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Vanlint Michel verblüfft die Fachwelt mit 8 Nationalsiegen in 3 Jahren.


Eine glückliche Familie die in Belgien Fuß gefasst hat, und das nicht nur im Taubensport –
Michel Vanlint mit Frau und Tochter Linda.

„The lost son“ in aller Munde - Neue Dimensionen im belgischen Taubensport

Das Mutterland unseres Sportes, das westliche Nachbarland Belgien , ist in seiner langen Geschichte reich an Erfolgsstorys großer Meister vergangener Tage , aber auch an solchen aus der aktuellen Gegenwart. Viele dieser Züchter sind auch uns deutschen Sportfreunden seit Jahrzehnten ein fester Begriff, ja sie stehen häufig sogar an der Basis der deutschen Top-Schläge. Das war schon vor Jahrzehnten so, und das ist auch heute noch aktuell der Fall. Immer wieder stiegen auch gerade in Belgien neuer Züchter wie „Kometen“ auf und sorgten für Furore in der internationalen Brieftaubenwelt. Zugegeben: Sehr viele verschwanden auch wieder genauso schnell wie sie aufgestiegen waren, aber einige haben sich auch als „Dauerbrenner“ etabliert. Einer der auf dem besten Weg ist, zu so einem „Dauerbrenner“ zu werden und der zudem einen Aufstieg genossen hat wie noch nie ein Züchter in Belgien zuvor , ist Michel Vanlint aus Zoutleeuw, ein Mann der nicht nur in Belgien im Focus steht wie kaum ein zweiter. Diesen Ausnahmeschlag stellen wir Ihnen heute an dieser Stelle gern vor.

The lost son“ – Michel Vanlint – Eine Brieftaubenkarriere ohne Gleichen
Michel Vanlint vorzustellen ist sicherlich nach den vielen Veröffentlichungen in der letzten Zeit fast müßig ; dennoch ist seine Geschichte so einmalig, das wir auch an dieser Stelle nicht darauf verzichten können und wollen. Wer ist also dieser Michel und was verbirgt sich vor allem hinter der Bezeichnung „The lost son“ ? Nun, wörtlich übersetzt bedeutet dieses nicht mehr als „der verlorene Sohn“ und damit beginnt eigentlich schon die Geschichte von Michel. Geboren im Jahre 1935 als jüngstes von insgesamt sieben Geschwistern war Michel eigentlich schon mit dem „Taubenvirus“ infiziert. Seine 3 älteren Brüder waren allesamt Taubenzüchter und Michel packte die Begeisterung für die schnellen Brieftauben schon im Alter von 14 Jahren. Nachdem er, wie so viele in unserem Sport in der Jugend als Fußballer aktiv war, hing er Anfang der 70-er Jahre die Fußballschuhe an den berühmten Nagel, um sich ganz auf den Taubensport zu konzentrieren. Bereits 1971 wurde er mit nur neun Witwern 7. nationaler Meister von Belgien auf der Weitstrecke. Schon damals hatte er das richtige „Händchen“ für die Auswahl von Spitzentauben und für das Spiel mit Ihnen. Beruflich war Michel seit 1959 bis zum Jahre 1982 Direktor einer Bank. Und gerade der berufliche Weg sollte im Jahre 1978 für eine einschneidende Veränderung in seinem Leben sorgen.
Im Jahre 1978 fuhr Michel mit einer Delegation mehrerer Geschäftsleute zu einer Handelsmission nach Japan, Hongkong und Taiwan. Von diesen fernöstlichen Ländern hatte es im besonders Taiwan angetan. Das Land als solches, die Menschen dort und das ganze Drumherum haben ihn begeistert. Noch heute sagt er: „ Es war ein Paradies“. Im Jahre 1982 vollzog er dann mit immerhin schon 47 Jahren den Schritt, nach Taiwan überzusiedeln. Als ältester Student besuchte er die Universität um dort chinesisch zu lernen. Wie schwer es ist, gerade dieser Sprache in Wort und Schrift mächtig zu werden, ist sicherlich für einen Europäer und gerade auch für die deutschen Leser kaum nachzuvollziehen. Michel selbst sagt : „ Es war undenkbar schwer. Ein chinesisches Sprichwort sagt bei schwer zu bewältigenden Dingen „man hat schwarzen Schnee gesehen“ – Ich habe ihn mehrfach gesehen. Aber Michel hat sich durchgebissen und so wurde Taiwan seine zweite Heimat. Seinen Beruf als Bankdirektor konnte er dort fortsetzten und natürlich hat er auch den Kontakt zum Taubensport nicht verloren. Nicht nur in Taiwan war er fortan Ansprechpartner für die dort ansässigen Taubenzüchter. Man muß sich vorstellen, das der Sport dort in dieser Zeit ja gerade in der Aufbauphase war.
Und da Michel schon immer geschäftstüchtig war, und der Bedarf an Spitzentauben in Taiwan ständig anstieg, war er natürlich der gefragte Mann in Sachen Import von Top-Tauben gerade aus Belgien. Mehrfach nutze er daher im Jahr die Gelegenheit seine Heimat und seine Freunde und Familie zu besuchen und bei dieser Gelegenheit immer aktuelle Top-Tiere nach Taiwan zu transferieren. Viele der belgischen Spitzenschläge verdanken ihren guten Ruf, und damit verbunden auch einen entsprechenden finanziellen Aufschwung gerade in Taiwan , aber auch in Japan etc. nicht zuletzt den Kontakten und Aktivitäten von Michel Vanlint. Mit der Übersiedlung von Belgien nach Taiwan hatte der belgische Sport also einen seiner vielversprechendsten Söhne verloren ; daher also der Begriff „The lost son“.


