PIPA's Frühjahrsbefragung 2021 (Teil 1)

Bei PIPA hatte man die Idee, mehreren erfolgreichen Taubenzüchtern im Hinblick auf die kommende Reisesaison 2021 eine Reihe von Standardfragen zu stellen.

Wir legten mehreren Spitzenzüchtern aus Belgien und den Niederlanden, zu denen PIPA engere Beziehungen hat, acht (Frühjahrs-)Fragen vor. Dabei ging es unter anderem um die kommende Saison, wie sie ihren Taubensport erleben, welche Fehler sie gemacht haben und um Tipps.

Heute beginnen wir mit Teil 1. Zu Wort kommen Jos Cools, Tom Van Gaver, Maarten Huijsmans und John Debaene. Eine Mischung von Jugend und Erfahrung, Kurzstrecke, Mittelstrecke und Weitstrecke.

Dies sind die 8 Fragen, die wir jedem von ihnen vorlegten:

  1. Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?
  2. Welcher Moment oder welche Leistung in deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit Stolz ?
  3. Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein? 
  4. Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?
  5. Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenverband das Sagen, was würdest am heutigen Taubensport verändern?
  6. Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast?
  7. Es gibt den Slogan 'Taubensport-Familiensport'. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport?
  8. Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?

Jos Cools (Grobbendonk, BE)

Der sympathische Jos Cools ist ein echter Kurzstreckenfanatiker. Für ihn gibt es nichts anderes als diese Kategorie, und er spielt dabei noch immer mit Erfolg auf seine ganz besondere Art und Weise. Die Antworten von Jos auf die Frühjahrsfragen legen dann auch ganz auf der Linie, wie wir es von ihm erwarten haben.

Jos Cools

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?

Eigentlich hatte ich keinen Mentor, ich habe viel gelesen und habe mich auch hier und da umgesehen.

Welcher Moment oder welche Leistung aus deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich mit größtem Stolz?
Für mich ist das, als ich 2015 nationaler Meister mit Jungtauben auf der Kurzstrecke wurde.

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit würdest du nach der Saison 2021 zufrieden sein?
In erster Linie möchte ich gesund bleiben und mein heutiges Niveau behalten. Noch einmal auf dem nationalen Podium zu stehen, wäre natürlich die Kirsche auf der Torte.

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?
Ich finde, dass es schwierig ist, das vorherzusagen. Meistens ist es eine Überraschung.

Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport verändern?
Ich spiele auf der Kurzstrecke und hätte am liebsten an jedem Wochenende nur einen Flug. Man könnte zum Beispiel mit Quiévrain beginnen, nach einigen Flügen dann auf Noyon gehen und am Ende wieder nur von Quiévrain spielen. So kommen bei kleinen Fluggemeinschaften auch mehr Tauben zusammen, bei einer größeren Entfernung spielt die Lage weniger eine Rolle. Jeden Mittwoch könnte man für die, die das möchten, noch irgendwo einen Quiévrain-Flug organisieren. (So könnte es in der Provinz Antwerpen sein.)

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf deinem eigenen Schlag gemacht hast?
Ich hatte einmal einen Vogel, der immer früh nach Hause kam, aber dann um den Schlag flog und schlecht reinging. Auf den Rat eines Spitzenzüchters (?) machte ich ihn weg. Im Jahr darauf machte ein Bruder von ihm dasselbe. Ich ließ ihn gewähren, und als Jähriger ging dann doch gut rein und wurde ein sehr Guter. Wahrscheinlich habe ich damals einen Guten eliminiert...

Es gibt den Slogan 'Taubensport - Familiensport'. Wie denken deine Partnerin oder über den Taubensport?
Sie nehmen Anteil und unterstützen mich, aber ansonsten ist es mein Hobby.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?
Geh zu zwei gut reisenden Züchtern aus der Nachbarschaft, zu denen du Vertrauen hast und hol dir dort Jungtauben. Spiele mit ihnen und selektiere streng. Diejenigen, die du behalten hast, kannst du kreuzen. Gib am Anfang nicht zu viel Geld aus, denn dann ist es oft zu schwer, sie wegzumachen. Und halte nicht zu viele Tauben.

