Chris Hebberecht (Evergem, BE) gewinnt den 1. Nat. St. Vincent gegen 3.786 alte Tauben

Endlich! Das ist das Mindeste, was wir sagen können, denn ein Nationalsieg musste früher oder später Wirklichkeit werden, nachdem Chris bereits mehrmals bei einer Reihe provinzialer Siege, die er einheimste, auf nationaler Ebene auf dem undankbaren zweiten Platz gelandet war.

Obwohl die erste Reaktion am Samstagmorgen war: Schon wieder knapp daneben! Denn es war zunächst Noël Peiren aus dem westflämischen Zedelgem, der Anspruch auf den Nationalsieg geltend zu machen schien. Die Taube von Peiren war um 7.48 Uhr angemeldet, womit er eine Nasenlänge vor Chris Hebberecht zu liegen schien. Erst nach der Kontrolle durch die Organisatoren und den Vorsitzenden des Nationalen Sportkomitees Dirk Schreel stellte sich heraus, dass Noël Peiren seine Taube 1 Minute zu früh gemeldet hatte und die richtige konstatierte Zeit 7.49’05” Uhr war, woraus eine Geschwindigkeit von 903,58 m/min errechnet wurde. Damit lag er einwandfrei hinter der Taube von Chris Hebberecht, die um 8.05’49” Uhr auf einer Entfernung von 908,131 km konstatiert wurde und also eine Geschwindigkeit von 903,78 m/min erzielt hatte, was ohne Wenn und Aber die höchste Geschwindigkeit auf nationaler Ebene war. Ein Seufzer der Erleichterung, endlich hatte es geklappt! Ein Nationalsieg, der nun ganz oben auf der Liste mit den 2. Plätzen national eingetragen wird:

1. National St.Vincent 2013 gegen 3.386 Tauben mit Evert (908 km)
2. National Cahors 2010 gegen 8.651 Tauben mit Jamar (763 km)
2. National Castres 2003 gegen 4.101 Tauben mit Calypso 
2. National Beziers 2002 gegen 5.886 Tauben mit Pancho (866 km)

Damit haben wir noch kein Wort über die Reihe an provinzialen Siegen verloren, die Chris in den Jahren von 1999 bis 2013 einheimste, nachdem er nach dem Tod seines Vaters Octaaf die Fackel vollständig übernommen hatte und die Verantwortung vollständig auf seinen Schultern ruhte. Unterstützt wurde er dabei von seiner Frau Kathy und am Anfang auch von seinen beiden Söhnen Bart und Tom. Seitdem wurde jedes Jahr mindestens ein provinzialer Sieg errungen. Das ist schon stark! Man kann sagen, dass Chris die Fundamente, die Vater Octaaf gelegt hatte, optimal ausgenutzt hat, um darauf aufzubauen und vollen Nutzen daraus zu ziehen. Die bewährte Basis geht zurück auf Stammtauben wie den Korporaal, Pallieter, Jonge Jan, Fijnen und den Zwarte Verheecke. Daraus ging eine neue Generation von Spitzenzuchttauben hervor wie Wringer, Lobke, Krommen, Super (der von Antoine Bral zurückgeholt wurde) und selbstverständlich der Stammvater der heutigen Generation Bjorn. Aus der Kombination dieser Linien entspross eine ganze Serie von Ass-Tauben, darunter der Champion BE01-4094638 (1. Prov. & 2. Nat. Ass-Taube Weitstrecke KBDB 2005), der Bursche, der zur Zeit das Zepter in den Zuchtboxen schwingt. Allerdings fliegen auch die Nachkommen des Pancho nicht schlecht. Vielleicht verkaufte Chris mit ihm nicht nur seine 2. Nat. Ass-Taube Weitstrecke KBDB 2004 sondern zugleich auch einen Superzuchtvogel von Format. Das geht aus dem Stammbaum des frischgebackenen Nationalsiegers von Saint Vincent hervor. 

Evert sorgte für die Erlösung

Wer eine Ehrenliste wie Chris Hebberecht vorlegen kann und beinahe Jahr für Jahr um Haaresbreite an einem Nationalsieg vorbeigeschrammt ist, könnte auf die Dauer vielleicht denken, dass ihm so etwas nicht vergönnt sein sollte. Am Samstagmorgen schien sich abzuzeichnen, dass der Fluch noch immer nicht gebrochen war, aber als gegen Mittag dann ein Anruf von Yvan Eeckhout von der Belgische Verstandhouding kam mit der Nachricht, dass nach der Kontrolle der ersten Bestätigungen Chris doch noch den Nationalsieg zuerkannt bekam (und sei es nach einem Spurt, in dem es um Millimeter ging), konnten die Flaschen entkorkt werden und der Champagner reichlich fließen.

Der Nationalsieger stammt aus dem Kern des Hebberecht-Bestandes und hat sein Können sicherlich nicht von einem Fremden. Väterlicherseits ist er ein Halbbruder des Vaters von Ike. Zur Erinnerung: Er war 1. Nat. Ass-Taube Weitstrecke KBDB 2010 mit einem Rekordkoeffizienten (klick hier für die Ehrenliste von Ike). Mütterlicherseits ist Evert dagegen ein Halbbruder von Superflieger Vico, der 1. Internat. Ass-Taube Master Award 2010 wurde (Miterringer des Titels 1. Nat. Meister Große Weitstrecke KBDB 2010). Die Liste der Preise, die Evert auf den Nationalflügen gewann, sieht so aus:

-Evert BE10-4095160

2013 St.Vincent    Prov.    683 Tb. 1.
                   Nat.   3.786 Tb. 1.
                   Int.  10.944 Tb. 8.
2013 Montauban     Prov.  1.466 Tb. 67.
                   Nat.   6.772 Tb. 359.
2012 Limoges       Prov.  3.466 Tb. 193.
                   Nat.  13.781 Tb. 783.
2012 Tulle         Prov.  1.345 Tb. 65.
                   Nat.   6.817 Tb. 253.
2012 Souillac      Nat.   7.760 Tb. 700.
2012 Montluçon     Nat.  17.865 Tb. 4396.
2011 Limoges Jähr. Prov.  3.548 Tb. 117.
                   Nat.  14.686 Tb. 396.
2011 Châteauroux   Prov.  6.148 Tb. 471.
                   Nat.  25.263 Tb. 2154.