“Amos “, dieser herrliche blaue Crack gewann den Nationalsieg ab Argenton vs. 6.924 Jährige. Weiter auf seiner Erfolgsliste: 5. La Souterraine, 6. Chateauroux, 7. Montlucon



Die Nationalsiegern ab Bourges 2005 vs. 32.724 Tb. heißt „Barbara“. Dieses As verkörpert der Taubentyp bei Michel Vanlint.


Silvester 2002 – Der verloren Sohn kehrt nach 20 Jahren zurück
Einige Jahre, nachdem er in Taiwan richtig Fuß gefasst hatte und auch dieses Land und seine Leute lieben gelernt hat, traf er dort seine heutige Ehefrau . 1992 heiratete er sie und 1993 wurde sie gemeinsame Tochter Linda geboren. Gerade auch die Geburt seiner Tochter gab seinem Leben erneut eine große Wende, und in ihm reifte der Gedanke irgendwann doch zu seinen Wurzeln, sprich nach Belgien zurückzukehren. Der Zufall wollte es , das er 1995 auf einem Forum in San Francisco den bekannten holländischen Züchter Willem de Bruijn kennenlernte. Die beiden merkten sehr schnell, dass sie auf der gleichen Wellenlänge waren und so kam der Stein erst richtig ins Rollen. Michel selbst : „ Fortan träumte ich fast jede Nacht davon noch einmal in Belgien mit Tauben zu spielen. Immerhin war ich da bereits 67 Jahre alt, und nach zwanzig Jahren aus einem Land fortzugehen, das mir soviel gegeben hat, das ich so geliebt habe wie meine ursprüngliche Heimat fiel mir sehr schwer. Aber dennoch habe ich mich zusammen mit meiner Familie entschieden, diesen Schritt zurück zu vollziehen. Über das Internet suchten wir uns ein Haus aus, das wir dann auch kurzfristig bei unserem nächsten Besuch in Belgien besichtigten. Mich interessierte natürlich sofort und als Wichtigstes, wie und wo ich die Tauben unterbringen konnten. Mein erster Gang bei der Besichtigung ging daher nicht ins Haus, sondern auf das im Hof befindliche Werkstattgebäude. Die Lage und auch die Größe dieser Werkstatt waren ideal, um hierauf tolle Schläge errichten zu können. Die Reaktion des Maklers und auch die meiner Frau brauche ich wohl nicht näher zu erörtern. Sie hielten mich wahrscheinlich für ein wenig verrückt, das ich mich nicht zunächst für das Haus sondern eher für die Möglichkeit der Errichtung der Taubenschläge interessierte. Aber so sind nun mal Taubenzüchter – und schließlich war es mein sehnlichster Wunsch, neben dem meiner Familie ein glückliches zu Hause zu bieten, in Belgien mit Tauben zu spielen, und das auf einem Top-Niveau. Also , auch das Haus als solches war natürlich in Ordnung und so wurde der Kauf abgeschlossen und am 31.12.2002 schliefen wir das erste Mal unter dem Dach unseres neuen Hauses.“