Tom Van Gaver (Moorslede, BE)

Der ehrgeizige junge Wolf Tom Van Gaver bestürmte in den vergangenen Jahren die nationale Spitze auf der Großen Mittelstrecke und der Weitstrecke. Er wurde zum Trendsetter, als er seine Tauben, Weibchen und Männchen, jede Woche einsetzte und Erfolg damit hatte. Mit Hilfe von Vater Marnik legt er die Latte immer wieder höher. Auch in seinen Antworten erkennt man die allgemeine Anschauungsweise, die Tom bei seinen Erfolgen im Taubensport antreibt.

Marnik & Tom Van Gaver

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?

Ich bin durch meinen Vater, der in den 80er und 90er Jahren ein guter Taubenzüchter war, zwischen Tauben aufgewachsen. Von meinem Vater lernte ich die Grundregeln des Taubensportes. Allmählich habe ich dann selbst die Zügel in die Hand genommen, und inzwischen betreibe ich den Taubensport hauptsächlich selbständig. Allerdings kann ich mich immer auf meinen Vater verlassen, der die Tauben versorgt, wenn wir außerhalb der Saison auf Reisen gehen oder wenn ich wegen meines Berufes verhindert bin. Die Schlaganlage ist so eingerichtet, dass nach der Saison alle Tauben in die Volieren können, sodass die Arbeit minimalisiert ist und wir nur Futter und Wasser geben müssen. Im vergangenen Winter haben wir noch in neue Volieren vor den Witwerschlägen investiert, sodass auch die Witwer in die Volieren ausgesperrt werden können.

Die neuen Volieren vor den Witwerschlägen von Tom Van Gaver.

Mein Vater bringt die Tauben auch immer zum Training weg, sodass ich stets zu Hause bin, wenn die Tauben von ihrem wöchentlichen Trainingsflug zurückkehren. Auch für die Abgabe der Uhren kann ich mich auf ihn verlassen, und er übernimmt auch einen großen Teil der häuslichen Aufgaben, sodass ich mich voll und ganz den Tauben widmen kann. Denn man muss heutzutage alles dafür tun, wenn man an der Spitze sein will. Genau wie ein Radrennfahrer, der alles, was möglich ist, machen muss, um im Moment der Wahrheit voll da zu sein. Vorläufig muss ich den Taubensport noch mit meinem derzeitigen Job (Buchhalter und Geschäftsführer einer großen Polizeidienststelle) vereinbaren, obwohl es manchmal schon schwierig ist, allem gerecht zu werden. Darum ist die gesamte Schlaganlage so angepasst, dass man schnell und hygienisch arbeiten kann, obwohl ich zugeben muss, dass die neue Art im Homeoffice zu arbeiten, ein Geschenk des Himmels für mich ist.

Des Weiteren habe ich viel aus eigener Initiative gelernt, weil ich immer die Grenzen verschoben habe. So war ich vielleicht der erste Züchter, der seine Männchen jede Woche auf der Großen Mittelstrecke gespielt hat, obwohl mich jeder zu der Zeit für verrückt erklärte. Aber mein Vorgehen hat sich gelohnt, und viele Züchter machten es dann auch so. Nach einigen Jahren klappte das so gut, dass ich dasselbe auch bei den Weitstreckenflügen versuchte, und das ebenfalls mit Erfolg. So ist das jetzt sogar eine Art Kennzeichen für mich geworden. Traditionen sind dafür da, um durchbrochen zu werden, und eine Taube in Topform kann mehr, als wir alle denken. Es ist vor allem eine Sache von konsequenter und strenger Selektion auf natürliche Gesundheit, wobei dann Rhythmus und Routine die Basis für den Erfolg sind. Im Laufe der Jahre kam ich mit vielen Spitzenzüchtern in Kontakt, und man kann bei jedem Schlagbesuch etwas lernen. In Bezug auf Auslese und Paarungen habe ich eine sehr gute Verbindung mit Bart Geerinckx. Wir haben ungefähr die gleichen Ansichten darüber, wie eine Taube aussehen muss, und wir helfen einander mit Rat und Tat, wenn es nötig ist. 

