Karl-Heinz Koers (Ormesheim, DE) gewinnt national in Deutschland den 1., 2., 3., 4., 5. und 6. von Marseille gegen 1.342 Tauben

Vor einigen Tagen berichteten wir über Karl-Heinz Koers aus Ormesheim und über seinen internationalen Sieg von St. Vincent. Jetzt siegte er erneut. Diesmal auf nationaler Ebene, aber mit welch einer Brillanz. National die ersten sechs Preise, wann hat es das schon einmal gegeben?


Karl-Heinz Koers

Insgesamt wurden auf diesem internationalen Flug von Marseille 8.831 Tauben eingesetzt. Davon waren 2.418 aus Belgien, 2.916 aus den Niederlanden, 1.956 aus Frankreich, 1.342 aus Deutschland, 103 aus Großbritannien und 96 aus Luxemburg. Im Vergleich zum Vorjahr waren das insgesamt 2.483 Tauben weniger. Es ist sehr schwer zu erklären, warum die Taubenzahl so stark gesunken ist. Spielten die sehr schweren Flüge der vergangenen Wochen eine Rolle? Oder ist Marseille nicht mehr so interessant? Auf jeden Fall hat es - und das ist Fakt - überall sehr schwere Flüge gegeben.

Marseille 2013

Marseille ist die wichtigste Hafenstadt Frankreichs und im Jahr 2013 Kulturhauptstadt Europas. Es liegt am Golf du Lion, einer Mittelmehrbucht. Marseille ist nach Paris die zweitgrößte Stadt Frankreichs und ist Frankreichs Tor zum Mittelmeer. Außerdem ist es seit sehr vielen Jahren ein berühmter Auflassort der Weitstreckenspieler.

Der Auflass der Tauben erfolgte am 19. Juli um 7.00 Uhr bei blauem Himmel und Windstille. Es herrschte also ideales Flugwetter, und doch sollte der Flug sehr schwer werden. Zwar nicht ganz so schwer wie der Marseille-Flug des vorhergehenden Jahres, als keine deutsche Taube über 1.000 m/min erreichte. Die ersten Preise international bleiben in Frankreich. Um 17.54.12 Uhr konstatiert Jacques Moriceau seinen Sieger auf 716,650 km. Er erreichte eine Geschwindigkeit von 1.095,170 m/min. Zweiter in der internationalen Konkurrenz wurde Paul Moriceau um 17.58.18 Uhr auf 718,170 km mit einer Geschwindigkeit von 1.090,947 m/min. Den 3. international gewann dann Dominique Chavantre aus Frankreich mit 1.084,373 m/min. Das also war die internationale Spitze.

Grandios: 1., 2., 3., 4., 5. und 6. Preis National

Was war mit den deutschen Tauben? Etwas später kamen auch sie, und wie sie kamen! Wann hat es das schon einmal gegeben, dass die ersten 6 Preise in einem großen Wettbewerb ein einziger Züchter gewinnt? Dieser Züchter ist der uns schon bekannte Karl-Heinz Koers. Und noch dazu sind alle 6 Jährige. Das ist einfach fantastisch und kaum zu toppen. Doch versetzen wir uns zuerst einmal in die Lage von Karl-Heinz Koers an diesem Flugtag. Die Tauben waren nicht schnell. Was muss der Mann gewartet haben, bis seine erste Taube kam. Die Ergebnisse der allerersten Tauben waren schon bekannt. Durch die Internet-Meldungen von PIPA ist man ja immer auf dem neuesten Stand. Und dann kommt um 18.04.50 Uhr der 08106-12-2, der später den Namen Marseille-Star bekommen wird, auf einer Entfernung von 682,808 km und erreicht eine Geschwindigkeit von 1.027,037 m/min. Zwölf Minuten später landet die zweite Taube, der 08106-12-62. Um 18.16.03 wird er konstatiert. Die Geschwindigkeit beträgt 1.009,997 m/min. Um 18.23.03 folgt dann Taube Nr. 3, der 08106-12-19, um 18.37 kommt Taube Nr. 4, der 08106-12-6, nur 4 Minuten später folgt Taube Nr. 5, der 08106-12-22 und dann um 18.50 Uhr Taube Nr. 6, der 08106-12-20. Das waren sie, die Plätze 1 bis 6 der nationalen Liste. Ein Riesenerfolg, der so noch nicht dagewesen ist. Um 19.28.21 Uhr kam dann noch eine weitere Taube, die den 12. Preis national macht.

Die erste und zweite Taube belegen übrigens den 12. und 18. Platz international. Insgesamt ein traumhaftes Ergebnis für Karl-Heinz Koers. Und das alles mit jährigen Tauben. Was machen wir mit unseren Jährigen falsch? Ein wenig später werde ich darauf noch zurückkommen. Zuerst interessiert natürlich die Abstammung der Tauben.