Ein perfekter Schlag – Vorraussetzung für absolute Spitzenleistungen
Neben der gesamten Planung des Umzuges und den damit verbundenen organisatorischen Dingen ging Michel unmittelbar nach der ersten Besichtigung in Zoutleeuw natürlich in der ihm eigenen akribischen Art an die Planung des Schlages.
Als Ersteller der Anlage hatte er sich den bekannten belgischen Schlagbauer Herman Van Oystaeyen ausgesucht. Zahlreiche Faxe mit Zeichnungen und Ideen wechselten in den nächsten Wochen von Taiwan nach Belgien und zurück. Viele Ideen wurden geboren und teilweise auch genauso schnell wieder verworfen, bis der heutige Schlag in seiner jetzigen Form auf dem Papier zunächst mal feststand. So konnte Van Oystaeyen parallel zu dem Umzug schon mit der Fertigung der Schläge beginnen, denn es sollte ja schnell gehen und möglichst schon in 2003 wollte Michel schon mit den Jungtieren reisen.
Der Schlag auf dem Werkstattgebäude ist nach langer Planung dann in L-Form erstellt worden. Der für die Jungtiere vorgesehene Schenkel ist insgesamt 15 Meter lang und umfasst vier Abteile für die einzelnen Zuchten. Der Schenkel für die Witwerabteile ist 9 Meter lang und umfasst 3 Abteile a`12 Zellen für die Witwer sowie zwei kleinere Abteile für die reisenden Weibchen.. Die Tiefe beträgt durchgehend 3 Meter, wobei auf allen Schlägen ein Laufgang von etwa 1,2o Meter vorhanden ist. Das wirkt sich positiv auf die Tauben aus, weil Michel sie von diesem Gang aus beobachten kann, ohne die Tiere zu stören. Die Ausrichtung der Ausflüge zeigt nach Ost-Süd-Ost. Michel legte Wert darauf, das nur abgelagertes Holz verwendet wurde, um Nachteile durch Ausdünstungen zu vermeiden. Alle Zellen verfügen der Bequemlichkeit halber über Kotbänder. Zudem wurden in allen Abteilen Absauganlagen installiert, die bei Bedarf und vor allem bei großer Hitze eingeschaltet werden können. Zudem gibt es in allen Abteilen Heizplatten, die vor allem dafür sorgen , das die Luftfeuchtigkeit entsprechend reduziert werden kann. Michel dazu : „ Ich wollte von Anfang an für meine Tiere die bestmöglichen Vorraussetzungen schaffen was die Unterbringung der Tauben anging. Das war der erste und wichtigste Schritt.“ Die von ihm getroffenen Maßnahmen waren mehr als richtig, wie die Erfolge beweisen, dazu später mehr.


Sie errang den bisher letzten und 8. Nationalsieg in der Karriere des „Lost son“ ; „Christina“ siegte am 26.8.06 gegen 17.545 alte und junge Tauben. Grandios !


