PIPA's Frühjahrsbefragung 2021 (Teil 5)

Im fünften und letzten Teil unserer Frühjahrsbefragung können Sie die Antworten von Wim & Bertrik Murk, Karlo Van Rompaey, den Gebrüdern Homma sowie Stijn & Jeroen Rans lesen.

Auch ihnen legten wir die folgenden 8 Fragen vor:

  1. Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?

  2. Welcher Moment oder welche Leistung in deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit Stolz ?

  3. Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein? 

  4. Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?

  5. Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenzüchterverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport ändern?

  6. Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast?

  7. Es gibt den Slogan 'Taubensport - Familiensport'. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport?

  8. Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?

Wim & Bertrik Murk (Ijsselstein, NL)

Vater Wim und Sohn Bertrik Murk mischen schon seit vielen Jahren auf den Marathonflügen mit. Ihr Zucht- und Reisebestand ist klein, besonders wenn man sie mit anderen Liebhabern der großen Entfernungen vergleicht, aber das ist für sie kein Hinderungsgrund, regelmäßig fantastische Ergebnisse zu liefern.

Wim & Bertrik Murk mit den Vertretern der nächsten Generation Thijs und Fenna.

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?
Das meiste habe ich von meinem Vater gelernt (Wir spielen zusammen in Schlaggemeinschaft.), aber auch viel von meinem Taubenfreund Koop Kiekebelt. Außerdem höre ich auch gut zu, wenn andere etwas erzählen und versuche, das Gute davon mitzunehmen.

Welcher Moment oder welche Leistung aus deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit Stolz?
Der Gewinn des 1. Int. St. Vincent, 1. Int. Bergerac, 1. NPO Perigueux und 1. NPO Orange innerhalb von nur 4 Jahren (2009 - 2013).

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein?
Mein Ziel für die kommende Saison ist, einen Nationalsieg auf einem Marathonflug zu gewinnen.

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?
In Bezug auf die Niederlande und meine spezielle Disziplin (Marathon) hoffe ich, dass ich selbst das sein werde.

Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenzüchterverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport ändern?
Ich würde versuchen, eine Kommission "Gleiche Bedingungen" zu gründen. Eine Kommission, die alles eingehend untersucht, um so weit wie möglich gleiche Flugbedingungen für alle während der Preisflüge zu schaffen.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast?
Die kann man nicht an einer Hand aufzählen, aber viele Fehler sorgen dafür, dass man in der Zukunft ein immer besserer Züchter wird.

Es gibt den Slogan ‘Taubensport - Familiensport’. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport?
Meine Partnerin hat nichts mit den Tauben zu tun, aber meine Kinder Fenna (13 Jahre) und Thijs (11 Jahre) fangen dagegen an, sich immer mehr dafür zu interessieren.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?
Versuche, die Geduld aufzubringen, die nötig ist, um einen Bestand von Leistungstauben aufzubauen. Versuche, mit Züchtern in Kontakt zukommen, die in der von dir bevorzugten Disziplin gut reisen und besuche sie auf eine Tasse Kaffee.

Karlo Van Rompaey (Sint-Truiden, BE)

Tierarzt und Taubenzüchter Karlo Van Rompaey gewann bereits 3 Mal den Nationalsieg von Bourges. In den letzten Jahren wird er mit Tauben beliefert, die im PIPA Elite Center (PEC) gezüchtet wurden. Auch er nahm sich die Zeit, um Antworten auf unsere 8 Fragen zu formulieren.

Karlo Van Rompaey

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?
Die Basis von allem, was ich gelernt habe, stammt von meinem Großvater Jos Van Rompaey aus Schriek. Er war ein begeisterter und stark reisender Kurzstreckenzücher in der antwerpischen Gemeinde Schriek. Er spielte nur von Quiévrain und Noyon und hat nie für den Sieg an Flügen auf größeren Entfernungen teilgenommen. Mein Gefühl für den Umgang mit Tauben kommt sicherlich von ihm. Er betrieb auch den Taubensport ohne allzu viel Brimborium: eine starke, gesunde Taube, die gut trainiert und gefüttert wurde. Wer bei dieser Versorgung nicht in der Lage war, sich vorne zu platzieren, bekam den Abschied. Weil ich eine Stunde Fahrtzeit von Schriek entfernt wohne, habe ich viel über das Spiel auf Entfernungen von mehr als 200 km aus eigenen Erfahrungen gelernt. Über das Knowhow für erfolgreiches Spiel auf den Nationalflügen konferiere ich regelmäßig mit Pascal Ariën.