Welcher Moment oder welche Leistung aus deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich mit dem größten Stolz?

Es gab bis jetzt etliche schöne Momente in meiner Laufbahn als Taubenzüchter. Auch 2020 gab es wieder einige sowohl auf dem eigenen Schlag als auch auf dem Schlag von Sportfreunden, die Spitzenergebnisse mit Tauben von mir verzeichnen konnten. Die schönsten Momente waren oft, wenn für eine Platzierung unter den nationalen Ass-Tauben nur noch ein Spitzenpreis fehlte... Wenn dann genau diese Taube beim letzten Flug sehr früh auf dem Einflug landet, bekommt man einen enormen Kick. Auch ein Nationalsieg sorgt natürlich für Euphorie. So lief es allen, die am Tag von Brive hier anwesend waren, kalt über den Rücken, als Tetske hier plötzlich wie ein Stein vom Himmel fiel und den Nationalsieg mitbrachte und zugleich die schnellste Taube von Brive war und so die Übermacht des Vandenheede-Schnellzuges überholt hatte. 99,99% der Züchter hätten diese Spitzentäubin nicht mehr gespielt, nachdem sie als Jungtier 2 provinziale Siege gewonnen hatte. Aber wenn ich denke, dass ich mit einer bestimmten Taube noch etwas Besonderes erreichen kann, versuche ich es. Manchmal stellt sich dann heraus, dass das nicht die richtige Entscheidung war aber sehr oft doch, und es sind genau diese Leistungen, die für Euphorie sorgen. So sieht die Reisemannschaft für die kommende Saison wieder stark aus mit nicht weniger als 8 nationalen Ass-Tauben, die wieder an den Preisflügen teilnehmen dürfen.

Der schönste Moment war vielleicht der letzte Nationalflug der Saison von Chateauroux. Als ich im Auto saß und auf dem Weg zu Philip war, um seine 1. nationale Ass-Taube zu feiern, wurde mir klar, dass dies ein ganz besonderer Tag in meiner Taubenlaufbahn war. Mein Freund, der mit einem Enkelkind von meinem Stammvogel Finn den wichtigsten Titel der Saison 2020 erobert hatte, und ich, der ich mir auf dem letzten Flug noch die 5. nationale Ass-Taube sichern konnte, und zwar mit einem gewaltigen Schlussergebnis (1. provinzial und 1. in der Zone bei Gegenwind) und das mit einer Taube, die mein Schwager gezogen hatte. Mein Wahlspruch lautet “gute Freunde schaffen gute Tauben” und an diesem Tag stimmte eigentlich alles und das auf dem letzten Nationalflug des Jahres.

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt, und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein? 

Ich werde wieder so gut wie möglich mein Bestes tun und versuchen, wieder einen Schritt weiter nach vorn zu setzen. Ich habe im Wettbewerb um die nationale Ass-Taube bereits gute Podiums- und Ehrenplätze belegt. Nur der 1. Platz fehlt noch in meiner Ehrenliste.

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung der Saison 2021?

Das ist sehr schwer zu sagen. Es gibt viele Kandidaten. Ich hoffe mein Schwager Davy Neirynck, ein junger motivierter Züchter, der jedes Jahr einen Schritt voran kommt und dem ich den Durchbruch zum nationalen Spitzensport 2021 zutraue.

Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport verändern?

Der KBDB macht gute Arbeit und ist im Vergleich zu früher auch transparent genug. Es wäre vielleicht eine gute Idee, wenn ein unabhängiger Manager beim KBDB eintreten würde. Jemand, der nichts mit dem Taubensport zu tun haben müsste und der vielleicht einen anderen Blick auf die Organisation des modernen Taubensports hat als wir Taubenzüchter.

Außerdem müssten vielleicht auch einmal bestimmte Paragraphen aus den Statuten überdacht werden, sodass auch professionelle Taubenzüchter oder beruflich am Taubensport Interessierte (Tierärzte, Makler, Futtermittel- und Bedarfsartikelhersteller usw.) für bestimmte Posten beim KBDB kandidieren könnten.

