsequente Auslese." Das ist sicher richtig, wenn man vorher die richtigen Tauben bekommen hat und dann noch das nötige Fingerspitzengefühl besitzt, um diese Tauben auch zu selektieren. Die Selektion ist nun einmal das A und O im Brieftaubensport.


Raymund und Sohn Uwe

Piet de Weerd

Auf diesem Gebiet hat Raymund Hermes ganz sicher sehr viel von dem alten Piet de Weerd gelernt. In den neunziger Jahren habe ich einmal ein langes Interview mit dem großen Piet gemacht, in dem Piet de Weerd auch auf Raymund Hermes zu sprechen kam. Immer wieder stellte der Piet ihn als seinen vielleicht besten Schüler dar. Und es ist wirklich so, Raymund Hermes hat sehr viel von de Weerd gelernt. Er hat mit Piet nicht nur gute Tauben gekauft, sondern dass er von ihm lernte, wie eine Taube zu beurteilen ist, war vielleicht von viel größerer Bedeutung für Raymund Hermes. Es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, eine Taube in die Hand zu nehmen und innerhalb von Sekunden zu erkennen, wie es um ihre Muskulatur, um ihren Flügel, ihre Vitalität und nicht zuletzt ihre Gesundheit bestellt ist. Man muss den besonderen Typ des Wringers herausfinden. Ob man das lernen kann, ist oft die große Frage. Ich glaube kaum, und wenn, gehört eine unglaubliche Begabung dazu.

Die damaligen Pläne von Hermes, auf die Weitstrecke zu gehen, kommentierte Piet de Weerd übrigens als chancenlos. Ein paar Jahre später belehrte Raymund Hermes den großen Piet eines Besseren mit dem 1. International von Pau.

Barcelona 2012

Am Freitag, dem 6. Juli 2012 wurden die Tauben um 14.00 Uhr in Barcelona aufgelassen. Der späte Auflass hatte den Hintergrund, dass alle Tauben die gleiche Chance auf einen Sieg haben sollten. Es sollte eigentlich keine Nachtflieger geben. Man hatte jedoch nicht das Wetter berücksichtigt. Der Vollmond und eine helle Nacht taten ein Übriges. Es wurde ein schwieriger Flug, da die Tauben, die sich des Nachts niedersetzten, schwere Unwetter ertragen mussten. Eigentlich kamen nur die Nachtflieger durch und in bestem Zustand nach Hause. Am anderen Morgen um 9.29.10 Uhr wurde die deutsche Nationalsiegerin konstatiert. Nein, nicht in Althornbach, sondern in Hamm/Sieg auf einer Entfernung von 1.122 km. Die Leistung der Täubin kann man gar nicht genügend bewundern. Die Taube war in einer Top-Verfassung und kehrte in einem so guten Zustand zurück, dass man es kaum für möglich gehalten hatte, dass sie rund 19,5 Stunden auf den Flügeln war. Sie erreichte übrigens eine Geschwindigkeit von 1.406,263 m/min. Aber man wusste, dass dieser Täubin aufgrund ihrer Abstammung durchaus eine sehr gute Leistung zuzutrauen war. Auf dem Barcelona-Flug des vergangenen Jahres fiel sie nur ganz knapp aus den Preisen.

Auf die nächsten Tauben musste man in Hamm/Sieg noch lange warten. Um 12.35.00 und 12.51.00 Uhr wurden die nächsten Heimkehrer konstatiert. In Althornbach konnte etwas früher konstatiert werden, und zwar um 7.57.00 Uhr und 9.17.06 Uhr. Die erste Taube in Althornbach war noch gut für den 4. Preis national.


Miss Barcelona 2012, deutsche Nationalsiegerin auf Barcelona 2012

"Miss Barcelona 2012", 01063-09-838

Ihr Stammbaum ist eine Sinfonie der besten Weitstreckentauben, was gleichbedeutend mit den besten Tauben von Raymund Hermes ist. Ihr Vater ist der 01063-07-1571, ein Sohn des 01739-04-1241, der von Carcassonne den 3. Konkurs in der Zone und den 62. National fliegt. Die Mutter des 01063-07-1571 ist "Lady Perpignan" (NL 02-1620714), eine exzellente Perpignan-Fliegerin, die mehrere Spitzenpreise auf diesem Weitstreckenflug flog. Auf der mütterlichen Seite finden wir die 01063-06-570. Diese Täubin stammt aus dem 01063-96-2038, der wiederum ein Sohn des H 88-2213661 ist. Dieser Vogel von Gijs Dollewerdt war die beste Allround-Taube Europas und hat auf 16 Übernachtflügen erfolgreich abgeschnitten, um sich danach zu einem Supervererber zu entwickeln. Der "661" war gepaart mit der 01063-88--3034, genannt "Die Bunte", die bei 9 internationalen Einsätzen 9 Preise erzielte. „Die Bunte“ war eine Enkelin des weltberühmten "Espoir" von Germain Imbrecht.

Die Mutter der 01063-06-570, also die Großmutter mütterlicherseits der Nationalsiegerin ist die 01063-00-1018. Ihr Vater 01063-90-423  ist ein Sohn des 09021-88-239, des 1. International Marseille 1990. Gepaart war "239" mit der 01063-83-1316, einer Tochter des berühmten Heinemann-Vogels 0031-77-363.

Bleibt nur noch die mütterliche Seite der "1018" zu untersuchen. Mutter ist die 01063-95-986. Ihr Großvater väterlicherseits ist der 01063-86-2068, der 1989 den 3. International Barcelona gewann. Urgroßmutter väterlicherseits ist die "Lady Barcelona", 01600-80-480, die 1984 den 1. National und 1986 den 1. International von Barcelona gewann. Kommen wir nun zur mütterlichen Seite der 01063-95-986. Hier ist der Urgroßvater der 0647-80-2081, der 1983 den 1. International Pau gegen 3.133 Tauben gewann und einer der besten Vererber des Schlages war. Gepaart war er damals mit der 0647-80-2166 und die hatte 1982 den 1. National Marseille gewonnen. (Klicken Sie hier für den Stammbaum der "Miss Barcelona 2012".)

Anhand der Abstammung der Nationalsiegerin erhalten Sie einen kleinen Einblick in die Zuchtstrategie von Raymund Hermes. Er züchtet nur aus den Allerbesten und er holt, wenn es um die jüngeren Generationen geht, sehr wenig Fremdblut dazu. Er ist also nicht ständig auf der Suche nach etwas Neuem, er bleibt seinem eigenen erfolgreichen Stamm treu. Das ist Zucht nach Art von Raymund Hermes.

Sie sehen also, aus welchem Holz Nationalsiegerinnen von Barcelona geschnitzt sind. Sportfreund Hermes, wir vom PIPA-Team wünschen ihnen weiterhin sehr viel Erfolg im internationalen Taubensport.