Welcher Moment oder welche Leistung aus deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit Stolz?
Die drei Nationalsiege von Bourges und ganz besonders der dritte Sieg mit 'Hattrick', der der schnellste von 60.000 Tauben war und das im selben Jahr (2015) wie Prima Dora.

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein?
Für die kommende Saison besteht meine gesamte Reisemannschaft aus Tauben vom PEC. Ich werde als Filialschlag vom PEC zufrieden sein, wenn in der Saison 2021 mehrere gute Ergebnisse auf nationaler Ebene erzielt werden.

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?
Ich finde es schwierig, einen Namen zu nennen, aber es wird ein Züchter sein, der sich auf ein Ziel fokussieren kann. Außerdem muss er genügend Erfahrung haben, wodurch er auf dem Weg zu seinem Ziel so wenig Fehler wie möglich macht, und im richtigen Moment muss er etwas Glück mit dem Wetter haben. Über eine starke Mannschaft von Tauben zu verfügen, ist auch eine Voraussetzung.

Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenzüchterverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport ändern?
Wenn ich beim KBDB das Sagen hätte, würde ich das ganze Land in Regionen aufteilen. Nicht nach sich schlängelnden Gemeindegrenzen sondern durch gerade Linien. Alle Tauben würden regionsweise aufgelassen und alle in einer einzigen Preisliste klassifiziert. Jeder muss in seiner Region bleiben. Je größer die Entfernung des Fluges ist, umso mehr Regionen können zusammen aufgelassen und klassifiziert werden. Ich würde also auf regionaler Ebene mehr Gleichheit schaffen. Wenn Westwind herrscht, gewinnt die östliche Seite der Region und umgekehrt. Das hat schließlich niemand in der Hand. Ferner würde ich von April bis einschließlich September in jeder Region an jedem Wochenende ein und denselben Kurzstreckenflug von ungefähr 175 km organisieren und außerdem ein und denselben Mittelstreckenflug von mindesten 350 km. Des Weiteren im ganzen Land in der Mitte jeder Woche einen Trainingsflug von 100 km. Auflass immer per Region. An den Wochenenden keine ungesetzten Tauben, die nicht gewertet werden. Außerdem muss dann auch noch das nationale Programm abgewickelt werden. Aufgrund der wöchentlichen Trainingsflüge von 100 km mitten in der Woche kann jeder seine Tauben nach Belieben trainieren. Während der Woche gibt es keine Beeinflussung durch Auflässe von in- und ausländischen Preisflügen, was die Gefahr eines schlechten Verlaufs verringern würde. Dazu kommt ein einziger Preisflug während des Wochenendes (an Stelle von z.B. 100 und 200 km, wie es jetzt an vielen Orten der Fall ist). Dadurch würde die Zahl der an den Flügen teilnehmenden Tauben in einem relativ kleinen Umkreis bei den Kurzstreckenflügen erheblich steigen und die Zahl der Auflässe pro Gegend abnehmen. Auch das Einsetzen und der Transport könnten so besser organisiert werden. Ich bin überzeugt, dass es durch dieses Vorgehen auch weniger Verluste bei den Trainingsflügen geben würde. Beim heutigen System gibt es zu viele Unterschiede bei den Reiseprogrammen von Fluggemeinschaften und Provinzen. So gibt es zum Beispiel in Limburg viele Züchter, die an die wöchentlich zunehmenden Entfernungen des Reiseprogramms gefesselt sind. Sie haben keine Möglichkeit zum Ausweichen. Wenn zum Beispiel aufgrund von Krankheit oder schlechtem Wetter Tauben eine Woche nicht mitkönnen, ist man häufig durch dieses System eingeengt. Heute wird viel auf die Umstände des Augenblicks eingegangen, wobei das Programm manchmal während der Saison angepasst wird. Der Vorschlag, den ich mache, wird dafür sorgen, dass alle Züchter im ganzen Land gleich gestellt sind und jeder die Möglichkeit hat, seine Tauben zu spielen, wenn sie dafür bereit sind. Ohne Druck eines Programms. Es wäre nämlich jede Woche gleich.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast?
Ich war zu ungeduldig mit unerfahrenen Jährigen. Habe zu schnell zu viel erwartet.