Ebenfalls eine erfolgreiche Amazone. „Bianca“ mit Spitzenplatzierungen auf den Nationalflügen und in den Wettbewerben der AS-Tauben im BDS und KBDB

Die Ursprungstauben – Auch eine Geschichte für sich
Neben einer hervorragenden Schlaganlage gehört natürlich auch das entsprechende Taubenmaterial dazu, um ganz nach vorne zu kommen. Das war auch für Michel klar. Natürlich wusste er durch seine jahrelangen Kontakte nach Belgien und auch Holland, wo aktuell die besten Tauben sitzen. Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, dort vorstellig zu werden um einige Tiere zu erstehen. Aber Michel ist ein zu alter Fuchs um so vorzugehen. Er ging anders vor . Lassen wir ihn zu Wort kommen.: „Natürlich habe ich zunächst nach meiner Rückkehr nach Belgien meine Freunde angerufen, um mich zurückzumelden. Und da sich unter meinen Freunden auch viele Taubenzüchter befinden, habe ich diesen auch gleich von meinem Vorhaben erzählt, wieder mit Tauben spielen zu wollen. Viele dieser „Freunde“ haben mir davon abgeraten. Viele sagten: Michel, du warst 20 Jahre weg. Im Taubensport hat sich soviel verändert, wir glauben nicht, das es Dir gelingt hier im belgischen Taubensport noch einmal Fuß zu fassen. Aber ich ließ mich davon nicht beeindrucken. Ich habe auch bei keinem dieser Züchter um Jungtiere oder Zuchttauben angefragt, obwohl hierunter sehr viele waren, denen ich durch meine Tätigkeit in Taiwan dazu verholfen habe, dort richtig Fuß zu fassen und auch entsprechend Tauben zu verkaufen. Ich habe vielmehr alle die mir in den Sinn kamen über meine Rückkehr und mein Vorhaben informiert und abgewartet was passiert. Neben den zuvor geschilderten blieben dann letztendlich drei wirkliche Freunde übrig, die mich spontan mit Tauben unterstützen. Das waren zum einen mein Freund Willem de Bruijn aus Holland, mein belgischer Freund Filip Herbots, der nur ein wenige Kilometer entfernt von mir wohnt sowie nicht zuletzt Willy-Olivier Devos aus Kumtich, einer der besten belgischen Weitstreckenspieler. Mit den Tauben dieser drei Freunde startete ich 2003 auf den Jungtierflügen. Und aus der Nachzucht daraus formte ich in Verbindung mit verschiedenen Top-Tauben, die ich teilweise nach Taiwan transferierte und die vorher noch auf dem Schlag meines Bruders züchteten, meinen heutigen Leistungsstamm.

Einsatz total- Taubensport in Perfektion
Michel hat keinen Versorger – er macht alles selbst. Zusammen mit seiner Frau geht er ihm Taubensport voll auf. Er tut alles, um seine Renner zum Erfolg zu führen. Schon beim Training der Jungtauben verwendet er sehr viel Aufmerksamkeit. Beim Hereinkommen werden den Jungtieren schon mit dem Stöckchen gleich Manieren beigebracht, eine Art die er in Taiwan kennengelernt hat. Von Anfang an müssen Sie gehorchen. Michel reist mit 36 Paaren nach der totalen Witwerschaft. In der letzten Dezemberwoche erfolgt die Anpaarung. Alle Paare ziehen zwei Jungtiere groß. Sind diese 14 Tage alt werden die Paare getrennt und ein Jungtier kommt zusammen mit den Weibchen auf den Jungtierschlag, während das andere beim Vogel verbleibt.
Bei Michel ist der Taubensport Leistungssport. Als Taube hat man dort kein ruhiges Leben. Training und Wettkampf ist hier in Zoutleeuw angesagt. Von Anfang April bis zum letzten Nationalflug im September gehen alle Taube die einjährig und älter sind Woche für Woche an den Start, dazu noch ab ca. Mitte Mai ausschließlich auf Flügen von mehr als 450 km. Dieses System steht natürlich nicht jede Taube durch, aber diejenigen die es nicht schaffen sind bei Michel fehl am Platz.
Die Tauben werden wie gesagt nach der totalen Witwerschaft gespielt, wobei das Rotationssystem Anwendung findet. D.h., das die Männchen natürlich in den größeren, mit Zellen ausgestatteten Abteilen sitzen, während die Weibchen sich in den kleineren, dazwischen liegenden Schlägen befinden. Die Weibchen fliegen zum Training aus diesen Abteilen heraus und in dieser Zeit werden die Vögel dann in die Abteile der Weibchen umgetrieben. Nach dem Training kommen die Weibchen in die jeweiligen Hauptschläge, in denen die Zellen allerdings verschlossen sind. Sie sitzen nur auf den vor den Zellen angebrachten Sitzbrettchen, dürfen sich dort ein wenig ausruhen und werden in diesen Abteilen gefüttert und getränkt. Kurz bevor das einstündige Training der Vögel dann beendet ist werden sie wieder in ihr Abteil umgesiedelt. Die Zellen werden wieder geöffnet und die Vögel können zur Versorgung wieder in den Schlag.

