Klemens Iking (Vreden, DE) gewann den 1. National Barcelona 2015

Die Bedingungen für Deutschlands Taubenzüchter waren mehr als schwer. Begünstigt waren ganz einfach die, die weit im Westen lagen und kürzere Schlagvermessungen hatten. Und doch gab es Ausnahmen. Am Samstag um 15.21.20 Uhr konstatierte Klemens Iking in Vreden seinen Nationalsieger auf einer Entfernung von 1.233,45 km. 803,37 m/min flog der Bursche noch, eine tolle Leistung bei diesen Extremtemperaturen.


Klemens Iking, der deutsche Nationalsieger von Barcelona 2015

Ein knallharter Flug!

Dieser Barcelona-Flug war hart, er war sogar sehr hart. Barcelona ist nun einmal der große Klassiker des Taubensports. In diesem Jahr waren die Wetterverhältnisse für den Barcelona-Flug besonders extrem. Es war tropisch heiß in Frankreich mit Temperaturen von mehr als 35° C mit Spitzenwerten bis zu 38° C. Ob solche Temperaturen von unseren Tauben ohne Probleme zu bewältigen sind, mag dahingestellt sein.

Als positiv kann der Wind angesehen werden, denn er wehte über den größten Teil der Strecke aus Südost bis Süd, aber dafür führte dieser Wind extrem heiße Luft mit sich. Am Auflassort in Frankreich herrschte leichter Wind aus Nordost bei 25° C.

Am 3. Juli 2015 um 7.40 Uhr wurden in Barcelona bei blauem Himmel und guter Sicht insgesamt 19.083 Tauben aufgelassen. Aus Belgien kamen 7.835, aus den Niederlanden 5.182, aus Frankreich 3.134, aus Deutschland 1.295, aus Polen 1.276, aus England 331 und aus Luxemburg 30 Tauben. Um 20.57.05 Uhr meldeten Vater und Sohn Cuffel aus Montivilliers die erste Taube auf einer Entfernung von 917,056 km. Diese Tauben erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 1.150,51 m/min. Die Ankunft dieser ersten Taube berechtigte zu den allergrößten Hoffnungen, dass der Flug normal verlaufen würde. Anzumerken ist noch, dass Montivilliers bei Le Havre liegt, also westlich von der direkten Flugstrecke. So ist es kein Wunder, dass bei den nordöstlichen Winden hier die erste Taube landete.

Am Freitag kamen keine weiteren Tauben

Auf PIPA habe ich dann immer wieder das Radar angeklickt, um zu sehen, wann und wo die nächsten Tauben fallen würden. Aber am Freitagabend kam keine einzige Taube mehr. Erst am Samstagmorgen folgten weitere Tauben. Fast alle im Nordwesten von Frankreich. Und schließlich kam um kurz nach 8 Uhr die erste belgische Taube. Aber die Geschwindigkeit aller dieser Tauben lag unter 1.000 m/min, war also nicht zu vergleichen mit der Geschwindigkeit der Taube vom Vortag. Ganz allgemein kamen die Tauben aufgrund der Hitze sehr schleppend, sodass der Flug am Samstagabend wahrscheinlich noch nicht geschlossen werden konnte.

Machen wir es kurz: Internationaler Sieger wurden Vater und Sohn Cuffel mit ihrer Taube, die 1.150,51 m/min flog. Nationaler Sieger von Belgien wurde Noel Peiren aus Zedelgem. Seine Taube wurde am Samstag um 8.05.34 Uhr auf einer Entfernung von 1.082,98 km konstatiert und erreichte eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 984,91 m/min. Das war gleichzeitig der 2. Preis international. In den Niederlanden siegte Kees Droog aus Andijk. Seine Taube erreichte am Samstag um 11.28.59 den heimatlichen Schlag auf einer Entfernung von 1.281,32 km. Sie hatte eine durchschnittliche Fluggeschwindigkeit von 983,37 m/min erzielt. Das war zugleich der 3. Preis international. Alle Tauben, auch die folgenden, wurde weit im Westen konstatiert. Züchter, die im Osten ihren Schlag haben, gingen bei der Vergabe der Spitzenpreise leer aus.


Berni, der 1. national von Barcelona 2015 in Deutschland

Deutscher Nationalsieg für Klemens Iking aus Vreden

Wie schon erwähnt, waren die Schläge, die im Westen lagen, aufgrund des herrschenden Windes begünstigt, sodass Deutschlands Taubenzüchter nicht mit frühen Tauben rechnen konnten. Aber natürlich gibt es auch einen deutschen Nationalsieger, und das ist Klemens Iking aus Vreden. Er konstatierte seine erste Taube am Samstag um 15.21.20 Uhr auf einer Entfernung von 1.233,45 km. 803,37 m/min flog der Bursche noch. Eine tolle Leistung bei diesen Extremtemperaturen.