Es gibt den Slogan ‘Taubensport - Familiensport’. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport?
Taubensport ist bei uns nicht der Familiensport. Aber er ist doch ein Teil unseres Lebens, wobei ich den Sport 'erlebe' und der Rest der Familie 'mitlebt'.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?
Beginne nicht mit Tauben, um damit reich zu werden. Fang mit einer begrenzten Zahl von Tauben an und entscheide dich für eine Disziplin. Versuche, den Rat eines gut reisenden Züchters zu befolgen und halte an einem Plan fest. Erfolg kommt nicht von allein. Es erfordert viel Zeit, um zu Erfolg zu kommen. Vergiss unterwegs nicht, die Tauben und dein Hobby zu genießen. Du musst gewinnen wollen und verlieren können!

Gebrüder Homma (Steggerda, NL)

Die jugendlichen Brüder Ydo und Elco Homma bilden eine ideale Schlaggemeinschaft. 2006 gingen sie an den Start und nach und nach gelang es ihnen, mit den richtigen Tipps und guter Unterstützung einen eigenen erfolgreichen Taubenstamm aufzubauen.

Von wem habt ihr das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war euer Mentor?
Wir haben 2006 zusammen mit dem Taubensport angefangen. Im Laufe der Jahre haben wir verschiedene Kontakte aufgebaut, von denen wir etwas gelernt haben und noch immer lernen. Aber wir lernen auch oft durch Erfahrungen auf dem eigenen Schlag in der Praxis. Dort lernen wir für die Zukunft. Von Anfang an haben wir immer viel Kontakt mit Jelle Jellema gehabt, und das ist bis heute so geblieben. Jelle hat eine nüchterne Sicht auf den Taubensport, und diese Sicht passt gut zu uns.

Welcher Moment oder welche Leistung aus eurer Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt euch am meisten mit Stolz?
Bei uns ist es keine spezielle Leistung, auf die wir stolz sind. Wir sind stolz darauf, wo wir nun nach 15 Jahren Taubensport stehen. In den vergangenen Jahren haben wir mehrere erste Preise und Teletekst-Meldungen verbucht. Außerdem eine hübsche Zahl von Siegen in der Afdeling, seit 2012 ist das eine ansehnliche Reihe:
1. Boxtel gegen 15.762 Tauben (2012)
1., 2., 4. Sittard gegen 16.803 Tauben (2014)
1. Weert gegen 20.725 Tauben (2015)
1. Nat. Morlincourt S4 gegen 11.985 Tauben (2016)
1. NPO Niergnies gegen 11.595 Tauben (2017)
1. NPO Troyes gegen 7.939 Tauben (2018)
1. Rethel gegen 16.444 Tauben (2020)
1. Venlo gegen 18.965 Tauben (2020)
2019 machten wir keinen Sieg in der Afdeling, aber wir hatten trotzdem eine prächtige Saison mit als absolutem Höhepunkt "Nadien". Sie wurde schließlich 2. Nat. Ass-Taube Kurzstrecke WHZB-BOTB.

Welches Ziel habt ihr euch für 2021 gesetzt und womit werdet ihr nach der Saison 2021 zufrieden sein?

