Jeroom Morisse (Wervik, BE) gewinnt den knallharten Souillac bei den alten Tauben und hat die schnellste von insgesamt 8.912 teilnehmendenTauben

Souillac wurde ein wirklich harter Brocken mit auf der Weitstrecke zum dritten Mal hintereinander Geschwindigkeiten von weit unter 1100 m/min. Für die Tauben hieß das schwer schuften. Das waren also Bedingungen, bei denen die Klasse und die Power der Taube zum Vorschein kamen.

Die Reisesaison 2013 beginnt allmählich viele Tauben zu überfordern. Es war nicht nur das neue Programm der Nationalflüge, das sich für eine Menge Tauben als zu schwer herausstellte, sondern es kamen auch noch die Wetterverhältnisse der letzten drei Wochen hinzu, während denen der kräftige Gegenwind die Flüge zusätzlich schwer machte. Das Wochenende, an dem Belgien einen neuen König bekam, war das dritte Wochenende hintereinander, an dem die Tauben auf einem Weitstreckenflug keine 1100 m/min erreichten. Bedingungen, die dafür sorgten, dass so nach und nach eine Menge Tauben auf dem Zahnfleisch gehen und aufgeben müssen oder im schlechtesten Fall verloren gehen. Vor allem der Monat Juli scheint zu schwer zu sein, und das ganz bestimmt für die Jährigen von Libourne, Brive und Souillac, was einer Reihe von teilnehmenden Tauben nicht gut getan hat. Unter den Züchtern hörten wir bereits Stimmen in Richtung KBDB, die vorschlugen, wenn diese Flüge im nächsten Jahr doch bestehen bleiben sollten, die Reihenfolge etwas anzupassen. Das alte Programm mit Brive (Limoges?)-Souillac-Tulle im Turnus von 2 Wochen scheint für die Tauben etwas machbarer zu sein als Libourne-Souillac-Tulle. Daher kann der Vorschlag, die Termine der heutigen Flüge von Brive und Libourne im Kalender den Platz tauschen zu lassen, mit der Unterstützung von erfahrenen Weitstreckenexperten rechnen. Dann hätten die Tauben nach dem Libourne-Flug bis zum Tulle-Flug eine Erholungszeit von 3 Wochen! Das hat viel für sich. Mehr sogar, würde man dann von dem Nationalflug Brive einen Flug von Limoges machen und den Nationalflug La Souterraine ausfallen lassen, würde man perfekt den goldenen Mittelweg beschreiten, sodass das nationale Programm auch etwas entlastet wäre. Das sind selbstverständlich nur Gedanken, die bei der Nachbereitung der Saison in Erwägung gezogen werden können. Wir können hier nur die Ideen, Erfahrungen und Wünsche einiger Weitstreckenkoryphäen wiedergeben.

Jeroom Morisse gewinnt

Der nationale Weitstreckenflug von Souillac wurde also für die Tauben erneut ein knallharter Brocken und das besonders für die Jährigen. Ausgetragen unter einer sengenden Sonne über Frankreich mit Mittagstemperaturen, die sich um die 30 Grad (im Schatten) bewegten, und einem kräftigen NNO-Wind direkt von vorn wurden auf diesem Weitstreckenklassiker Geschwindigkeiten von rund 65 km/h erreicht. Sieger und zugleich schnellste Taube des gesamten Aufgebotes von 8.912 Tauben, die an diesem Souillac-Flug teilnahmen, wurde der Blauwen BE10-3167088 von Jeroom Morisse aus der westflämischen Tabakgemeinde Wervik. Jeroom konstatierte seinen siegreichen alten Vogel um 16.43’15” Uhr auf einer Entfernung von 664,187 km, woraus eine Geschwindigkeit von 1083,06 m/min errechnet wurde, was ihm den Nationalsieg bei den 5.272 alten Tauben einbrachte. 
Damit war die Sache im Hause Morisse jedoch noch nicht erledigt, denn die 20 eingesetzten Tauben folgten einander in ziemlichem Tempo, was zu folgendem Gesamtergebnis führte:

