St.Vincent national in den Niederlanden gewonnen von Martin de Poorter (Sluis, NL)

Der Flug von St. Vincent 2012 wurde in den Niederlanden von einem 34-jährigen Seeländer gewonnen, der schon 6 x einen 1. in der Abteilung in allen Disziplinen, außer bei der ZLU-Übernachtweitstrecke, geflogen hat. Ein neuer Diamant in der bereits reich besetzten Krone von Martin de Poorter aus Sluis.

Die Saison dreht auf vollen Touren. Bei den internationalen Flügen folgte auf Barcelona der von St. Vincent. In den Niederlanden wurde auch noch in jedem Sektor ein Flug der Großen Weitstrecke veranstaltet. In Sektor 1 war das Bordeaux, und hier wurden die Tauben am Sonntagmorgen aufgelassen. Der Flug verlief gut, und am Auflasstag waren die meisten Preise vergeben. In St. Vincent wagte man es nicht, aufzulassen und wartete bis Montagmorgen 7.00 Uhr. In den Niederlanden zweifelte man zu Recht und setzte Fragezeichen hinter diesen Auflass. Zum Spätnachmittag und Abend wurde eine ansehnliche Regenfront erwartet. Später stellte sich heraus, dass die Wettervorhersagen nicht falsch lagen, und es regnete in Strömen. Die meisten Tauben ließen sich jedoch von all dem himmlichen Wasser kaum beirren und kamen in großer Zahl nach Hause. Das ist nun einmal das Szenario des Sommers 2012. Mit wenig Sonne und viel Niederschlag werden wir uns zufrieden geben müssen.

Martin ist 34 Jahre alt und wohnt im seeländischen Sluis. Über seine Onkel, die Tauben hatten, ist er mit dem Sport in Berührung gekommen. Er hat zunächst Ziertauben gezüchtet und hat dann 1993 mit Zufliegern und geschenkten Tauben mit dem Brieftaubensport begonnen. Martin ist noch immer auf der Suche nach einer guten Taube, und die letzten Neuerwerbungen stammen von Sj. Van de Velde und Sohn aus Breskens. Die Tauben werden von Martin allein versorgt. Hand- und Spanndienste leisten ihm sein Vater und sein Schwiegervater. Diese beiden erledigen auch die technischen und Tischlerarbeiten auf dem Schlag. Seit 2006 bis einschließlich 2011 gewann Martin schon sechs Mal einen 1. Preis in der Abteilung Seeland, und zwar einen auf der Eintagesweitstrecke, zwei auf der Mittelstrecke und drei auf der Kurzstrecke. Schon früher in der Saison 2012 errang er den 2. Gien, den 7. Pithiviers (beide mit Meldung auf Teletekst), den 8. nat. Bordeaux Alttauben und den 76. nat. Bordeaux Jährige. (Klicken Sie hier, um die Teletekstmeldungen Gien, Pithiviers, Chateaudun und Bordeaux zu sehen)

Das System

Der Start in die Saison erfolgt mit 25 Paaren, die auf totaler Witwerschaft gespielt werden. Die Männchen sitzen in drei Abteilen, während sich die Weibchen mit zwei Abteilen begnügen müssen. Ferner sitzen hier noch 20 Zuchtpaare und zirka 90 Jungtauben. Am 2. Januar wurden die Tauben angepaart. Das erste Gelege von den Zuchttauben wird bei den Reisetauben untergelegt, die die Jungen auch aufziehen. Wenn die Jungen zwei Wochen alt sind, werden die Weibchen in ihr eigenes Abteil gebracht, während die Männchen die Jungen allein weiter versorgen. Die Männchen saßen Ende Februar auf Witwerschaft und die Weibchen etwa zehn Tage früher. Alle Tauben trainieren ein Mal am Tag. Zuerst kommen die Jungen für eine Stunde (Zwangs-)Training nach draußen, danach die Weibchen für eine bis eineinviertel Stunde und anschließend die Männchen für dieselbe Zeitdauer. Sowohl Männchen als auch Weibchen trainieren mit der Fahne und werden also gezwungen zu fliegen. Die Tauben werden so oft wie möglich mit der Abteilung mitgegeben und werden nur selbst zum Training weggebracht, wenn sie einen schlechten Flug hatten oder die Voraussichten schlecht sind. Martin bringt sie dann selbst weg, wenn es ihm Zeit und Wetter erlauben.

Bei der Heimkehr von einem Flug bekommen die Tauben 'vollen Trog' Reisemischung (Versele und Beijers), Nutri Power und allerlei Patagoon. Danach stehen Gerry plus und Super Winner auf dem Speiseplan, und zum Ende der Woche hin werden 1/3 Reisemischung, 1/3 eiweißarm und 1/3 Energiemischung (MDP Mix, die Martin selbst zusammengestellt hat) sowie Käse und Erdnüsse gegeben. Ferner bekommen die Tauben Prange-Suppe, und auch Belgasol (Biolektron) wird regelmäßig gebraucht. Auf medizinischem Gebiet wird Martin von Piet Blancke und Jan van Wanrooy von Belgica-de Weerd beraten, und ihr Rat wird befolgt. Eine Kontrolle findet nur vor der Saison statt. Während der Saison werden die Tauben nach Flügen mit 2 oder mehr Nächten Korbaufenthalt anderthalb Tage mit BS behandelt, dem auch noch Belgasol (Biolektron) zugefügt wird. Eine Tablette gegen Trichomonaden bekommen die Tauben, wenn Martin denkt, dass es nötig ist.

Der Sieger von diesem Flug ist ein Jähriger, der von Piet Blancke stammt und zu 100% De Saer ist. Im März 2011 wurden 10 Junge geholt, unter denen zwei ganz hervorragende saßen. Später in der Saison kamen noch 6 dazu, die direkt für die Zucht behalten wurden. Darunter waren zwei Schwestern des Siegers. Ein voller Bruder von “Rainman” ist “Monty”, der den 11. Nat. Montauban, 34. Nat. Soulliac, 150. Nat. Brive und 244. Nat. Limoges gewann. Der Sieger stammt also aus einer Familie von Vorausfliegern. 

Der BE11-4245800, alias “Rainman” gewann zwei Wochen vor seinem spektakulären Sieg von St. Vincent schon den 76. Nat. Bordeaux gegen 4.226 Tauben. Zuvor hatte er bereits den 37. gegen 6.328 Tauben von Mantes La Jolie verbucht, und jetzt gewinnt dieser Crack den 1. National gegen 3.161 Tauben. International wurde gegen 13.085 Tauben der 3. Platz belegt.

“Rainman” wird genau wie seine Schlaggenossen als Witwer gespielt und war eigentlich für Narbonne vorgesehen, aber sein Mauserstand und seine Kondition waren so, dass Martin ihn für St. Vincent einkorbte, was das bekannte Ergebnis brachte. Der viele Regen sorgte dafür, dass der Sieger bei seiner Heimkehr ein nasses Federkleid hatte, was ihn aber nicht gehindert hatte, die 920 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 1.409 m/min zurückzulegen und seinem Herrn den Nationalsieg zu schenken.