PIPA's Frühjahrsbefragung 2021 (Teil 2)

Heute kommen wir zu Teil 2! Diesmal kommen Youri Deblanc, Leo & Gerry Dockx, Team van Oss und Davy Tournelle zu Wort.

Auch ihnen stellten wir diese 8 Fragen:

  1. Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?

  2. Welcher Moment oder welche Leistung in deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit Stolz ?

  3. Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein? 

  4. Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?

  5. Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenverband das Sagen, was würdest am heutigen Taubensport verändern?

  6. Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast?

  7. Es gibt den Slogan 'Taubensport-Familiensport'. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport?

  8. Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?

Youri Deblanc (Ronse, BE)

Youri greift in den letzten Jahren die nationale Spitze im Taubensport mit seiner Julien-Linie an. Dieser ehrgeizige Züchter widmet sich voll und ganz dem Taubensport, obwohl seine Familienmitglieder eher eine Schwäche für Pferde haben.
 

Youri Deblanc und seine 'Anhängerinnen'.

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?
Meine beiden Mentoren waren und sind noch immer Eric Vermander und Pascal Ariën. Zu diesen beiden Spitzenzüchtern habe ich auch menschlich eine sehr gute Beziehung. Seit vielen Jahren frage ich sie regelmäßig um Rat (und sie mich manchmal auch). Ferner denke ich selbst auch ständig darüber nach, wie ich die Qualität meiner Tauben erhöhen kann und lese alles, was mir über Tauben in die Finger kommt. Ich halte auch viel von gemeinsamen Überlegungen, nicht nur mit meinen Mentoren sondern auch mit meinen Freunden (Eddy, Geert, Bruno,...). Kurzum, jeder Stoff zum Nachdenken ist mir willkommen.

Welcher Moment oder welche Leistung in deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit Stolz? 
Am stolzesten bin ich auf meinen Taubenstamm (“de Juliens”), den ich in den vergangenen Jahren aufgebaut habe. Aus diesem Stamm sind innerhalb von wenigen Jahren mehrere Tauben hervorgegangen, die Preise unter den ersten 10 national geflogen haben. Natürlich war der Gewinn des 1. national von Libourne 2019, nachdem ich einige Wochen nah daran gewesen war, ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein?
Bis jetzt habe ich vor allem in meinen Zuchtschlag investiert, als ich systematisch die Gewinner von Preisen unter den ersten 10 national sofort auf den Zuchtschlag gesetzt habe. Meine Ziele für 2021 sind, mich unter den ersten 5 bei den nationalen Ass-Tauben auf der Weitstrecke und Großen Weitstrecke zu platzieren und unter den ersten 5 bei den nationalen Meisterschaften auf der Weitstrecke und Großen Weitstrecke. Ich werde die besseren Tauben dieses Mal also etwas länger spielen, anstatt sie sofort auf den Zuchtschlag zu setzen. Hoffentlich bringt das den gewünschten Erfolg.

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021? 
Als Entdeckung betrachte ich stark emporkommende Talente und nicht die seit Jahr und Tag gefestigten Werte. Ich nenne darum jüngere Burschen hier aus der Gegend, andere kenne ich allerdings weniger. Für die größeren Entfernungen: Gregory Demaret (Demaret-Marichal) und Nico Fourneau, auf der Großen Mittelstrecke: Davy Neirynck. 

Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport verändern? 
Ich finde, dass der derzeitige Vorstand in Bezug auf Kommunikation, Werbung für den Taubensport und Digitalisierung die richtigen Schritte macht und vorwärts kommen will. Ich würde vor allem in gemeinschaftlichen Überlegungen daran arbeiten, eine Art von Begrenzung der Einsatzzahlen anzuwenden und das besonders bei lokalen Flügen. Zum Beispiel darf jemand bei Nationalflügen 100 Tauben einsetzen, aber in der regionalen Preisliste dürfen nur die ersten 20% berücksichtigt werden. Etwas in diesem Stil, aber das bedarf natürlich noch weiterer Überlegungen. Ferner würde ich auch die Dopingpolitik modernisieren und das Reglement ausarbeiten. Auf diesem Gebiet tut sich momentan nichts.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast? 
Dass ich mich noch zu wenig an meinen eigenen Stamm gehalten und gedacht habe, dass das Gras auf der anderen Seite grüner ist.