Unser Ziel ist es, jedes Jahr einen Sieg in der Afdeling zu machen und eine ansehnliche Zahl wirklich früher Preise zu gewinnen. Innerhalb unserer Möglichkeiten versuchen wir, alles dafür zu tun, dass die Leistungen der Tauben so gut wie möglich sind. Weil wir beide einen anstrengenden Beruf haben, sind wir manchmal in unserer Zeit eingeschränkt. Es ist dann von Vorteil, dass wir den Taubensport gemeinsam ausüben, sodass nicht immer alles wegen der Tauben zurückstehen muss.

Wer wird eurer Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?
Das ist schwer zu sagen. Jedes Jahr sieht man neue Namen, aber wir haben auch viel Respekt vor den Namen, die man jedes Jahr erneut sieht. Wenn wir dann doch einen Namen nennen müssten, dann ist das Arnold Paalman (in diesem Jahr noch in Hengevelde und ab dem nächsten Jahr in Laren). Im vorigen Jahr zeigte Arnold schon auf dem letzten Flug der Saison, wozu seine Tauben fähig sind, und es wäre schön, wenn es in diesem Jahr die Fortsetzung davon geben würde.

Angenommen, ihr hättet morgen plötzlich beim nationalen Brieftaubenzüchterverband das Sagen, was würdet ihr am heutigen Taubensport ändern?
In der Zeit, in der wir heute gerade leben, ist man doch sehr auf die eigene Grundstücks- oder Wohnsituation angewiesen. Für uns sind zum Beispiel Fußball und Volleyball von jetzt auf gleich völlig weggefallen. Darum ist es zur Zeit besonders schön, ein Hobby zu haben, das man jeden Tag zu Hause betreiben kann. Wir finden, dass man vonseiten des nationalen Taubensportverbandes etwas mehr für die Werbung tun müsste und das besonders im Hinblick auf die Situation, die wir jetzt durch Covid-19 haben.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den ihr jemals auf dem eigenen Schlag gemacht habt?
Noch 2019 machten wir einen dicken Schnitzer, über den wir letztendlich doch noch lachen konnten. Am Freitagnachmittag (Einsatztag) geben wir den Tauben nachmittags zwischendurch noch etwas Kleinsämereien, wenn jemand zu Hause sein kann. Wahrscheinlich wurde die Tür damals nicht richtig zugemacht. Als dann einer von uns um halb sechs nach Hause kam, mussten wir die Tauben schnell greifen, um sie einzukorben. Als wir bei den Schlägen ankamen, flogen überall Tauben umher und die Tür stand offen. Schließlich konnten wir die Tauben gerade nocht rechtzeitig reinbekommen und in den Korb setzen. Am Freitagabend haben wir gewaltig gebangt, denn das entsprach nicht unserer normalen Vorbereitung. Am Samstag hatten wir ein prächtiges Ergebnis mit 2., 6., 7., 8., 13. usw. gegen 16.314 Tauben. Samstagabend sagten wir zueinander: Vielleicht müssen wir die Tür am Freitagnachmittag häufiger offen lassen.

Es gibt den Slogan ‘Taubensport - Familiensport’. Wie denken eure Partnerinnen oder eure Familie darüber?
Wir betreiben den Taubensport wirklich gemeinsam. Ab und zu bekommen wir bei schweren Arbeiten auch Hilfe. Unsere Familie und unsere Freunde finden es schön zu beobachten, wie wir den Taubensport betreiben, und wir versuchen immer, den Taubensport positiv darzustellen. So kommen bei der Heimkehr der Tauben von den Flügen regelmäßig Zuschauer (auch solche, die keine Taubenzüchter sind). Ferner haben wir eine Reihe guter Kontakte zu befreundeten Züchtern, was für uns ein schöner Aspekt des Taubensports ist.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtet ihr Anfängern im Taubensport geben?
Versuche ein System zu entwickeln, das gut zu dir und deinen Möglichkeiten passt. Es gibt nicht nur eine einzige Methode, die richtig ist, obwohl manche Züchter so tun, als wäre das der Fall, weil sie schon seit Jahren dasselbe machen. Natürlich ist es wichtig, an gute Tauben zu kommen. Wenn man richtig sucht und ein bisschen kreativ ist, muss das auch gelingen. Am Anfang des Jahres hat meist jeder Züchter zu wenig Junge, aber am Ende des Jahres kann man oft an sehr gute Tauben kommen. Wenn du gut reisende Züchter besuchst, kannst du auch immer etwas lernen.