Ab etwa Mitte März werden die Tauben zweimal wöchentlich privat trainiert, je nach Witterung von 10 bis zu 40 km. Auch in der Saison werden die Tauben bis zu dreimal wöchentlich von bis zu 40 km trainiert. Dabei werden zunächst die Weibchen gestartet und etwa 15 Sekunden später die Vögel. Man kann sehen, wie die Vögel regelrecht hinter den Weibchen hinterhersputen. Michels Frau ist in der Regel zu Hause um die Tauben zu empfangen. Man kann sehr häufig feststellen, das die Weibchen auch 15 Sekunden eher daheim sind als die Vögel. Unmittelbar nach dem Einspringen werden sie wieder getrennt.
Dieses permanente Training erfordert es nicht, das die Partner sich vor dem Einsatz noch einmal sehen. Sie wissen nur allzu gut, das bei der Rückkehr der Partner auf sie wartet.

Nach jedem Wettflug erhalten die Tauben in einem Eimer mit heißem Wasser ein Zwangsbad. Während dieses Bades sind sie noch nicht vom Partner getrennt, weil sie so schneller trocknen. Sobald alle Tauben wieder trocken sind, werden sie getrennt.


Er macht seinem Namen alle Ehre; dieser Crack mit Namen „Adonis“ gewann national La Souterraine. Ein Prachtkerl

1. Nationale AS-Taube Mittelstrecke BDS 2005 wurde der „Brian, der u.a einen 7. Preis national Bourges vs. 21.940 Tauben und einen 9. Preis national Bourges vs. 12755 Tb. errang 


Ausgewogene, den Anforderungen entsprechende Ernährung
Natürlich muß bei solch hohen Anforderungen durch Wettflüge und Training auch die Versorgung, die Ernährung entsprechend aufgebaut sein. Die Basismischung von Michel besteht zu 50 % aus „Zucht-Plus“ von Versele und 50 % feinkörnigem Cribs-Mais. Die Tauben werden auf einem Futtertisch aus der Hand gefüttert um so beobachten zu können, was die Tauben am liebsten fressen. Vitaminzusätze, Bierhefe aber auch falls notwendig Medikamente gibt es ebenfalls über das Futter, wobei zu berücksichtigen ist, das das präparierte Futter nicht so gerne aufgenommen wird. Aus diesem Grund befindet sich in den Abteilen bei Michel noch ein zusätzlicher Futterbehälter der nur bei Bedarf geöffnet wird, damit die Tauben sich nach erfolgter Aufnahme des angereicherten Futters noch einmal satt fressen können.

Zum Ende der Woche erhalten die Tauben zusätzlich Sämereien, Hanf etc. um die Energiereserven aufzufüllen. Zusätzlich gibt es aus dem Vorratsbehältern „ Energy-Plus“ von Versele zur freien Aufnahme.

Frischer Grit im täglichen Austausch ist laut Michel ein ausgesprochenes Muß, ebenso wie Vorbeugemaßnahmen während der Saison. Da die Tauben in Belgien häufig sogar 2 oder 3 Nächte im Korb sind, und das dazu bei Michel jede Woche, ist natürlich auch die Ansteckungsgefahr entsprechend hoch. Michel beugt hier durch den wechselweisen Einsatz von „Falgyl“, „Ronidazol“,“ Enephtin“ oder auch „Spartrix“ vor.

Nach jedem Flug werden Elektrolyte gereicht. Sollten die Tauben nicht in Ordnung sein erhalten sie zusätzlich Augentropfen, einmal auf natürlicher Basis oder auch auf antibiotischer Basis.