Es gibt den Slogan ‘Taubensport - Familiensport’. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport? 
Meine “5 Frauen” (Ehefrau und 4 Töchter) sind alle Reiterinnen (Dressur) und also nicht so sehr bei meinem Hobby involviert. Sie leben aber damit und sind auch meine Fans. Hauptsache, sie lassen mich mein Ding machen (lacht). Ich bekomme allerdings Hilfe von meinem besten Freund Jeroen, der kein Taubenzüchter war, aber jetzt schwer vom Bazillus infiziert ist. Im Sommer feiern wir hier oft während des Einkorbens mit meiner Familie und Freunden. Manchmal gibt es dann auch ein BBQ, das ist oft sehr vergnüglich.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?
Denk vor allem darüber nach, was du erreichen willst, und lege dir einen Plan zurecht, wie du das erreichen willst. Arbeite dann (intensiv) dafür. Es ist vielleicht eine Binsenweisheit, aber mit der richtigen Qualität an Tauben zu beginnen, ist natürlich das Wichtigste. Mehrere Jahre hintereinander nach der Saison Eier bei einem stark reisenden Züchter (1 oder 2), der dir wohlgesonnen ist, zu holen, ist die beste Art, preisgünstig an Qualität zu gelangen. Und dann viel züchten und streng auslesen... und den Überblick nicht verlieren.

Leo & Gerry Dockx (Koningshooikt, BE)

Die sympathische Vater-Sohn-Schlaggemeinschaft aus Koningshooikt, einem Stadtteil von Lier, sind keine Freunde von vielen Worten. Ihre Taten sorgen im Taubensport jedoch seit Jahren für Bombenergebnisse.

Leo & Gerry mangelt es nicht an Assistenten.

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?
Das ist Gaston Van De Wouwer.

Welcher Moment oder welche Leistung in deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit Stolz?
Es ist schwierig, einen auszuwählen. Wir wollen uns auf 3 Momente beschränken:
- 2013: 1. Nat. Nevers

- 2014: Nat. Ass-Taube Kleine Weitstrecke bei den Jungtauben. Das war mit "Tarzan".

- 2020: - 4. Nat. Ass-Taube bei den Jährigen
              - 8 Tauben unter den ersten 100 beim Nationalflug von La Souterraine
              - Enkelkinder von Niels und Dries: 20 Mal einen 1. Preis von Noyon.

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt, und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein? 
Einen Nationalsieg zu gewinnen wäre fantastisch.

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung des Jahres 2021?
Dockx - Van den Broeck

Angenommen, du hättest morgen plötzlich das Sagen beim nationalen Taubenzüchterverband, was würdest du am heutigen Taubensport verändern?
Wir hätten gern jede Woche einen Nationalflug auf dem Programm.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du je auf dem eigenen Schlag gemacht hast?
Das kann ich nicht so auf Anhieb sagen.

Es gibt dern Slogan ‘Taubensport - Familiensport’. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport?
Hier ist es ein echtes gemeinschaftliches Anliegen. Die gesamte Familie, Große und Kleine, Alte und Junge setzen sich für den Taubensport ein.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?
Man sollte am besten immer nur auf dieselbe Vertrauensperson hören und sich auch nicht zu viele verschiedene Rassen auf den Schlag holen.

Team Van Oss (Velddriel, NL)

What's in a name... Das Team Van Oss (Oss = Ochse) ist wirklich in allen Bedeutungen des Wortes ein Team. Vater und Patriarch Rien und Sohn Irving werden schon seit 30 Jahren von Schlagpfleger Erik unterstützt. Die Aufgaben sind klar verteilt und machen das Team dadurch zu einer äußerst erfolgreichen Schlaggemeinschaft.