Souillac lokal  229 Alttb.:
1-2-6-16-18-19-46-49-50-55-72 (11/20)
Nat. 5.272 alte Tauben:  1-4-25 usw. (laut Prognose)

Mit 3 Tauben unter den ersten 25 national und mindestens 11 Tauben, die sich auf nationaler Ebene platzieren, wurde dieser Souillac für die Familie Morisse ein Flug zum Einrahmen. Nachdem sie auf der Weitstrecke bereits mehrere Siege auf lokaler und einige sogar auf provinzialer Ebene errungen hatten, ist dies der absolute Höhepunkt der Taubengeschichte der Familie Morisse!

Taubensport Familiensport

Der Taubensport wird bei der Familie Morisse im Familienverband ausgeübt. Jeroom gehört zur dritten Generation hintereinander, die aktiv mit Tauben spielt und das noch immer am selben Ort und auf denselben Schlägen. Es war Großvater Jerome Morisse, der den Taubenschlag 1952 baute. Seine beiden Söhne Gerard und Raymond haben später die Fackel von ihm übernommen. Nachdem Raymond viel zu früh gestorben war, übernahmen seine drei Söhne zusammen mit Onkel Gerard das Ruder auf dem Taubenschlag. Als Gerard aufgrund seines hohen Alters Anfang der 80-er Jahre mit dem Taubensport aufhörte, spielten die drei Brüder Jeroom, Maurice und Joselain zusammen weiter auf den Schlägen von Großvater Jerome. Joselain und Maurice sind diejenigen, die für das Einsetzen der Tauben und das Abgeben der Uhren verantwortlich sind und überall helfen, wenn Jeroom, der lieber zu Hause bleibt und seine Tauben versorgt, Hilfe nötig hat. Wenn er etwas Zeit übrig hat, geht Jeroom lieber zum Sportplatz und schaut zu, wenn seine Enkel Fußball spielen. Jeroom hofft im Stillen, dass einer seiner beiden Enkel oder eine seiner sieben Enkelinnen doch noch vom Taubenbazillus befallen werden, sodass eine vierte Generation Morisse den Taubensport fortsetzen kann.

Die Familie Morisse ist ein Beispiel für viele Züchter in Belgien, dass man auf einfache Art und Weise doch mit den nationalen Spitzenzüchtern von Belgien auf der Weitstrecke konkurrieren kann. Tauben benötigen keine Paläste oder anderen Luxus, um hervorragende Leistungen abzuliefern, sondern einen grundsoliden Schlag, der vor allem trocken und luftig ist. Im Laufe der Jahre wurden auf diesen Schlägen bereits eine ganze Menge 1. Preise errungen (einige bis auf provinziale Ebene). Die Schläge haben ihre uneingeschränkte Eignung bereits bewiesen, und ein bärenstarker Stamm von Weitstreckentauben sorgt für den Rest. Mit zirka 50 alten Tauben (Jährige nicht mitgerechnet) wurde in die Weitstreckensaison gestartet, darunter der aktuelle Nationalsieger von Souillac, ein Vogel, der bereits mehrere Spitzenpreise auf seiner Habenseite stehen hatte:

-Blauwen 1. Nat. Souillac BE10-3167088

2013 Souillac    Lok.     229 Tb. 1.
                 Nat.   5.272 Tb. 1.
2013 Limoges     Lok.     540 Tb. 6.
                 Zone   5.738 Tb. 77.
                 Nat.  14.271 Tb. 157.
2013 Libourne    Lok.     360 Tb. 22.
                 Zone   2.498 Tb. 122.
                 Nat.   6.658 Tb. 136.
2013 Gueret      Lok.     483 Tb. 46.
                 Zone   2.057 Tb. 271.
2013 Tours       Lok.     326 Tb. 31.
2012 Châteauroux Zone   6.920 Tb. 42.
                 Nat.  16.479 Tb. 50.
2012 Montluçon   Lok.     339 Tb. 14.
                 Zone   6.081 Tb. 528.
                 Nat.  17.865 Tb. 1958.
2012 Tulle       Nat.   6.817 Tb. 602.
2011 Ablis       Lok.     121 Tb. 2.
2011 Châteauroux Lok.     805 Tb. 26.
                 Nat.  25.263 Tb. 3533.