8 Nationalsiege in drei Jahren – Das gab es noch nie
Bekanntermaßen haben gerade in Belgien Nationalsiege ein hohen Stellwert. Spitzenplatzierungen gegen hohe Taubenzahlen und gegen die besten Züchter des Landes sind das Ziel eines jeden Sportfreundes. Den meisten gelingt es nicht , überhaupt einmal in den Genuß eines solchen Sieges zu kommen. Michel Vanlint hat das Kunststück fertiggebracht, in den Jahren von 2004 bis 2006 nicht weniger als 8 Nationalsiege zu erringen !!!! Das ist bisher einmalig !!!


Die vorbildliche Schlaganlage auf dem ehemaligen Werkstattgebäude. Hier ist ein Milieu geschaffen, auf dem Spitzenleistungen einfach kommen müssen.


Sehen Sie hier die Auflistung der Nationalsiege:
NATIONAL -Siege: 2004 – 2006

1 National Bourges 32.724 p.
1 National Bourges 21.796 p.
1 National La Souterraine 17.545 p.
1 National La Souterraine 13.918 p.
1 National Bourges 10.670 p.
1 National Argenton 6.924 p.
1 National Bourges 5.759 p.
1 National Bourges 4.753 p.
1 National La Souterraine 3.619 p.
1 National La Souterraine 3.150 p.
1 National Vichy 2.460 p.
1 National La Souterraine 1.564 p.
1 National Gueret 1.310 p.
1 National Vichy 1.249 p.
1 National Vichy 875 p.

Absolut einmalig; dazu kommen natürlich noch eine Großzahl von weiteren Spitzenplatzierungen:

Hier der Auszug nur auf Nationalflügen: 1.,1.,1.,1.,1.,1.,1.,1.,2.,3.,3.,4.,4.,4.,5.,7.,8.,8.,9.,9.,9.,9.,12.,12.,13.,13.,15.,
15.,17.,21.,21.,23.,24.,24.,25.,26.,28.,30.,35.,36.,37.,38.,44.,44.,45.,45.,45.,45.,46.,47.,48.,50. National.
Insgesamt 19 Preise bis zum 10. Konkurs, 22 Preise bis zum 25., 39 Preise bis zum 50. und 70
Preise bis zum 100. Konkurs national.

TOP-Flüge National :
Bourges 460 km, 2005 , vs. 32.724 Jungtauben : 1. National
Bourges 460 km, 2005, vs. 21.796 Jährige 1.,5.,7.,8.,9.,38.,161. etc.
Bourges 460 km, 2005, vs. 5.759 Weibchen 1.,3.,4.,17.,21. etc.
La Souterraine 576 km, 2004, vs. 3.150 Jährige 1.,4.,8.,36.,52. etc.
Vichy 537 km, 2004, vs. 2.460 Alte 1.,2.,9.,26.,45.,46.,47. etc.
Vichy 537 km, 2004, Weibchen 1.,2.
Semi-National Argenton 540 km, 2004, vs. 6.924 Jährige 1.
La Souterraine 576 km, 2006, vs.17.545 Tb. 1.
Vichy 537 , 2005, vs. 2.461 Alte 4.,23.,25.,84.,105. etc.
Bourges 460 km, 2005, vs. 12.755 Jährige 9.,28.,48.,144. etc.
Vichy 537 km, 2004, vs. 11.296 Junge 12.,30.,71., etc.
Vichy 537 km, 2003, vs. 11.448 Junge 13.,15.,58. etc.
Argenton 540 km, 2004, vs 23.010 Junge 13.,21.,45. etc.
Bourges 460 km, 2003, vs. 45.684 Junge 15.,80., etc.
Argenton 540 km, 2005, vs 4.804 Jährige 24.,44.,45.,64. etc.
Argenton 540 km ,2005, vs. 21.299 Junge 53.,56.,71.,73. etc.
La Souterraine 576 km, 2003, vs. 14.021 Junge 56.,66. etc.
La Souterraine 576 km,2005 , vs. 3.444 Alte 35.,65.,98.,99. etc.