Das vollständige Team Van Oss: Erik van de Laak, Rien & Irving van Oss

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?
Das meiste habe ich von meinem Vater Rien van Oss gelernt, und der hat es seinerseits von seinem Vater und seinem Schwiegervater gelernt, also von meinen beiden Opas.

Welcher Moment oder welche Leistung in deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit Stolz?
Das Jahr 2018. In dem Jahr gewinnen im nationalen Sektor den Flug von Chateauroux bei den alten Tauben mit unserem Spitzenvogel Gebroken Poot.

Außerdem gewinnen wir im nationalen Sektor den Jungtierflug von Melun mit der Spitzentäubin Nettie und belegen sogar den 1. bis 5. Platz gegen gut 8.000 Tauben.

2018 war ein extrem gutes Jahr mit 11 Preisen unter den ersten 10 im Sektor (Afdeling 7, 8, 9)

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt, und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein?
Unser Fokus liegt vor allem auf der Eintagesweitstrecke und auf den Jungtierflügen und da wollen wir echt an die Spitze.

Wenn es uns gelingt, einen NPO-Flug zu gewinnen oder mehrere Tauben unter den ersten 10 zu drehen, dann sind wir zufrieden.

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?
Ich denke, dass Team Snellen aus Den Bosch in diesem Jahr noch stärker sein wird, als sie es vorher schon waren.

Diese Züchter tun alles dafür, um das Beste aus ihren Tauben herauszuholen und haben mit Diny, der 3. Olympia-Taube Allround der Niederlande in der Saison 2019-2020 ein Wunder auf Flügeln auf ihrem Reiseschlag. Sie profitieren auch von dem von uns gezogenen Spitzenpaar Pros x Lady Harry.

Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenzuchterverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport verändern?
Ich würde in den Niederlanden gern 8 Wochen hintereinander einen semi-nationalen Flug auf der Eintagesweitstrecke auf dem Programm haben und dann unterteilt auf Nordniederlande (Entfernung ungefähr wie Orléans) und Südniederlande (Entfernung Chateauroux).

Das beugt massenhaftem Einkorben vor, etwas, wogegen viele Züchter sind, denn wir können die Tauben nun einmal nicht jede Woche 600 km fliegen lassen, und ganz bestimmt nicht in einer schweren Reisesaison. Für die Meisterschaften könnte man dann zum Beispiel sagen, dass die 5 besten Flüge zählen.

Auch bei den Jungtauben hätte ich gern ein paar Flüge mehr mit einer größeren Entfernung auf dem Programm.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du je auf dem eigenen Schlag gemacht hast?
Unser größter Fehler war, zu spät in gute neue Tauben investiert zu haben. Wir sind zu lange bei eienr einzigen Sorte geblieben.

Es gibt den Slogan ‘Taubensport - Familiensport’. Wie denken deine Frau und deine Familie darüber?
Meine Frau Janne gönnt mir alle Zeit, die ich nötig habe, um die Tauben optimal zu versorgen, und ich bin ihr sehr dankbar dafür.

Zusammen mit meinem Vater und Erik van der Laak (unser Schlagpfleger) bilden wir auch ein Team, und das macht alles auch etwas einfacher.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?
Am allerwichtigsten im Taubensport ist es, an gute Tauben zu gelangen. Man muss also lernen, die Preislisten richtig zu lesen.

Es ist wirklich nicht so, dass die teuersten Tauben die besten sind.

Informiere dich auch bei einem guten Züchter aus der Nachbarschaft über Schlaganlagen. Und ansonsten natürlich viel Einsatzbereitschaft.

Davy Tournelle (Rummen, BE)

Die Familie Tournelle ist eine echte Familie von Taubenzüchtern, und das seit vielen Generationen. Davy ist der jüngste Spross. Zusammen mit seinem Vater Patrick versorgt er jeden Tag den berühmten Schlag in Rummen.