Stijn & Jeroen Rans (Wijgmaal, BE)

Last but certainly not least sind Jeroen & Stijn Rans an der Reihe. Die Brüder gehören inzwischen seit etlichen Jahren zu den absolut führenden Schlägen auf der Großen Weitstrecke. Beeindruckender Höhepunkt war der internationale Sieg ihres ‘Jef’ von Barcelona 2019.

Von wem habt ihr das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war euer Mentor?
Das meiste habe ich von meinem Paten Alex Rans und von meinem Opa Frans Rans über den Taubensport in allen seinen Facetten gelernt. Als Kinder waren wir oft nach der Schule oder während der Ferien bei ihnen, sodass wir schon von klein auf mitbekamen, wie es im Taubensport läuft. Von Alex haben wir unseren ersten Taubenschlag und Tauben bekommen. Unser Opa war Vorsitzender der Brabantse Unie und Alex Geschäftsführer. So kam es, dass wir schon bald bei der Erstellung der Preislisten, beim Einkorben und beim Ausrechnen in der Einsatzstelle halfen. Auch durch unser Zutun wurde beim Verein Sans Peur ein Jugendclub gegründet, und so kam ich auch schon in sehr jungen Jahren in den Vorstand der Einsatzstelle. Noch immer können wir uns mit jeder Frage an Alex wenden.

Auch von Dirk Christiaens haben wir viel gelernt. Unser heutiges Reisesystem basiert zum großen Teil auf dem von Dirk.

Welcher Moment oder welche Leistung aus eurer Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt euch am meisten mit Stolz?
Wir haben in den letzten vier Jahren viele schöne Momente erlebt. 2017 haben wir zwei Mal den Ersten national gewonnen, von Pau und von Perpignan. Das sind Momente, die man niemals vergisst und die bei uns viel ausgelöst haben.

2020 wurden wie 1. nationaler Meister auf der Weitstrecke KBDB, 3. Meister auf der Großen Weitstrecke KBDB und 3. allgemeiner Meister KBDB. Auf diese Titel sind wir sehr stolz. Schade, dass wir das wegen Corona noch nicht feiern konnten.

Unser schönster Moment bleibt jedoch der Gewinn des Ersten international von Barcelona 2019 mit Jef. Der Film von dem Moment läuft immer wieder vor meinem inneren Auge ab, und ich bekomme dann noch immer Gänsehaut. Wir haben Jef nicht behalten können, aber wir können ihn noch regelmäßig bei Hugo Batenburg sehen. Es berührt mich jedes Mal, wenn ich ihn wiedersehe.

2020 gab es auf dem Flug von Narbonne Gänsehautmomente für uns. Am Abend bekamen wir zum ersten Mal Gänsehaut, als wir 3 Tauben in der Dämmerung bekamen und alle 3 nationale Spitzenpreise machten. Früh am Morgen haben wir dann noch 2 Tauben im Halbdunklen vor 6 Uhr bekommen. Aufgrund des dichten Nebels hatten wir nichts mehr erwartet, und dann landete nach 45 Minuten plötzlich eine Taube auf dem Dach und dann noch einmal 3, die plötzlich aus dem Nebel auftauchten. Das sind Momente, die man als Taubenzüchter erleben möchte und für die man das ganze Jahr arbeitet.

Welche Ziele habt ihr euch für 2021 gesetzt und womit werdet ihr nach der Saison 2021 zufrieden sein?
Wir werden versuchen, genauso gut wie in der Saison 2020 zu sein. Damit wären wir schon sehr zufrieden, obwohl uns auch klar ist, dass das sehr schwierig werden wird. Ein Preis unter den ersten 10 auf einem internationalen Flug ist auch jedes Jahr unser Ziel.