Jung gewohnt ist alt getan
Dieses alte deutsche Sprichwort findet auch oft im Taubensport Anwendung ; so auch bei Michel Vanlint. Schon mit dem Absetzen der Jungtauben beginnt der kontinuierliche Aufbau und die Vorbereitung auf das gesamte spätere Taubenleben. Abgesetzt werden bei Michel etwa 100 Jungtiere aus den ersten beiden Zuchten, die natürlich auch verdunkelt werden. Anders kann man den Anforderungen an den Nachwuchs auch hier in Belgien nicht gerecht werden. Und das Programm für die Jungtiere sieht hier von den Entfernungen und auch vom Schwierigkeitsgrad anders aus als hier in Deutschland. Die Verdunkelung wird bei Michel bis etwa Ende Juni durchgeführt und zwar von 19.00 Uhr abends bis 8.oo Uhr am darauffolgenden morgen.
Aber kurz zurück zum Absetzen der Jungtiere. In den ersten drei Monaten werden die Jungtiere energiereich und reichlich gefüttert. In dieser Zeit lässt Michel auch
( natürlich durch Raf Herbots )alle erforderlichen Impfungen gegen Paramyxo, Parathyphus und Pocken durchführen. Für die Entwicklung sind diese ersten drei Monate sehr wichtig und die Tauben bauen auch hier ihre eigene Widerstandskraft auf. Natürlich ist das Training während dieser Zeit eher mäßig. Aber Michel lässt die Tauben in dieser Zeit gewähren. Erst nach Ablauf der drei Monate stellt er das Futter um . Die Jungen erhalten dann morgens Diät und abends „Gerry-Plus“ von Versele. Wenn sie dann am Haus so ca. 30 Minuten ziehen, ist die Zeit gekommen, die Tiere zu trainieren. Das geht bei Michel sehr behutsam vonstatten. Die privaten Flüge beginnen bei ca. 3 km und werden langsam auf bis zu 10 km gesteigert. Erwähnenswert ist, das er sich erst einen anderen Platz aussucht, wenn die Tauben von vorherigen Platz sicher und ohne lange zu kreisen nach Hause fliegen. Bereits mehrere Stunden vor dem Start setzt er die Jungen in die Körbe und tränkt diese auch am Auflaßplatz noch mal. So werden Sie behutsam auf ihre späteren Aufgaben vorbereitet und lernen bereits jetzt alles, was sie im späteren Reiseprogramm wissen müssen.

Auch bei Vanlint werden die Jungtiere schon auf Witwerschaft gespielt. Während der Woche werden sie dreimal auf 40 km privat trainiert. Selbst am Einsatztag findet dieser Trainingsflug noch statt. Nach der Rückkehr von diesem Flug werden bleiben sie zwei Stunden zusammen um danach noch mal getrennt zu werden. Sie erhalten dann ca. 2 Stunden vor dem Einsatz noch mal ausgiebig Gelegenheit zu fressen und zu saufen.

Wenn wir vorher schrieben, dass das Taubenleben bei Michel mehr als anstrengend ist, so trifft das auch schon auf die Jungtiere zu. Alle Jungen die auf dem Schlag verbleiben sollen müssen an vier Nationalflügen teilnehmen. Diese sind wie folgt:

Bourges 460 km
Argenton 540 km
La Souterraine 576 km
Vichy 537 km

Zwischen diesen vier Nationalflügen gehen sie wöchentlich auf Flüge über 450 km !!!
Für uns kaum vorstellbar, aber der Erfolg gibt ihm Recht, denn die erfolgreichen Jungtiere sind auch als Jährlinge und danach noch erfolgreich.