Eigentlich müsste der KBDB eine große Arbeitsgruppe aus Hobbyisten, Profis und einigen Nicht-Taubenzüchtern sein. Auf dieser Ebene sind durch Corona einige gute Arbeitsgruppen entstanden, die hervorragende Arbeit geleistet haben, damit wir im vorigen Jahr wieder spielen konnten. Dasselbe passierte kürzlich bei der Aufstellung der neuen europäischen Quarantäneregeln und der Geflügelpest. Dafür möchte ich allen Leuten danken, die geholfen haben, das zu realisieren.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast?

Ich habe einmal meine besten Weitstreckenflieger eine Woche nach einem guten Ergebnis von Brive am Mittwoch wieder für Montauban eingekorbt. Es wurde ein echter Verkrachter, bei dem am Auflasstag in unserer Einsatzstelle nur eine Taube zu Hause war. Letztendlich hatte ich die Hälfte meiner Tauben verloren, und die, die Wochen später noch zurückkamen, konnten nicht mehr gespielt werden. Wenn man jede Woche auf der Weitstrecke spielt, muss man alles gut beobachten wie das Wetter, die Entfernung und die Verfassung der Tauben. Ein Montauban-Flug ist wiederum auch kein Limoges-Flug. Indem man ab und zu gegen die Wand läuft, kann man viel dazulernen, obwohl ich das natürlich so viel wie möglich zu vermeiden suche. Es ist jedenfalls so, dass man umso besser spielt, je weniger Fehler man macht.

Es gibt den Slogan ‘Taubensport - Familiensport’. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport?

Jeder aus meiner Umgebung weiß, dass eigentlich so gut wie alles andere hinter dem Taubensport zurückstehen muss. So versuche ich, das richtige Gleichgewicht zwischen meinem Beruf und den Tauben zu finden, wobei ich im Beruf im Winter, wenn es bei den Tauben ruhiger zugeht, mehr Druck habe und umgekehrt. Auf diese Art kann ich beide Bereiche vorläufig noch gut kombinieren, obwohl neben Tauben und Beruf nur wenig Zeit für andere Aktivitäten bleibt.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport mitgeben?

Fang auf keinen Fall an, aus kommerziellen Motiven mit Tauben zu spielen. In letzter Zeit treffe ich oft auf Leute, die mit dieser Zielsetzung mit Tauben beginnen, während das gerade das Letzte sein müsste, warum jemand mit Tauben anfängt. Die Liebe zum Tier und zum Taubenspiel muss die Triebfeder sein. Denjenigen, die mit dieser falschen Einstellung mit dem Taubensport beginnen, ist oft keine lange Taubenkarriere beschieden.

Taubensport ist ein fantastisches Hobby, aber er muss uns vor allem Freude machen, obwohl auch natürlich jeder gern gewinnen will. Im Taubensport muss man auch Geduld und Ausdauer haben, obwohl ich sagen kann, dass dort, wo ein Wille auch ein Weg ist, und dass das, was gut ist, sich mit dem Reisekorb als bestem Klassifizierer schnell zeigt. Anfänger können oft schnell zu Erfolg kommen, wenn sie Kontakt zu einem guten, erfahrenen Züchter haben. Ich selbst versuche immer, im Rahmen meiner Möglichkeiten Anfänger mit der richtigen Einstellung so weit wie möglich zu unterstützen. Ich gebe oft den Rat, um an gute Tauben zu kommen, sollte man bei einem gut reisenden Züchter unmittelbar vor oder nach der Saison Eier aus den Reisetauben zu holen.

Maarten Huijsmans (Hoogerheide, NL)

Ein weiterer junger und überaus erfolgreicher Züchter ist Maarten Huijsmans. Auf der Mittelstrecke stürmte er innerhalb kürzester Zeit an die Spitze des niederländischen Taubensports. Hier sind seine Antworten auf unsere 8 Fragen.

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor?