Ausführliche Stammbäume und andere Dinge, die dem Kommerz dienen, findet man bei der Familie Morisse nicht. Bei ihnen dreht sich der Taubensport nur um eine einzige Sache: gute Tauben, die über eine unverwüstliche natürliche Gesundheit verfügen. Die Guten fallen aus den Guten, so die Meinung von Jeroom. Sein Nationalsieger ist dafür der beste Beweise, denn auch dessen Vater war ein tüchtiger Weitstreckenflieger, wie man unschwer an der Reihe von Spitzenpreisen erkennen kann, die er bis auf nationale Ebene geflogen hat:

Vater: Blauwen BE05-3139168

2010 Tulle         Zone  2.571 Tb. 6.
                   Nat.  6.695 Tb. 10.
2010 Souillac      Zone  3.495 Tb. 88.
                   Nat.  7.045 Tb. 90.
2010 Cahors        Nat.  8.651 Tb. 117.
2010 Brive         Nat. 16.815 Tb. 633.
2011 Cahors        Lok.    409 Tb. 12.
                   Zone  2.635 Tb. 123.
                   Nat.  8.105 Tb. 484.
2006 Limoges Jähr. Zone  7.467 Tb. 167.
                  Nat.  15.504 Tb. 189.
2009 Tulle        Nat.   5.676 Tb. 381.
2011 Brive        Lok.     525 Tb. 52.  usw.

Mutter: Bleek Geschelpte BE07-3196964

Schlussfolgerung der Geschichte: Die Familie Morisse baute im Laufe der Jahre unter dem Motto "mitgeben und selektieren" einen starken Stamm von Weitstreckentauben auf. Keine Fisimatenten, immer geradeaus. Das hat ihnen sicherlich nicht zum Schaden gereicht, denn wenn gearbeitet werden muss, halten die Morisse-Tauben nur selten ihre Verabredung nicht ein. Das weiß man in Westflandern nur allzu gut, so auch Gaby Vandenabeele, der dort seinerzeit sein Superzuchtweibchen Moriska (die häufig mit dem Wittenbuik gepaart war) holte.
Mit ihrem Schlag voller bärenstarker Weitstreckenathleten rufen sie Wervik wieder in die Erinnerung der Taubenwelt zurück, ist das doch die Gemeinde, die neben dem Tabakanbau unter anderem auch durch die Superleistungen der Familie Vanhee berühmt wurde. Der Name Jeroom Morisse darf nun in einem goldenen Rahmen daneben stehen. 
Herzlichen Glückwunsch, Jeroom und Familie, genießt den Erfolg in vollen Zügen!

Einige Ergebnisse 2013

Limoges  lokal 540 Alttb.:
3-6-7-8-11-12-13-18-22-28-41-50-66-69-72-78-81 usw. (26/50)
St.Vincent lokal 228 Alttb.:
6-15-33-52-67 (5/12)
Brive  154 Jähr.:
2-3-17-27-28-36-37 (7/18)
Souillac lokal 229 Alttb.:
1-2-6-16-18-19-46-49-50-55-72 (11/20)
Nat. 5.272 Alttb.:  1-4-25 usw.

ANMERKUNG DER REDAKTION: Jerome Morisse ist später wegen eines positiven Dopingtestes von der Preisliste gestrichen worden. Deshalb ist Norbert Sierens aus Zwevegem der Nationalsieger aus Souillac bei den Alttauben.