Den 2. Preis national machte die Schlaggemeinschaft K-H. & K.J. Plum aus Frelenburg. Sie konstatierten um 13.20.38 Uhr auf einer Entfernung von 1.101,552 km. Dritter in der Nationalliste wurde Burghard Heller aus Eschweiler. Er konstatierte um 14.00.00 Uhr auf einer Entfernung von 1.092,112 km.

Doch bleiben wir bei unserem Nationalsieger Klemens Iking aus Vreden. Zuerst einmal eine kleine Ortsbestimmung. Vreden liegt im westlichen Münsterland im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen. Ganze 22.500 Einwohner zählt diese Stadt und ist also sehr überschaubar.  

Auf einer Entfernung von 1.233,45 km erringt also Klemens Iking mit dem vierjährigen Vogel 02745-11-428, genannt Berni, den Nationalsieg. Eine stolze Leistung. Eigentlich ist es unglaublich. was dieser Vogel geleistet hat.

 

Wer ist nun dieser Klemens Iking?

Umfangreiche Informationen waren über ihn nicht zu finden. Schließlich stellte sich heraus, dass er ein Züchter mit sehr kleinem Bestand ist, der allerdings schon hervorragende Erfolge aufzuweisen hat. 51 Jahre ist Klemens Iking alt. Von Beruf ist  Bezirksschornsteinfegermeister. Taubenzüchter ist er von klein auf. Er hat schon zusammen mit seinem Vater mit Tauben gespielt.

In der Zeitschrift Gut Flug von der Firma Natural entdeckte ich einen Artikel, in dem über Vater und Sohn (beide heißen Klemens) Iking berichtet wurde. Damals ging es um ihre großartige Täubin 06381-94-616, die in ihrer Laufbahn 76 Preise mit 29.934 Preiskilometern geflogen hatte. 2003 wurde sie auf der Verbandausstellung in Dortmund in der Sonderklasse Alte Weibchen zweitbestes Weibchen von Deutschland.

Und dann entdeckte ich noch einen Artikel, und zwar in Folge 1 des Jahres 2014 der Zeitschrift Taubenmarkt. Da schrieb Yannick Ungerer "Klemens Iking - kleiner Taubenbestand, große Erfolge". Er berichtet da über die Erfolge von Klemens Iking im Jahr 2013:

Pau nat. (1.108 km): 29., 61., 71., 88., 109. gegen 1.033 Tb. (6 mit 11)
Barcelona nat. (1.233 km): 180., 268., 287. gegen 1.729 Tb. (3 mit 5)
St. Vincent nat. (1.109 km): 71., 179. gegen 1.029 Tb. (2 mit 4)
Marseille nat. (996 km): 57.  gegen 1.331 Tb. (1 mit 3)
Perpignan nat. (1.088 km): 98., 106. gegen 894 Tb. (2 mit 3)
Ruffec nat. (825 km): 28., 321., 463., 531. gegen 1.682 Tb. (4 mit 11)
Brive nat. (861 km): 89., 340., 415. gegen 2.062 Tb. (3 mit 7)

Das ist doch eine sehr erfolgreiche Serie für einen kleinen Schlag. Ganze 40 Tauben sitzen bei Klemens Iking  im Winter auf dem Schlag. Zuchttauben hat er nicht. Er spielt mit seinen wenigen Tauben.

Der 02745-11-428, der Nationalsieger

So einen Burschen müsste man haben. Einen Nationalsieger von solch einem schweren Barcelona-Flug mit dieser gewaltigen Vermessung von 1.233,45 km. Das ist einfach Klasse. Und es ist nicht der erste Streich des 428. Schon im Jahr 2014 gewann er den 49. national von St. Vincent (1.109 km) und den 57. regional von Perpignan. Der 428 hat als Vater den 02745-10-17, der väterlicherseits aus einem Enkel des Bordeaux von Menne und Töchtern stammt und mütterlicherseits aus einer Vollgeschwisterpaarung Abstammung Iking/Volmer. Die Mutter des 428 ist die 02745-10-26, genannt Hanna, und die stammt wiederum aus dem 03337-08-48, einem Vogel der Abstammung Oswald Schneider. Dieser Vogel ist unter anderem der Vater des 02745-09-447, der fünf Mal von Barcelona Preis geflogen hat. Mutter der Hanna ist die Täubin 02745-08-78, in deren Abstammung wir die Namen Oswald Schneider und Menne und Töchter finden.


Noch einmal Bernie, der 1. national von Barcelona 2015 in Deutschland

Vier Tauben hatte Klemens Iking auf diesem Barcelona-Flug gesetzt. Die zweite Taube kam am 2. Tag um 21.34.12 und macht den 74. Preis in der nationalen Liste. Drei, bzw. vier Preise wird Klemens Iking voraussichtlich in der nationalen Liste machen.

Für einen so kleinen Schlag bestimmt ein Riesenergebnis.

Herzlichen Glückwunsch auch vom gesamten PIPA-Team, mach weiter so mit deinen wenigen Tauben.