Ludo Claessens 

Welcher Moment oder welche Leistung in deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllte dich am meisten mit Stolz?

Ich war 2 x 1. Nationaler Meister auf der Mittelstrecke, und zwar 2016 und 2019. Auch die Serie: 2015: 2. Nationaler Meister auf der Kurzstrecke; 2016: 1. Nationaler Meister auf der Mittelstrecke; 2017: 2. Nationaler Meister auf der Mittelstrecke; 2018: 3. Nationaler Meister auf der Mittelstrecke; 2019: 1. Nationaler Meister auf der Mittelstrecke. Noch nie zuvor in der Geschichte des Taubensportes hat es das gegeben. 5 Jahre hintereinander ein Platz unter den ersten drei nationalen Meistern. Und das alles in einem Alter von unter 30 Jahren gegen Züchter, die schon viele Jahre in unserem Sport aktiv sind.

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein? 

Zu allem anderen noch eine nationale Ass-Taube zu haben...

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung des Jahres 2021?

Stef Bals, ein guter Freund mit super Tauben. 

Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport verändern?

Sehr viel, aber eher Kleinigkeiten. Zum Beispiel würde ich an den Kabis Reklame anbringen. Diese Transporter fahren während der Saison doch durch die ganzen Niederlande und Belgien. Mit den Einnahmen für die Reklame könnten dann schöne Preise ausgeflogen werden, ohne dass die Züchter etwas  dafür einzahlen müssten.

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast?

Ich habe einen Koudijs-Rauchwürfel nicht in eine Schale gelegt sondern auf einen Tränkenhocker aus Holz, worauf ein Teil des Schlages in Brand geriet. Glück im Unglück war, dass die meisten Tauben unterwegs zu einem Auflass waren.

Es gibt einen Slogan ‘Taubensport-Familiensport’. Wie denken deine Partnerin oder deine Familie über den Taubensport?

Die interessieren sich alle sehr dafür. So habe ich meine Olympia-Taube nach meinem viel zu früh verstorbenen Bruder Olympic Roel genannt. Den Namen meines verstorbenen Opas trägt meine 4. nationale Ass-Taube und Superzuchtvogel Super Cees! Nach meiner Schwägerin wurde der provinziale Sieger gegen gut 10.000 Tauben Golden Iris genannt. Und noch viel mehr. Alle fiebern mit mir mit und helfen, wo sie können. Ich genieße es, wenn ich hinten im Garten zusammen mit Freunden und Verwandten die Tauben beobachten kann.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport mitgeben?

Versucht, bei einem lokalen Champion ein paar Eier aus der 3. oder 4. Runde zu bekommen. Spielt damit. Behaltet die Besten und spielt sie im folgenden Jahr. Züchtet aus bewährten Tauben. Und vielleicht das Wichtigste: Sorgt dafür, dass sich die Tauben auf ihrem Schlag wohlfühlen. Macht den Schlag mit etwas Stroh gemütlich.

John Debaene (Knesselare, BE)

Als Sohn von Hubert Debaene war John schon von klein auf vom Taubensport fasziniert. Im Gegensatz zum Vater träumte er jedoch sofort von der Großen Weitstrecke. Es dauerte jedoch eine Weile, bevor den Taubensport selbständig ausüben konnte, aber nachdem er in Knesselare gebaut hatte, zog er sofort voll durch. Mit wirklich unvorstellbarer Geschwindigkeit bestürmt er seit 2016 die (inter)nationale Spitze auf der Großen Weitstrecke.

John Debaene nach dem Gewinn des 1. Internat. Perpignan

Von wem hast du das meiste über den Taubensport gelernt? Wer war dein Mentor? 

Noel Peiren aus Zedelgem mit seinem unerschütterlichen Glauben an gute und gesunde Tauben anstatt abergläubisch an Nebensachen und Beiprodukte zu glauben. Auch seine nie nachlassende Suche nach allerbestem Kreuzungsmaterial, um in Zukunft noch besser zu werden.
Seine Bewunderung für die Athleten der Großen Weitstrecke und seine Vergleiche mit den Spitzenfliegern der großen Klassiker von mehr als 250 km.
Sein ständiges gespanntes Warten auf die Ergebnisse der Zucht, die Erwartung, die Hoffnung und schließlich die Auslese.