Patrick & Ann mit Sohn Davy Tournelle

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?
Ich habe von vielen Menschen etwas gelernt. Ich versuche immer, Menschen, die im Taubensport schon viel erreicht haben, gut zuzuhören. Wenn wir einen Schlagbesuch machen, schaue ich mich immer gut um, denn manchmal sind es kleine Dinge, die einen großen Unterschied machen. Ganz allgemein ist mein Vater meine starke helfende Hand. Er hat mir viel beigebracht und sagt jetzt auch noch oft, ich sollte etwas so oder so machen.

Seit dem vergangenen Jahr hat Jelle Roziers mir die Kniffe des Jungtaubenspiels näher gebracht, und wir haben tatsächlich den Unterschied gesehen. Dafür nochmals meinen Dank, Jelle.

Welcher Moment oder welche Leistung aus deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit  Stolz?
Mit der vergangenen Saison sind wir sehr zufrieden und auch stolz darauf. Das Ergebnis von Tulle kam für uns völlig überraschend.

Auch Tiesto’s Lady hat uns ehrlich gesagt im vergangenen Jahr mehrmals Gänsehaut verschafft. Wir sind nach ihrem Nationalsieg das Risiko eingegangen und haben sie noch weiter gespielt, und tatsächlich erobert sie noch den Titel 3. nat. Ass-Taube KBDB auf der Großen Mittelstrecke.

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein? 
Wir hoffen, dass wir eine Saison mit guten Wetterverhältnissen bekommen. Bei guten Wetterverhältnissen werden sich die guten Tauben schon zeigen. Aber der Wind wird die Sieger von 2021 bestimmen. Ansonsten werden wir versuchen, die Latte jedes Mal so hoch wie möglich zu legen.

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung des Jahres 2021?
Darauf kann ich nicht ohne Weiteres antworten.

Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenzüchterverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport verändern?
Ich möchte das nicht machen! Der Druck, den die Leute vom KBDB manchmal ertragen müssen, ist auch nicht zu unterschätzen. Des Weiteren würde ich dafür eintreten, dass jedes Jahr dasselbe nationale Reiseprogramm aufgestellt wird und jede Woche ein Nationalflug stattfindet. Jedem steht es frei, daran teilzunehmen. Für 2021 werden in den Wochen, in denen kein Nationalflug geplant ist, provinziale oder interprovinziale Flüge organsiert, und dann fliegen diese Tauben auf einem provinzialen Flug auch von 500 km.

Die Kriterien, die für die nationalen Meisterschaften gelten, sollten auch für alle Provinzen gelten. Im vergangenen Jahr durften manche Provinzen für die Allround-Ass-Tauben Flüge der Großen Mittelstrecke angeben und andere Provinzen nicht.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast?
Eigentlich gibt es in dieser Hinsicht 2 Dinge, die mit immer in Erinnerung geblieben sind:

Das Verändern meines festen Systems. Unsere Tauben trainieren und fressen jeden Tag zur selben Zeit. Einfach, damit sie einen festen Rhythmus haben. Das ist sowohl für Mensch als auch Tier einfach.

Und Zweitens, dass ich die Jungtauben nicht gegen Pocken geimpft habe.

Es gibt den Slogan ‘Taubensport - Familiensport’. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport?
Taubensport - Familiensport, das trifft hier eigentlich zu. Ich bin in einer Familie von Taubenzüchtern aufgewachsen. Ich bin die 4. Generation hintereinander, die mit Tauben spielt. Wie ich oben schon bemerkte, spiele ich unter meinem Namen, aber ohne die umfangreiche Hilfe von meinem Vater geht das nicht. Wenn man weiß, dass wir in der Hochsaison 12 bis 14 Stunden am Tag damit beschäftigt sind. Wir können beide auch sagen, dass wir sehr gute Frauen haben, denn jede Sekunde, die wir den Tauben widmen, wird uns gegönnt. Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eien starke Frau.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?
Halte nicht mehr Tauben, als du selbst bewältigen kannst. Selektiere streng auf natürliche Gesundheit. Der Korb ist der beste Lehrmeister. Glaube an dich selbst und an deine Tauben.