Noch einmal Enkelin Marie

Die Abstammungen der glorreichen Sechs

Bei solch einem gewaltigen Ergebnis ist natürlich die Abstammung der siegreichen Tauben hochinteressant. Ich habe sie alle vorliegen. Frau Koers, die für den ganzen ‚Schreibkram‘ ihres Taubenzüchters Karl-Heinz verantwortlich ist, hat sie mir freundlicherweise geschickt. Da ist zuerst einmal der Nationalsieger, der Vogel mit der Ringnummer 08106-12-2. Er hat als Vater den 08106-07-293, einen Sohn des Nachtflieger, 08106-03-488. Der 293 hat schon eine ganze Reihe vorzüglicher Tauben gebracht. So zum Beispiel das 1. Ass-Weibchen 2011, den 2. Nat. Tarbes 2011, den 2. Nat. Perpignan 2011 und noch viele andere hervorragende Tauben. Der Nachtflieger 488 war ein unglaublich starker Flieger und ist ganz sicher ein Zuchtvogel der Extraklasse. Er war 2007 5. nationaler Ass-Vogel, er gewann unter anderem den 22. Nat. von Bordeaux gegen 2.447 Tb. und den 40. Nat. von Perpignan gegen 2.187 Tb. Gepaart war der 488 mit der Miss Perpignan, 08102-02-327, Gewinnerin des 1. Nat. Perpignan 2007.

Der Nachtflieger ist also der Großvater väterlicherseits des 1. und 4. Nat. Marseille. Vom 3. und 6. Nat. Marseille ist er sogar der Vater, und vom 2. Nat. ist er der Großvater mütterlicherseits. So viel über einen Vogel mit gewaltiger Vererbungskraft. Kommen wir nun zur Mutter des Nationalsiegers. Es ist die 08106-06-117, ebenfalls ein exzellentes Zuchtweibchen aus Originalen von Bernd Morsnowski und Kipp & Söhne.

Der 4. national ist ein voller Bruder des Marseille-Star.

Der 3. und 6. Nat. Marseille sind also direkte Söhne des Nachtflieger, 08106-03-488. Die Mutter dieser beiden Vögel ist die Lena, 08106-10-995, und dieses Weibchen ist einfach super. Sie war 1. Ass-Weibchen 2011, sie gewann den 2. Nat. Tarbes 2011, den 2. Nat. Perpignan und noch eine Vielzahl weiterer Spitzenpreise. Und sie ist väterlicherseits eine Halbschwester des 1. National von Marseille. Ihr Vater ist nämlich der 08106-07-293, ein Sohn des 488 mit der 327. 

Der 2. Nat. von Marseille, der 08106-12-62, ist mütterlicherseits ein Enkel des 488. Der Vater des 62 ist ein Vogel von Kipp & Söhne, und zwar ein Sohn des 2. Nat. San Sebastian.

Bleibt zum Schluss noch der 5. national, der 08106-12-22. Er hat als Vater den Didi, 06793-08-923 von Bauhaus-Devers und als Mutter die 08106-02-324, eine volle Schwester der Miss Perpignan, 08106-02-327.

So viel zu den Abstammungen der glorreichen Sechs. Es ist schon sehr interessant zu verfolgen, wie hier immer wieder Leistungstauben mit Leistungstauben gepaart wurden. Wenn Karl-Heinz Koers diesen Weg weiterhin verfolgt - und warum sollte er etwas anders machen – werden wir wohl noch oft über ihn berichten müssen.  

Was machen wir mit den Jährigen falsch?

Wir haben es in diesem Jahr auf der Alttierreise gesehen. Es sind extrem viele Jährige verloren gegangen. Es gibt Züchter, die haben nur noch ein oder zwei Jährige auf dem Schlag. Und Karl-Heinz Koers spielt seine Jährigen auf St.-Vincent und gewinnt den 1. Preis International, er spielt seine Jährigen auf Marseille und gewinnt die Preise 1 bis 6 national. Das muss doch Gründe haben. Gehen die Züchter, die auf dem normalen deutschen Programm spielen, mit ihren Jährigen vielleicht falsch um? Fordern sie zu viel von ihren Jungtauben und den Jährigen, sodass sie nachher bereits ausgebrannt sind und keine Chance haben, zweijährig zu werden? Oder sind unsere ‚Autobahntauben‘ einfach nicht mehr leistungsfähig genug? Es sind viele Fragen, die uns bewegen und über die wir vielleicht einmal mit Karl-Heinz Koers sprechen sollten.

Es stehen noch einige internationale Flüge an. Wünschen wir dem sympathischen Sportfreund Koers und seiner engagierten ‚Sekretärin‘ auch weiterhin viel Erfolg.