Wer wird eurer Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?
Das ist sehr schwer zu sagen, denn jedes Jahr beginnt jeder wieder bei null. Ich erwarte in diesem Jahr viel von Sente-Creten und Hok Rommelaere.

Auch Bastogen-Henry ist eine Schlaggemeinschaft, die man im Auge behalten muss.

Angenommen, ihr hättet morgen plötzlich beim nationalen Brieftaubenzüchterverband das Sagen, was würdet ihr an heutigen Taubensport ändern?
Viel! Der KBDB ist in alten Strukturen erstarrt und passt sich nicht mehr den heutigen Zeiten und Erfordernissen an. Die Abgeordneten kleben an ihren Sesseln, was dazu führt, dass nicht alle Entscheidungen im Interesse des Taubensports getroffen werden, sondern dem Erhalt der eigenen Position dienen. Ein gutes Beispiel dafür ist die systematische Verlängerung der Vorstandszugehörigkeit. Eine Organisation wie der KBDB benötigt alle 4 bis 5 Jahre frischen Wind. Der KBDB sollte auch von einem unabhängigen Manager geführt werden und nicht von einem gewählten.

Auf IT-Ebene hat es schon in begrenztem Maße Schritte nach vorn gegeben, aber es ist und bleibt doch lächerlich, dass Einsatzstellen beinahe gezwungen werden, mit einem Programm wie dem von Data Technology zu arbeiten, einem Programm, das in den letzten 20 bis 30 Jahren kaum an die heutige Technologie angepasst wurde. Das war für unsere Einsatzstelle eigentlich ein Schritt zurück.

Auch das Reiseprogramm sollte angepasst werden. So plädieren viele Züchter und Einsatzstellen für weniger Flüge und das hauptsächlich auf der Kurzstrecke, wo jetzt noch meistens zwei Flüge an einem Wochenende organisiert werden. Das würde bei den Einsatzstellen und ihren Freiwilligen viel Druck wegnehmen. Das ist etwas, das auf nationaler Ebene angefasst werden müsste.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den ihr jemals auf dem eigenen Schlag gemacht habt?
Wir haben in der Einsatzstelle in dem Moment, in dem die Tauben abgeben werden mussten, noch schnell die Erstbenannte umbenannt. 2017 lagen wir gut bei der nationalen Meisterschaft und mussten bei dem letzten Flug von Perpignan nur noch die Erst- und Zweitbenannte früh drehen, um auf das Podium zu kommen. Zu Hausse hatten wir Ace Perpignan als Erstbenannte angekreuzt. In der Einsatzstelle fingen wir an zu zweifeln und tauschten sie noch gegen die "225" aus. Ace Perpignan flog den 53. national und die “225” machte keinen Preis. Man sollte immer bei seinem ersten Gedanken bleiben!

Es gibt den Slogan ‘Taubensport - Familiensport’. Wie denken eure Partnerinnen oder eure Familien darüber?
Der Taubensport ist bei uns eine Sache der ganzen Familie. Unser Vater ist glücklicherweise schon Rentner, sodass er die tägliche Versorgung der Tauben übernehmen konnte. Stijn sorgt für die medizinische Begleitung, und Jeroen ist für die Buchhaltung zuständig. Jeder hat also im Bereich seiner Möglichkeiten seien Aufgaben.

Am Samstag kommt meist die ganze Familie zusammen, und dann wird oft der Grill angezündet. Ohne die Unterstützung durch unsere Frauen wäre es nicht möglich, den Taubensport auf diesem Niveau zu betreiben.

Zusammen mit der Familie und mit Freunden auf die Tauben zu warten, ist wirklich immer wieder ein Vergnügen.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtet ihr Anfängern im Taubensport geben?
Anstatt teure Tauben zu kaufen, wendest du dich am besten an einen Meister aus deiner Nachbarschaft. Ein echter Meister ist auch bereit, dir weiterzuhelfen. Versuche auch, ein festes System zu finden, das zu dir passt und ändere das nicht in jedem Jahr.

Versuche auch, so viel Freude wie möglich am Taubensport zu haben, denn es ist ein fantastisches Hobby!