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Evert wurde als 3.-Benannter eingesetzt, nachdem er lange im ersten Fach des Witwerkorbes gesessen hatte. In letzter Konsequenz vertraute Chris zwei erfahreneren Tauben, weil es das erste Mal war, dass Evert an einem internationalen Flug teilnehmen sollte. Rächte er sich so an seinem Herrn, weil er ihn auf dem Poulbrief um zwei Plätze nach hinten geschoben hatte? Das könnte gut möglich sein. Zur Motivation bekam er vor dem Einkorben allerdings seine Täubin zu sehen. Wenn Chris eine kleinere Anzahl von Tauben einkorbt, macht er das schon mal. Wenn er mehr Tauben einkorbt, lässt er meistens zwei Weibchen frei auf dem Schlag laufen, um die Witwer besser greifen und in den Korb stecken zu können. Für die Interessierten noch dies: Vor der Saison haben die alten Reisetauben keine Jungen aufgezogen, nur zwei Mal etwa 5 Tage gebrütet. 

Ein Jahr danach

Genau ein Jahr nachdem er den 1. Prov. und 3. Nat. St. Vincent gewonnen hatte, erobert Chris jetzt den ersten Nationalsieg seiner Karriere und das auf demselben St.-Vincent-Flug. Der Bann ist gebrochen! Wer weiß, vielleicht folgen in Zukunft noch weitere fantastische Siege bis hin auf nationale Ebene. Denn was bis zum vorigen Wochenende auf dem eigenen Schlag nicht gelingen wollte, gelang auf anderen Schlägen mit Nachkommen der Hebberecht-Tauben, nämlich der Gewinn von Nationalsiegen.

Von Agen-Bordeaux gewinnt  Bert Van de Berghe den 1. national bei den alten Tauben. Der Vater dieses Siegers ist ein Sohn aus Tochter Champion. Auf demselben Agen-Bordeaux gewinnt Joël Verschoot den 1. national bei den Jährigen, ebenfalls mit einer Taube, in deren Adern Hebberecht-Blut fließt. Der Vater des Siegers ist ein Sohn aus Tochter Costello (Costello ist ein Bruder von Champion ). Auch in England landete an demselben Wochenende ein Nationalsieger mit Hebberecht-Abstammung auf dem Einflug bei B. Winter, der den 1. national Tarbes mit einer Taube aus der Linie des Jelle gewann!
An diesem Wochenende gewinnt Anders Bo Brobeh aus Dänemark den 2. national von Freiburg (906 km), hier ist der Vater zu 100% eine Hebberecht-Taube, und zwar aus Jef x Blauw 257/04 Pancho.

Dass die Formkurve steil nach oben zeigte, wurde schon am vorhergehenden Wochenende deutlich, als Chris den 1. lokal und 2. Prov. Libourne gewann. Auch von Brive konstatierte Chris an diesem Wochenende am laufenden Band, was einen weiteren lokalen Sieg und einen 2. Preis Provinzial zur Folge hatte. Wir veröffentlichen hier gern einige Zahlen aus den vergangenen zwei Wochen, um zu illustrieren, wie stark, ja dominant die Hebberecht-Brigade aufgestellt ist:

12.6. St.Vincent lokal 52 Tb.: 1-2-4 (3/6)
     Prov.   683 Tb.: 1-7-36 (3/6)
     Nat.  3.786 Tb.: 1 usw.
13.6. Brive lokal 356 Alttb.:
1-5-9-13-32-41-52-64-71-89 (10/12)
     Prov. 1.637 Tb.: 2-24-33-47-157-175-212-260-285-385 (10/12)
13.6. Brive lokal 253 Jähr.:
3-6-10-11-14-18-44-54-58-62 (10/17)
     Prov. 1.458 Tb.: 18-28-44-45-57-81-214-263-280-289 (10/17)
06.7. Libourne lokal 168 Alttb.:
1-4-13-16-19-28-55 (7/10)
     Prov. 1.480 Tb.: 2-10-30-48-54-69-251-266 (8/10)
05.7. Barcelona lokal 142 Alttb.: 5-13-34 (3/3)
     Prov. 1.933 Tb.: 74-216-469 (3/3)      

Für Chris Hebberecht sieht das Leben nach dem 1. Juli 2013 also völlig anders aus. Er selbst ist seit dem Ende des vorigen Jahres in Frührente, seine Frau Kathy schloss am 1. Juli ihre Zoofachgeschäft, sein neues Wohnhaus, das er auf der Rückseite seines Grundstückes (hinter den Taubenschlägen) errichtet hat, ist bezugsfertig, und... er hat seinen ersten Nationalsieg nun auch in der Tasche. Er kann jetzt zusammen mit seiner Frau Kathy sorglos das Leben genießen und vielleicht auch eine Erfolgsserie, die auch in Zukunft ihren Gang weitergehen wird. Das Leben ist schön... wo haben wir das doch noch gehört? Herzlichen Glückwunsch, Chris, und um mit einem passenden Sprichwort abzuschließen: Endlich bekam das Pferd seinen lange verdienten Hafer!