Taubensport findet an 365 Tagen statt
Getreu dieser Maxime handelt Michel. Um auf einem solch hohen Niveau zu spielen, muß man als Züchter auch die entsprechenden Bedingungen dazu schaffen. „Von den Tauben alles verlangen, aber selbst auch bereit sein alles für den Erfolg zu tun“ ist die Grundvoraussetzung nicht nur bei Michel Vanlint. Das geht über die täglichen Arbeiten mit den Tauben bis hin zu Untersuchungen, vorbeugenden Maßnahmen, Behandlungen, Training etc. etc. .
Um etwaigen Krankheiten nach der Saison, in der Michels Tauben oft bis 50 Nächten im Korb gesessen haben, vorzubeugen führt er z. B. grundsätzlich vom 1. bis zum 20. Oktober eine Kur mit „Emdotrin“ gegen Parathyhus durch. Der Mauser tut das keinen Abbruch und die Nebenwirkungen sind bei diesem Präparat nicht von Bedeutung. Hierdurch wird nicht nur eine gute Mauser sichergestellt, sondern diese Kur ist gleichzeitig schon Vorbereitung auf die Anpaarung, die ja schon Ende Dezember stattfindet. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt also in Zoutleeuw nicht.

Der Sport hat sich in den letzten Jahren enorm gewandelt
Das weiß natürlich auch solch ein Top-Züchter wie Michel Vanlint nur allzu gut. Das Spiel von vor 15 – 20 Jahren ist heute nicht mehr aktuell. Die Zeit ist schnelllebiger geworden und die Leistungsdichte ist sehr viel größer. Daher kann man heute nur mit einem Top- Zuchtbestand einen Stamm aufbauen. Absolute Cracks, oder Tauben die aus solchen Familien stammen in denen viele Ausnahmetauben verankert sind , sind Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zucht. Viel züchten, immer neue Kombinationen austesten und natürlich entsprechend hart selektieren ist unbedingt notwendig um auf Dauer ganz oben mitzuspielen. Das dazu natürlich auch Faktoren wie eine optimale Schlaganlage, eine entsprechende Versorgung und auch natürlich die Gesundheit der Tauben gehört ist selbstverständlich. Wie Michel hier verfährt haben wir zuvor schon beschrieben. Für ihn besonders wichtig ist das bereits beschriebene Trainieren der Tauben und der Super Orientierungssinn . Seiner Meinung nach macht dieses bis zu 90 % des Leistungsvermögens aus. Die restlichen 10 % sind die fühl- und sichtbaren Eigenschaften. Bei letzteren achtet Michel auf folgende : Gleichgewicht, seidenweiches Gefieder, schöner langer Flügel sowie gut geschlossene Legebeine und eine hervorragende Muskulatur.

Fazit
Ich habe bei meinem Besuch in Zoutleeuw einen absoluten Ausnahmezüchter kennengelernt. Einer der sein Metier bis ins kleinste Detail versteht, ein Taubenverrückter also wie er sich selbst bezeichnet. Dazu aber auch einen sympathischen Zeitgenossen, der stets zu einem Scherz bereit ist, der stundenlang begeisternd und mitreißend erzählen kann ohne das es je langweilig werden könnte. Wir hätten noch einige Stunden zusammen diskutieren können, und dieser Bericht wäre noch mal so lang geworden. Natürlich ist zudem weltgeandt, das bringt sein Lebensweg mit und seine Kontakte im Ausland sind heute noch beeindruckend. Es war Anfang November als wir uns trafen, eigentlich Zeit für Tauben und Züchter zu entspannen. Aber Michel stand schon wieder „voll unter Dampf“, plante für die kommende Saison und gab auch unumwunden zu : „Manchmal wache ich nachts auf und frage mich ob die Erfolge der letzten Jahre wirklich Realität sind, oder ob iich das alles nur geträumt habe. Aber vor jedem neuen Jahr packen mich auch Zweifel und Angst, ob das kommende Jahr wieder so gut wird, ob wieder alles optimal läuft. Hätte ich diese Zweifel und Angst nicht, so ginge es mit den Leistungen meiner Tauben wahrscheinlich bergab. Man muß diese Zweifel haben, um wachsam zu bleiben, um weiter mit der gewohnten Intensität an den Tieren zu arbeiten und sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Stillstand ist Rückgang, das steht zweifellos fest.
Ich bin abschließend überzeugt davon, das Michel auch für 2007 alles getan hat, um wieder ganz oben zu sein. Warten wir ab, ob ihm auch 2007 Nationalsiege vergönnt sind. Ich bin dessen sicher und wünsche ihm alles Gute dazu.
Good luck , lost son !!