‘Eine Sucht’ wie Noël das nennt, allerdings eine gesunde.

Welcher Moment oder welche Leistung in deiner Laufbahn als Taubenzüchter erfüllt dich am meisten mit Stolz?

Ich habe 2016 mit Tauben angefangen, und 2019 während meiner zweiten Saison auf der Großen Weitstrecke gewinne ich den 1. International Perpignan und 2. National Agen. Es bereitet mir auch Genugtuung, dass ich die internationale Siegerin und ihre Eltern noch jeden Tag in die Hand nehmen kann.

Welche Ziele hast du dir für 2021 gesetzt und womit wirst du nach der Saison 2021 zufrieden sein?

Platzierung(en) unter den ersten 10 national auf den Klassikern der Großen Weitstrecke. Die Chance, dass ich zufrieden sein werde, ist also sehr gering. Das heißt aber nicht, dass ich unglücklich oder ungenießbar sein werde, wenn ich diese Ziele nicht erreiche.

Wer wird deiner Meinung nach die Entdeckung des Jahres 2021?

Bastogne-Henry aus Corroy Le Chateau in Bezug auf die Große Weitstrecke. Aber das kann genauso gut 2022 werden statt 2021.

Angenommen, du hättest morgen plötzlich beim nationalen Taubenverband das Sagen, was würdest du am heutigen Taubensport ändern?

Ich würde dafür sorgen, dass die vielen ‘Freiwilligen’ in den Vereinigungen mehr wertgeschätzt würden, sodass sie bessere Vergütungen bekämen. Hut ab vor allen diesen Menschen, die es uns eine ganze Saison lang ermöglichen, unser Hobby zu betreiben!

Welches ist der größte Fehler oder Schnitzer, den du jemals auf dem eigenen Schlag gemacht hast?

Die schönste Täubin, die ich jemals hatte, wurde 2018 vom Sperber geschlagen. Sie war auf einem leer stehenden Schlag mit einem Peiren-Vogel gepaart worden, um zwei Runden Junge zu ziehen. Danach gab ich ihr zum ersten Mal wieder Freiflug zusammen mit einer Gruppe von Weibchen, die während des ganzen Winters alle zwei Tage draußen geflogen hatten und also eine perfekte Basiskondition hatten. Die Folge ist nicht schwer zu erraten: Sie wurde direkt aus dem Schwarm vom Sperber geschlagen.

Meine beiden ersten Tauben von Aurillac 2020 sind 2 von den einzigen 4 Jungen, die ich daraus gezogen habe. Ich gehe davon aus, dass ich das 2021 oder 2022 noch mehr bedauern werde.

Es gibt den Slogan ‘Taubensport-Familiensport’. Wie denken deine Partnerin und deine Familie über den Taubensport?

Meine Frau und meine Kinder helfen mir bei kleinen Dingen, wie Tauben zum Training rauslassen und wieder hereinholen .

Ohne Hilfe müsste ich meinen Ehrgeiz zügeln oder versuchen, mich auf maximal 1 oder 2  Flügen zu konzentrieren. Sie machen das nur, um mir zu helfen und nicht, weil sie großes Interesse für den Taubensport haben. Ich darf das also niemals für selbstverständlich halten.

Welchen grundsätzlichen Rat möchtest du Anfängern im Taubensport geben?

Man kann zu jeder Zeit im Jahr und auf jedem Niveau Freude am Taubensport erleben. 

Tauben anpaaren, die Jungen aufwachsen sehen, ihre ersten Runden um den Schlag beobachten, die ersten Trainingsflüge, die ersten Preisflüge, die erste Heimkehr usw.

Tauben in die Hand nehmen, zahm machen, mit Kollegen über Tauben fachsimpeln usw.

Wenn einem das keine Freude macht, sollte man besser beim Fußball zuschauen, als mit Tauben zu spielen.